Allmählich kehrt der Winter ein in Deutschland und die Temperaturen fallen. Autoscheiben müssen morgens freigekratzt werden, Schüler, Studenten und Arbeitnehmer gehen morgens im Dunkeln zur Schule, Uni oder Arbeit und kehren abends im Dunkeln wieder heim und allgemein wird sich wegen der Kälte wieder dicker angezogen. Während am Freitagabend beim Spiel des FC Schalke 04 gegen Hannover 96 vermutlich wieder eisige Winde um das Stadion wehen, wird es drinnen, in der Arena auf Schalke, aber wieder keine frostige, sondern eine warme, geradezu festliche Stimmung geben. Auch wenn die letzten Ergebnisse durch etwas unterkühlte Auftritte nicht unbedingt berauschend waren – man vertraut dem jungen Team und Trainer André Breitenreiter. Fest steht jedoch auch, dass im Winter auf dem Transfermarkt noch einmal zugeschlagen werden muss – ob es schon ein paar heiße Gerüchte um potenzielle neue Spieler gibt, liest Du hier.

Bisheriges Fazit
19 Punkte nach neun Spieltagen – der FC Schalke war so gut gestartet wie nur selten in der Bundesliga-Historie, stand hinter den Bayern und Dortmund auf Platz drei und das Projekt mit dem neuen Trainer André Breitenreiter und der jungen, erfolgshungrigen Truppe um Geis, Goretzka, Meyer und Sané schien schon blendend zu funktionieren. Dann ging es jedoch zu den inzwischen wiedererstarkten Gladbachern und das 1:3 im Borussia-Park bedeutete den Anfang einer ersten Ergebniskrise. Zumal sich auch der neu geholte und schon bestens ins Mittelfeld eingefügte Johannes Geis eine Rote Karte mit darauffolgender Sperre von vier Bundesligaspielen und einem Pokalspiel (auch gegen Gladbach) einhandelte. In den kommenden Partien herrschte trotz stetem Bemühen häufig eine gewisse kreative Armut und die Chancenverwertung war ebenfalls nicht gut. Allein auf Konter und einen während des Saisonstarts zum Leistungsträger gereiften, blitzschnellen Leroy Sané zu setzen, empfahl sich allerdings auch nicht als Taktik. Vier sieglose Bundesliga-Partien folgten und ebenso wenig überzeugende Europa League-Auftritte gegen Prag und zuletzt gegen Nikosia, obwohl Geis hier mitwirkte. Doch vermutlich hat dieser inzwischen auch seinen Spielrhythmus verloren, immerhin blieb Schalke aber in Europa als bisher einziges deutsches Team unbesiegt. Nicht von der Hand zu weisen sind jedoch die diversen Baustellen, die angepackt werden müssen. Von zu wenig Effizienz bei Standards (wie zuletzt gegen Nikosia bei unzähligen Ecken) über zu wenig Torraumvorbereitungen durch die Außenverteidiger bis hin zu den nicht treffsicheren Stürmern muss sich einiges verbessern. Aus den letzten drei Ligaspielen sollten mindestens sieben Punkte erreicht und in der Europa League der erste Gruppenplatz vor Prag verteidigt werden, um noch einen ordentlichen Hinrundenabschluss hinzulegen.

Wie gut waren die Neuen?
Johannes Geis ist zweifelsohne ein enormer Zugewinn. In der Mittelfeldzentrale erobert er Bälle, verteilt sie, rackert für das Team und ist schlichtweg die Schaltzentrale. Alle Schalke-Fans dürften extrem erleichtert sein, dass er nun in der Liga zurückkehren darf. Ein wenig revidiert werden muss die TK-Einschätzung von Júnior Caiçara. Der schnelle und technisch gute Brasilianer verfügt zwar über die Fähigkeiten, eine Verstärkung auf der rechten Verteidigerposition für die Schalker zu sein, hat es bisher aber noch nicht zeigen können. In seinen wettbewerbsübergreifend 14 Spielen gelang ihm noch keine einzige Torvorbereitung, geschweige denn ein Tor. Eine Bereicherung für das Schalker Spiel sieht anders aus, zumal er auch defensiv nicht immer sehr sattelfest agiert. Vermutlich benötigt er einfach doch deutlich mehr Zeit als gedacht, um sich an das viel höhere Niveau der Bundesliga im Vergleich zu Bulgariens höchster Spielklasse anpassen und konstant gute Leistungen anbieten zu können. Nutznießer dieser Problematik ist der erfahrene Sascha Riether, der mit seinem ruhigen, sachlichen und mannschaftsdienlichen Spiel Caiçara zunächst verdrängt zu haben scheint. Zuletzt durfte er gegen Bayern München und Leverkusen über die volle Distanz ran, bei letzterer Partie unterlief ihm jedoch ein unglückliches Eigentor. Sinnbildlich im Vergleich zu Caiçara ist jedoch auch sein Einsatz im EL-Spiel gegen Nikosia: Nur wenige Minuten nachdem er für den Brasilianer kurz vor Schluss eingewechselt wurde, bereitete er mit einer präzisen, flachen Hereingabe von rechts das Führungstor durch Choupo-Moting mustergültig vor und schaffte somit in Windeseile das, was Caiçara immer noch fehlt: eine Torvorlage. Gut möglich also, dass der gestandene Riether – obwohl er ursprünglich nur als Backup für Caiçara und Uchida verpflichtet worden sein dürfte – den Brasilianer bis auf weiteres aus der Startelf verdrängt hat und mindestens bis zur Rückkehr Uchidas weiter spielt. Franco di Santo läuft und rackert derweil emsig für das Team – doch richtig heiß gelaufen ist er auf Schalke immer noch nicht. André Breitenreiter ist sich zwar nach wie vor sicher, dass der Argentinier noch richtig einschlagen wird, doch dafür wird es allmählich auch Zeit. Denn die vier Europa League-Treffer können nur schwer über die anhaltende Torflaute in der Liga hinwegtrösten. Trotzdem bringt der 26-Jährige nach wie vor alles mit: Torriecher, gute Technik, Kopfballstärke, Fleiß. Doch noch steht er sinnbildlich für die hinter den Erwartungen zurückgebliebene Schalker Sturmreihe. Einer, der das Offensivspiel ankurbeln und viele Chancen einleiten und auflegen könnte, wäre Pierre-Emile Højbjerg. Doch der hochveranlagte, junge Däne enttäuscht bisher und lässt die Schalke-Fans mit eisigem Blick nach München schauen, denn schon die letzte Bayern-Leihgabe Jan Kirchhoff war keine wirkliche Verstärkung. Dabei wäre die Abwesenheit von Johannes Geis die ideale Chance gewesen, sich in den Vordergrund zu spielen und als echte Alternative im Zentrum wärmstens zu empfehlen. Immerhin zeigte er zuletzt aber gute Ansätze.

Transferausblick
Auf der Torwartposition und in der Abwehr muss Schalke in der Winterpause nicht handeln. Hinten hält Ralf Fährmann, wahrscheinlich in der Form seines Lebens, den Kasten sehr gut dicht. Er ist in einigen Spielen geradezu heiß gelaufen und wurde von vielen Fußballfans sogar schon für die Nationalmannschaft diskutiert. Auf der Linksverteidigerposition bilden Aogo und Kolasinac eigentlich ein gutes Paar, waren zuletzt aber ein wenig im Formtief. Rechts werden nach der Rückkehr von Uchida gleich drei Spieler zur Verfügung stehen und auch in der Innenverteidigung steht mit Höwedes, Matip, dem noch verletzten Nastasic, den jungen Friedrich und Ayhan und sogar Roman Neustädter eine stolze Anzahl von ganzen sechs Spielern bereit. Im Mittelfeld und Angriff kann man sich eigentlich gut auf die Stammspieler Geis, Goretzka, Meyer, Sané, Choupo-Moting, di Santo und Huntelaar verlassen, bloß ein paar Tore könnten sie wie gesagt schießen. Fällt jedoch eine dieser Säulen aus, so wie zuletzt Geis, dann steht das Schalker Gebilde auf nur noch wackligen Beinen und das Angriffsspiel leidet darunter. Im Mittelfeldzentrum müsste eine gute Alternative, am besten mit Erfahrung, geholt werden, jemand der das junge Team auch mal mit Routine durch knifflige Zeiten führen kann. Als eher defensiv denkende Sechser stünden eigentlich Marco Höger und Roman Neustädter bereit, doch Höger ist immer noch verletzt und Neustädter muss oft in der Innenverteidigung aushelfen. Im Sommer war Schalke wohl schon am 33-jährigen Schweizer Gökhan Inler dran, dieser wechselte letztlich aber doch von Neapel zu Leicester anstatt zu Schalke. Immer wieder wird inzwischen auch der Name von Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg genannt, wenn laut über neue Mittelfeldspieler nachgedacht wird. Er verfügt ebenso wie Goretzka oder Geis über großes Potenzial und hat dies schon in vielen Bundesligaspielen gezeigt, könnte außerdem eine Art Schalker U21-Block im Mittelfeld komplett machen. Doch über die große Erfahrung und die nötige Reife, um ein Team wirklich zu führen, kann er noch nicht verfügen. Womöglich wird also doch ein anderer, gestandenerer Profi für das Zentrum gesucht und auch verpflichtet. Es sei denn ein Højbjerg findet wirklich zu seiner Form und kann Geis und Goretzka wirklich entlasten. Definitiv etwas geschehen muss jedoch auf der offensiven Außenbahn. Ein Sidney Sam empfiehlt sich bisher nicht wirklich als Alternative zu Meyer, Sané und dem hier auch einsetzbaren Choupo-Moting. Allmählich dürfte den Schalke-Fans der schmerzliche Verlust von Julian Draxler und Jefferson Fárfan richtig bewusst werden. Im Sommer wurde zwischenzeitlich Xherdan Shaqiri für diese Position gehandelt, allerdings doch nicht verpflichtet. Auch der dynamische Filip Kostić vom VfB Stuttgart war kurz vor Transferschluss nach dem plötzlichen Verkauf Draxlers noch im Gespräch und blieb dies auch. Allerdings wird er zusehends teurer, weiß man in Stuttgart doch auch über das durch den Draxler-Wechsel gut gefüllte Schalker Konto. Wahrscheinlich wird er also zu teuer sein und stattdessen doch ein anderer Spieler geholt. Fest steht jedoch eines: Auch auf dieser Position muss noch Verstärkung geholt werden, will man auf Schalke nach Weihnachten die warme Festtagsstimmung mit in die Rückrunde nehmen und drohende Turbulenzen mit frostiger Stimmung vermeiden.

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