Ende Dezember 2014, Mitchell Weiser dreht mit den Spielern der Amateurmannschaft seine Runden an der Säbener Straße und hat die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Schon wieder keine Nominierung für den Spieltagskader der Bundesligamannschaft und hätte man zu diesem Zeitpunkt ein Resumee seiner bisherigen Bayern-Zeit ziehen müssen, es wäre vermutlich ziemlich ernüchternd ausgefallen. Zu groß die Hoffnungen nach seinem aufgehenden Stern beim 1.FC Köln, auch im Starensemble auf nennenswerte Spielpraxis zu kommen.Man nahm ihm außerdem zweimal seine ausgewählte Trikotnummer weg, einem Status, bei dem nur wenige Fans hätten einen Pfifferling auf ihn gewettet hätten, doch strafte er aller Kritiker Lügen, setzte sich in der Rückrunde anfangs aufgrund der Verletzungsmisere seiner Kollegen durch, doch gehörte er auch spielerisch zu einer der überraschenden Gewinner der Rückrunde des Rekordmeisters und spielte sich wieder ins Rampenlicht. Ob Berlin nun der richtige Schritt für den gebürtigen Troisdorfer ist, was den Spielertyp Weiser ausmacht und wie seine neue Konkurrenz in der Hauptstadt aussieht, liest du im heutigen Artikel.

 

Der 21-jährige Mitchell Weiser machte seine ersten fußballerischen Schritte im Kleinkindalter bei Velterhof, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Köln, unweit entfernt von der Arbeitsstätte, seines Vaters und Ex-Bundesligaspieler Patrick Weiser, der seinerzeit bei den Geißböcken verteidigte. Eine Kölner-DNA, die auch den jungen elfjährigen Mitchell infizierte und ihn dazu bewog ein Probetraining bei den Kölnern zu absolvieren, die ihn in die Jugendabteilung aufnahmen und ihn behutsam zum Leistungsträger in den Jugendteams förderten. Anfang 2012 feierte Weiser dann sein Startelfdebüt unter dem Norweger Stale Solbakken und kurz darauf trudelte auch das Interesse des FC Bayern ins Haus. Ein großes Lob für den Jungen, aber auch ein Konflikt zwischen seinem Herzen und der sportlichen Veränderung bei einem Weltklub. Weiser wagte den Schritt, kam jedoch für viele Experten erwartungsgemäß nicht klar und wurde ein halbes Jahr später zum 1.FC Kaiserslautern in die 2.Bundesliga verliehen, welche ihn wieder auf die Beine brachten, jedoch am Standing im Kader des Rekordmeisters auch unter Guardiola nur wenig änderte bis zur Rückrunde der abgelaufenen Saison, als Weiser auf der rechten Außenbahn, sowohl defensiv als auch offensiv durchstartete.

Mit Mitchell Weiser bekommen die Herthaner einen jungen, pfeilschnellen, technisch beschlagenen Allrounder, der aufgrund seiner starken Rückrunde mit gehörigem Selbstbewusstsein bis 2018 seine neue Station Berlin angehen dürfte. Zu den weiteren Stärken zählen seine Dribbelstärke und jugendliche Unbekümmertheit, sowie seine stark ausgeprägte Polyvalenz und taktische Ausbildung, die es ihm ermöglicht auf diversen Positionen zum Einsatz zu kommen. Der ablösefreie Neuzugang agiert vor allem auf der rechten Seite, sowohl als rechter Verteidiger, rechtem Mittelfeld sowie als rechter Außenstürmer und tritt damit in direkte Konkurrenz zu etablierten Spielern wie Pekarik und Beerens, sowie Allagui und als direkter Ersatz zu Marcel Ndjeng, dessen Vertrag man nicht verlängerte. Der offensivstarke, routinierte Kämpfer Beerens spielte eine überraschend gute erste Saison, zählte mit Stocker zu den Schwungräderm der Offensive, bringt die Erfahrung von 250 Erstligaspielen in Holland mit und dürfte der Hauptkonkurrent von Weiser sein, aber auch der slowakische Rechtsverteidiger Peter Pekarik, als Co-Kapitän von Hertha BSC, ist aufgrund seiner Defensivstärke und konstanten Leistungen ein harter Konkurrent, jedoch fehlt ihm dieser Esprit und Leidenschaft im Vorwärtsgang, wofür Weiser idealtypischerweise steht. Da Stürmer Salomon Kalou in der abgelaufenen Saison häufig in der Luft hing und vergeblich auf brauchbare Flanken und Zuspiele wartete, könnte Weiser nun Abhilfe schaffen und das Offensivspiel auf eine neue Ebene hieven.

Insgesamt ist der Hertha ein interessanter, überraschender Transfer gelungen. Ein junger deutscher ablösefreier Außenverteidiger war natürlich auf dem Markt stark nachgefragt und ist auch ein Zeichen für ein neues Selbstverständnis der Berliner, für solche Spieler attraktiv zu sein und sich im Konkurrenzkampf durchzusetzen. Weiser plant nun bei einem soliden Bundesligisten seine Karriere auf festere Beine zu stellen und geht dabei bewusst erstmal den Weg zu einem soliden Bundesligisten und nicht in die Champions-League, dessen Potenzial für die Königsklasse zwar in Zukunft vorhanden sein könnte, jedoch momentan noch nicht vollständig ausreicht um ein solches Team in der Spitze zu verstärken. In Berlin könnte Weiser nun ein wertvolles Mosaiksteinchen sein auf dem Weg sich im Oberhaus zu etablieren und sollte in der Hauptstadt auch eine weit größere Wertschätzung bekommen.Unwahrscheinlich, dass Weiser nun im nächsten Winter mit der Reservemannschaft seine Runden drehen muss.

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