Meisterschaften, glänzende Auftritte auf europäischem Parkett – vor fünf Jahren schien dies noch in nicht allzu greifbarer Nähe für Borussia Dortmund zu sein. Hatte man doch erst eine sportliche und finanzielle Talsohle durchschritten und begann nun mit Jürgen Klopp, sich wieder der nationalen Spitze anzunähern. Auch in der vergangenen Bundesligaspielzeit durchlebte man eine Krise, nach der man nun wieder angreifen will. Doch diese hatte nicht ein solches Ausmaß wie jene in den Spielzeiten vor 2010. Außerdem sind die Ansprüche inzwischen weitaus höher als damals – was vor allem an der positiven Entwicklung unter Klopp liegen dürfte, die vor fünf Jahren die ersten Früchte trug. Zeit für einen Vergleich des BVB von Dezember 2010 mit der jetzigen Mannschaft.

Momentane Situation
Der BVB und seine Fans können derzeit wieder im Stimmungshoch sein. Denn seit Thomas Tuchel das Traineramt im Sommer von Jürgen Klopp übernahm, passte er die Spielweise der Borussia leicht an und erreichte mit der Mannschaft bisher eine starke Punkteausbeute von 38 Zählern. Spieler wie Kagawa, Mikhtaryan und Gündogan blühen wieder auf, Aubameyang trifft am Fließband und auch Marco Reus ist, sofern verletzungsfrei, wieder ein wichtiger Scorer. Im DFB-Pokal zog man locker ins Achtelfinale ein und spielt am Mittwoch in Augsburg. Lediglich in der Europa League lief es bisher nur durchschnittlich. Zwar erreichte man relativ souverän das Sechzehntelfinale, doch dass man nur Gruppenzweiter hinter Krasnodar werden würde, hatte man nicht gedacht. Schlechte Chancenverwertung, Pech beim Abschluss, aber auch eine in Krasnodar und gegen Saloniki nicht mit allen Leistungsträgern aufgebotene Mannschaft sind die Gründe hierfür. Sei’s drum, denn ein leichter Gegner wäre in der nächsten Runde wohl so oder so nicht gekommen. Nun geht es gegen den FC Porto, den man auf dem Weg zum erklärten Ziel, dem Finale in Basel, aus dem Weg räumen muss. Keine leichte Aufgabe, aber wer die Europa League gewinnen will, der muss jeden Gegner schlagen. Das will Dortmund und das kann diese Mannschaft auch. Die Zeichen stehen kurz vorm Fest also gut für Dortmund – und die Freude dürfte mit einem Pokalsieg in Augsburg und einem Erfolg gegen den FC aus Köln sogar noch ein wenig größer werden.

Doch wie sah es vor 5 Jahren aus?
Die Hinrunde 2010/11, das ist der Beginn der dritten Saison von Jürgen Klopp beim BVB und der Beginn einer mehrjährigen Erfolgsgeschichte. Denn in dieser Spielzeit eilen die Dortmunder von Sieg zu Sieg, verlieren in der Hinrunde nur die erste Partie daheim gegen Leverkusen (0:2) und die Partie am 17. Spieltag in Frankfurt (0:1, Torschütze: Theofanis Gekas). Zwischendurch gibt es noch ein Unentschieden gegen Hoffenheim am 9. Spieltag (1:1), ansonsten werden alle Duelle gewonnen. Damit stehen am Ende der Hinrunde 2010/11 satte 43 Punkte zu Buche und schon zehn Punkte Vorsprung auf die Verfolger aus Mainz und Leverkusen. Der Grundstein zur ersten deutschen Meisterschaft seit 2002 ist gelegt, ebenso wie damals läuft man vor Leverkusen und Bayern München ins Ziel ein. Dabei hatte mit diesem Erfolg niemand gerechnet, waren die 2000er Jahre nach der Meisterschaft 2002 doch sehr durchschnittlich verlaufen, was auch an einer schweren finanziellen Krise in der Saison 2004/05 zusammenhing und man daraufhin fast alle Stars verkaufen und kleinere Brötchen backen musste. Doch als Jürgen Klopp die Borussia zum 1. Juli 2008 übernahm, begann er, sie langsam wieder auf Vordermann zu bringen. Es wurde hart und unermüdlich am kommenden Erfolg im Revier gearbeitet und die Saisonabschluss-Platzierungen sechs (2008/09) und fünf (2009/10) zeigten den ersten Aufwärtstrend. Durch den fünften Platz war der BVB in der Spielzeit 2010/11 außerdem zum ersten Mal seit 2003/04 im Europapokal unterwegs und durfte sich in der Europa League beweisen. Doch nach zwei Siegen, drei Unentschieden und einer Niederlage und insgesamt somit neun Punkten schied man schon in der Gruppenphase unglücklich hinter Paris St. Germain und dem FC Sevilla aus. Dies lag aber auch daran, dass Dortmund trotz seiner bereits vorhandenen spielerischen Klasse seine Chancen nicht gut genug nutzte. Andererseits gab es deshalb auch keine Doppel – oder gar Dreifachbelastung in der Rückrunde und da man auch im DFB-Pokal schon in der 2. Runde ausschied (im Elfmeterschießen gegen Offenbach), konnte man sich voll und ganz auf die Meisterschaft konzentrieren. Das Ende vom Lied ist bekannt und dürfte die BVB-Fans immer noch in wunderbaren Erinnerungen schwelgen lassen. Doch in den kommenden Jahren sollte es noch besser werden.

Vergangene Lorbeeren und Höhen und Tiefen der letzten Jahre
Nach der Meisterschaft 2011 konnte man gespannt sein, ob die Borussia in der Spielzeit 2011/12 diesen Erfolg noch einmal würde wiederholen können. Und sie konnte. Denn auch die wiedererstarkten Münchner konnten in Schach gehalten werden, der entscheidende Showdown um den Meistertitel stieg am 30. Spieltag in Dortmund: Mit einem Erfolg beim BVB hätten die Bayern nach Punkten gleichziehen können, doch die Borussia siegte nach einem Treffer von Robert Lewandowski und einem gehaltenen Elfmeter von Roman Weidenfeller gegen Arjen Robben. Die Tür zur Meisterschaft war mit einem Sechs-Punkte-Vorsprung offen und der BVB musste nur noch hindurchgehen. Noch besser kam es im Mai beim Pokalfinale gegen die Bayern in Berlin: Dortmund siegte 5:2 gegen überforderte Münchner, Lewandowski erzielte dabei drei Treffer. Das erste Double in der Dortmunder Vereinsgeschichte war perfekt, Jürgen Klopp spätestens jetzt einer der wichtigsten Trainer in der Historie der Borussia. In der Folgezeit wurde man noch zweimal Zweiter hinter den Bayern, erreichte 2013 das Champions League-Finale und 2014 das DFB-Pokalfinale und unterlag dem Dauerkonkurrenten beide Male nur knapp. Dann jedoch brach die vergangene Spielzeit, die Saison 2014/15, an und eine unter Jürgen Klopp so noch nie erlebte Negativserie setzte ein. Zwar konnte diese Serie irgendwann gestoppt werden und Dortmund erreichte noch immerhin Platz sieben und das DFB-Pokalfinale gegen Wolfsburg (1:3), aber der Vertrag mit Jürgen Klopp wurde im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. Im Sommer übernahm Thomas Tuchel und brachte die Borussia seitdem wieder zurück Richtung Bundesligaspitze.

Wichtige Transfers in der Zwischenzeit
Einer der wichtigsten Spieler in den letzten fünf Jahren der BVB-Geschichte war zweifelsohne Robert Lewandowski. Just zur Saison 2010/11 für eher schmale 4,75 Millionen Euro aus Posen verpflichtet, konnte er in seiner Premierensaison zunächst zwar nur als Einwechselspieler überzeugen, entwickelte sich aber bald zu einem großen Leistungsträger und einem der besten Stürmer der Welt. Er war bei beiden deutschen Meisterschaften und beim Pokalsieg dabei, ebenso im Champions League-Finale gegen den FC Bayern. Unvergessen sind seine vier Tore gegen Real Madrid zuvor im Halbfinal-Hinspiel. Lange stand im Raum, dass er zu den Bayern gehen würde, ehe der deutsche Rekordmeister den Ausnahmestürmer tatsächlich im Sommer 2014 ablösefrei unter Vertrag nehmen konnte. Ein weiterer Spieler stieg in der Ära Klopp zu Weltklasseformat auf, trennte sich aber im Sommer 2013 unrühmlich vom BVB, um ebenfalls nach München zu wechseln: Mario Götze. Immerhin spülten die 37 Millionen Euro gutes Geld in die Dortmunder Vereinskasse. Nur ein Jahr lang hatte Götze zusammen mit Marco Reus das vermeintliche Traumduo im offensiven Mittelfeld des BVB gebildet, denn Reus war erst 2012 für 17 Millionen Euro aus Mönchengladbach gekommen. Anders lief es bei Nuri Sahin und Shinji Kagawa: Beide spielten sich beim BVB bis 2011 bzw. 2012 ins Rampenlicht, gingen dann ins Ausland und kehrten schließlich nach ernüchternden Erfahrungen wieder zurück. Irritationen gab es dagegen in diesem Sommer um Ilkay Gündogan: Eigentlich wollte er weg und verärgerte mit seinem öffentlich ausgetragenen Wechselhickhack so manchen Fan der Borussia, bis er schließlich doch blieb und verlängerte und seitdem wieder mit guten Leistungen die Dortmund-Fans erfreut. Tatsächlich den BVB verlassen haben aber trotzdem einige Leistungsträger der vergangenen Jahre: Sebastian Kehl beendete seine Karriere, Jakub Blaszczykowski ging auf Leihbasis nach Florenz und Kevin Großkreutz verließ seinen Klub Richtung Istanbul. Großkreutz will inzwischen jedoch wieder zurück und vielleicht kann ja auch Blaszczykowski nach seinem Jahr in Italien wieder in Dortmund weitermachen. Fest steht aber eines: Sowohl Kehl, als auch Blaszczykowski und Großkreutz haben enormen Anteil an den Erfolgen in der Ära Klopp.

Fazit
In den letzten fünf Jahren kamen und gingen entscheidende Leistungsträger. Und auch wenn Dortmund derzeit „nur“ den zweiten Platz in der Liga hinter den fast übermächtig erscheinenden Bayern belegt: die Mannschaft ist mindestens so stark einzuschätzen wie jene, die sich vor fünf Jahren auf den Weg zum Meistertitel machte. Gewinnt man am Samstag gegen Köln, hat man schließlich schon 41 Punkte und damit nur zwei weniger als dereinst Ende Dezember 2010. In der Europa League hat man dieses Mal problemlos die nächste Runde erreicht, spielerisch hat man sich noch einmal weiterentwickelt und auch das Konto ist nach den Erfolgen in der Champions League in der Zwischenzeit nun besser gefüllt als damals. Weiterhin knipst ein Pierre-Emerick Aubameyang weit häufiger als damals ein Lucas Barrios und sogar noch erfolgreicher als Lewandowski in seinen besten Zeiten. Man kann also insgesamt nicht sagen, die Borussia hätte sich im Vergleich zu vor fünf Jahren zurückentwickelt oder sei stagniert – sie hat sich einfach ebenso wie viele andere Mannschaften verändert und kann inzwischen aber auch zu Europas besten Vereinsmannschaften gezählt werden. U.a. mit dem Europa League-Titel im Mai in Basel könnte dies einmal mehr unter Beweis gestellt werden. Und auch wenn Jürgen Klopp nun nicht mehr Trainer des BVB ist – er hätte zweifelsohne seinen Anteil an dem Erfolg, da er einst, spätestens vor fünf Jahren, den Grundstein für die Entwicklung des BVB legte.

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