Weihnachten rückt immer näher und sowohl der schmelzende Wachs der Adventskranz-Kerzen, als auch der Spekulatius-Duft stimmen langsam auf Weihnachtszeit ein. Auch die ersten Tannenbäume werden in Frankfurter Hinterhöfen verkauft und nicht wenige Kinder freuen sich auf den geschmückten Weihnachtsbaum am Festtag. Solche besinnlichen Festtage sind bei Eintracht Frankfurt eher seltener geworden und nicht zuletzt seit der Vorstellung gegen den Aufsteiger SV Darmstadt 98 brennt der Weihnachtsbaum lichterloh. Wie die bisherige Saison lief, welche Neuzugänge dabei eine Rolle gespielt haben und wer den sportlichen Geist wieder aufleben lassen kann, liest du im heutigen Artikel.

Bisheriges Fazit

Zum Saisonbeginn folgte Trainer Armin Veh auf Thomas Schaaf und es war eine Rückkehr zu einem beliebten Trainer, der den Aufstieg und den Europa-League-Einzug zustande brachte. Diese sportlichen Höhenflüge sind vorbei, Veh gerät derzeit im Umfeld des Vereines immer mehr in die Kritik und auch seine angedachte Nachfolge von Heribert Bruchhagen scheint nun fraglicher. Woran liegt diese Kritik begründet? Seit einigen Spielen zieht es sich wie eine Seuche durch das Team, dass angedachte Korsettstangen und Leistungsträger im Team wegbrechen. Während das Innenverteidiger-Duo Zambrano und Abraham anfangs noch eine starke Abstimmung hatte, merkt man einen negativen Trend und allgemein der Peruaner knüpft in dieser Saison selten an frühere Glanztage an. Frankfurt kommt häufig über den Ballbesitz-Fußball zum Ziel, doch besonders in der Zentrale stockt es derzeit im Spielaufbau, da Reinartz, Medojevic und Ignjovski allesamt den defensiveren, destruktiveren Part verkörpern, sodass häufig mit langen Bällen agiert wird. Auch im letzten Angriffsdrittel im Sturm fehlt derzeit die Durchschlagskraft, sodass in den letzten 5 Spielen nur 2 Tore erzielt werden konnten. Das liegt einerseits an dem schwächelnden Aigner und der seit Jahren großen Baustelle im linken Mittelfeld, sowie der Formschwäche nach Verletzungspausen von Meier und Seferovic. Beide sind keine Zielspieler, die auf der Außenbahn sprinten und Bälle vorbereiten, sondern insbesondere Meier hat seine Stärken im 16-Meter-Raum. Der 13.Tabellenplatz mit nur 14 Punkten, das Pokalaus gegen einen Drittligisten und die öffentliche persönliche Kritik von Veh gegenüber Spielern wie Oczipka, Aigner, Zambrano und Meier sind gefährliche Punkte, die die Eintracht gefährlich Richtung Abstiegsränge schauen lassen und momentan wirkt es, dass Veh ein Gegenmittel noch nicht gefunden hat. Zurzeit liegt die Hoffnung auf Hradecky, dem wort-und spielstarken Stendera und einer Formverbesserung von einstigen Leistungsträgern.

Wie waren die Neuen?

Wie in der Transferabrechnung Anfang November bereits erwähnt, entpuppte sich Lukas Hradecky als Glücksgriff und gilt als einer der wenigen Spieler, die sich nicht von der Negativspirale anstecken ließen. Mit seinen präzisen Abwürfen und modernem Torwartspiel als mitspielender Goalkeeper, trifft ihn die wenigste Schuld. Castaignos begann mit zwei Doppelpacks stark, wurde schnell zum Publikumsliebling, doch als Meier wiederkam und man das System auf nur einen Mittelstürmer änderte, schwanden die Spielanteile von Castaignos, die garniert mit einer schweren Verletzung momentan große Probleme beim Niederländer und in der Breite im Sturm bereiten. Mit Stefan Reinartz verband man auch große Hoffnungen, doch bleibt der nächste Entwicklungsschritt aus und besonders im Zusammenspiel mit Ignjovski treten häufig Abstimmungsprobleme auf, wenn einer von beiden vertikal pressen möchte. Im derart wichtigen zentralen Mittelfeldzentrum könnte sich Stendera als zentraler Mittelfeldspieler anbieten, um eine Position defensiver als zurzeit, die Mannschaftsteile, aufgrund seiner Spielintelligenz anzukurbeln. Gacinovic durfte gegen Darmstadt beginnen, braucht jedoch auch noch Zeit zur Akklimatisierung, doch könnte  nun dauerhaft eine wichtigere Rolle spielen. In der momentanen sportlichen Situation könnte ein konterbasiertes System mit schnellen Außen und den starken Abschlussspielern Seferovic und Meier aus der Krise helfen, insbesondere in den letzten beiden Hinrundenbegegnungen gegen Dortmund und Bremen.

Transferausblick

Die Tage ging durch die Medien, dass Manager Hübner bis zu 5 Neuzugänge im Winter verpflichten möchte, was allerdings genau das bekannte Problem verstärken dürfte. Die Wintertransferperiode ist ein schwieriger Zeitraum um Qualität zu einem bezahlbaren Preis zu bekommen und auch eine mögliche Abfindung für Armin Veh würde den finanziellen Spielraum schmälern, sodass wahrscheinlich nur Masse statt Klasse verpflichtet werden würde. Seit Jahren krankt es bei der Eintracht in der rechten Verteidigung und im linken offensiven Mittelfeld. Besonders seit dem Abgang von Inui fehlt es dort in der Offensive, an einem dribbelstarken Mann, der auch 1 gegen 1 durchsetzungsstark ist und gute Flanken schlägt – wahrscheinlich die beste Beschreibung als Wunsch an den Weihnachtsmann! Die in der Gerüchteküche gehandelten Obasi, Sam und Großkreutz besitzen allesamt ihre Qualitäten, doch darf aufgrund der fehlenden Spielpraxis bezweifelt werden, ob sie eine Königslösung darstellen könnten. Vielleicht legt man auch eher den Wert auf Spieler, die mit Hinblick auf die EM 2016 regelmäßige Spielpraxis sammeln wollen und sich die Aufgabe Frankfurt zutrauen. In der rechten Verteidigung wünschen sich viele Fans Sebastian Jung zurück und er wäre auch genau die richtige Verstärkung auf der Position, doch erscheint eine Verpflichtung unrealistisch. Im zentral defensiven Mittelfeld fehlt ein schneller, aufbaustarker Spieler, doch könnte diese Lücke durch Stendera oder teilweise Hasebe geschlossen werden.

Fazit

Insgesamt sind die Probleme bei der Frankfurter Eintracht vielschichtig, jedoch kommt es in der nächsten Zeit vor allem darauf an, einstige Leistungsträger auf ihr altes Niveau zurückzuhieven, ein vernünftiges sportliches Konzept und Identität im Verein zu entwerfen und das Kollektiv mit qualitativen Neuzugängen zu ergänzen. Eine Mammutaufgabe aufgrund der prekären Situation, sodass sich ein Kontersystem für den Frankfurter Kader anbieten würde, da man eine durchaus solide Defensive besitzt und durch das dann verlagerte Spiel auf die schnellen Außen, die die abschlussstarken, aber formschwachen Stürmer bedienen könnten. Am Spielaufbau und fehlender Abstimmung im 6er-Raum und den Zuspielen in die Sturmspitze hapert es derzeit verstärkt, sodass in einem 4-2-2-2 Talent Stendera als spielstarker 8er das Spiel ordnen kann.Frankfurt besitzt die Qualität im Kader, um sich von den Abstiegsrängen in der Bundesliga fernhalten zu können, ob es allerdings mit Armin Veh weitergeht, welche Neuzugänge genau kommen könnten, ob man den Klassenerhalt tatsächlich schafft, wird die Zukunft zeigen. Bleibt zu hoffen, dass bei Spekulatius-Duft, den abgebrannten Adventskerzen und dem Blick auf die Tannenbäume in den Frankfurter Wohnzimmern, genügend Kinder eine erfolgreichere Rückrunde auf den Wunschzettel geschrieben haben.

 

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