Nur ganz knapp war die TSG Hoffenheim in der vergangenen Saison dem Abstieg entkommen. Nach drei Trainerwechseln rettete der unerfahrene Trainer Julian Nagelsmann die Hoffenheimer vor dem Gang in die 2. Bundesliga. So bastelte er sich im Sommer einen Kader nach seinen Vorstellungen der vor allem auf den zentralen Positionen grundlegend erneuert wurde. Doch ein Spieler sollte nach einer Positionsänderung zu Beginn der Saison glänzen, der bisher gänzlich unter dem Radar flog – trotz seiner mittlerweile achten Saison in der Bundesliga. Kevin Vogt sollte eigentlich die Lücke im Mittelfeld schließen die Tobias Strobls Abgang hinterlassen hatte, doch nach dem ersten Spieltag kam alles ganz anders. Wir zeigen euch hier warum der Positionswechsel vom Ex-Kölner ein Grund für die starker Hoffenheimer Saison ist.

Ein Schritt zurück und zwei nach vorne

Die TSG 1899 Hoffenheim war mit wenigen Erwartungen in die Saison gestartet, war man doch nach der Hinserie der vergangene Saison noch Abstiegskandidat Nummer eins. Auch Mäzen Dietmar Hopp schraubte seine Erwartungen von den einstigen Hoffnungen auf Europa zurück und zeigte weitaus mehr Demut als man es vom Geldgeber der Kraichgauer erwartet hatte. Das dieses ursprüngliche Ziel Hopps schneller auf der Agenda in Sinsheim stehen würde als viele erwarteten, ist der Arbeit von Trainer Julian Nagelsmann zu verdanken. Und seiner Flexibilität in der Aufstellung, genau wie seinen Kompromissen die er eingeht und Spielern eine zweite Chance einräumt.

Nach Stationen in Bochum, Augsburg und Köln wechselte Kevin Vogt für 3 Millionen Euro im Sommer des vergangen Jahres zur TSG 1899 um die defensive Stabilität der Mannschaft wieder herzustellen. Doch nach einer schwachen Leistung am ersten Spieltag gegen RB Leipzig fand er sich am darauffolgenden Spieltag gegen Mainz nicht mehr im Kader wieder. Doch das 4:4 in Mainz offenbarte ohne Vogt noch defensiv größere Schwächen als mit dem Blondschopf in der vorigen Partie. Als im nächsten Spiel Abwehrchef Niklas Süle verletzungsbedingt vom Feld musste, übernahm Kevin Vogt erstmals in seiner Karriere den Part als Innenverteidiger. Auf dieser Position blieb er bis heute. Auch weil im darauffolgenden Spiel Trainer Nagelsmann sein System umstellte. Fortan agierten die Kraichgauer in einem 3-1-4-2 System. In diesem unkonventionellen Stil blieben die Hoffenheimer 17 Spiele ungeschlagen. Ein nicht unwesentlicher Faktor dafür – Kevin Vogt.

In der Ruhe liegt die Kraft

Der eigentlich im defensiven Mittelfeld beheimatete Vogt verpasste aufgrund einer Verletzung nur ein einziges Spiel, absolvierte ansonsten 15 Partien über die gesamte Spielzeit und entwickelte sich zum großen Stabilisator der Überraschungsmannschaft der Saison. Mit Innenverteidigern bringt man ja meist robuste und kantige Typen in Verbindung. Kevin Vogt ist zwar großgewachsen, aber auf den ersten Blick alles andere als ein Spieler bei dem man vor Ehrfurcht erstarren würde. Dabei ist es auch vor allem die Ruhe am Ball die den früheren Bochumer Jugendspieler auszeichnet. Die nötige Ruhe und Kraft außerhalb holt sich der gläubige Christ der regelmäßig betet und auch seine Tätowierungen davon scheinen lässt beim Gang in die Kirche.

Und mit dieser Gelassenheit leitet er das Aufbauspiel der TSG 1899. Seine sehr starke Passquote von derzeit 91 % ist der klare Beweis dafür. In einem System wie dem von Nagelsmann, bei dem die Passgenauigkeit eines der wichtigsten Elemente ist, war es genau der richtige Schachzug Vogt eine Reihe nach hinten zu beordern, wie sich auch am Tabellenplatz belegen lässt.

Mit Benjamin Hüber und Niklas Süle an seiner Seite übernimmt der gebürtige Wittener den Part des erfahrensten Verteidigers in der Dreierkette, obwohl das nicht seine angestammte Position ist. Aber seine mehr als 130 Bundesliga-Spiele zeugen von seiner Erfahrung im deutschen Oberhaus. Trotz seiner 1,94 Meter Körpergröße gibt es in der Bundesliga keinen schnelleren Spieler, in dieser Saison wurden bei ihm schon knappe 35 km/h gemessen. Eine Geschwindigkeit mit der sich Abwehrspieler eher in Zweikämpfen gegen Aubameyang und Coman entgegensehen. Seine Zweikampfquote von nur 56 % dagegen wirkt alles andere als optimal für einen Innenverteidiger. Doch Vogt weiß selbst das hierauf noch sein Hauptaugenmerk auf seiner neuen Position im Training liegen wird. Dabei weiß er eigentlich genau worauf es dabei ankommt. Den Gegner auszuschauen und schon vorausahnen zu können was passiert – genau wie seinem Lieblingshobby dem Pokern.

Die richtigen Karten auf dem Tisch?

Mit den derzeitigen Leistungen dürfte Kevin Vogt seinen Stammplatz bei seinem Trainer sicher haben. Denn auch der weiß, auf ihn ist immer Verlass. Dabei bildet er oftmals die Absicherung für die aufgerückten Außenverteidiger die hoch stehen und im Pressingverhalten schnell mal überspielt sind. Mit seiner Geschwindigkeit macht er das aber wieder wett. In vielen Situationen entdeckt Vogt aber eine Position für sich neu. Nein, nicht die des Innenverteidigers, das macht er schon die gesamte Saison über. Die des Liberos – ja diese Position die eigentlich seit etlicher Zeit und Anfang der 2000er Jahre ausgestorben war.

Mit dem Kauf von Kevin Vogt aus Köln scheint Sportchef Alexander Rosen bei den Hoffenheimern einen Spielern gefunden zu haben, der die meiste Zeit über im Spiel nicht sichtbar ist, aber unheimlich wertvoll mit seiner Arbeit. Der Höhenflug des Teams das wohl bis zum Saisonende um die internationalen Plätze mitspielen wird, hat auch mit der Innovationsfreude von Trainer Nagelsmann zu tun der seinen Stil gefunden hat, aber doch immer wieder die richtigen Anpassungen vornimmt. Die zeitweise aus der Mode gekommenen Dreierkette erlebt beim jüngsten Bundesliga-Trainer aller Zeiten ihren zweiten Frühling und lässt einen Spieler aufblühen der erst diesen Positionswechsel brauchte um sich in den Vordergrund zu spielen.

Facebook-Kommentare