Die Fans im Breisgau kehren gerade zu ihren Plätzen zurück, der Schiedsrichter hat die Pfeiffe im Mund und will die 2.Halbzeit einläuten und am Mittelkreis steht ein neuer Spieler, nur ein weiterer Versuch mit einem Reservisten der Konkurrenz kostengünstig einen Sturmpartner für Admir Mehmedi zu finden? Die Zweifel verpufften nach gefühlten drei Mal blinzeln und der Hattrick von Nils Petersen war geschnürt! Ob er das hohe Niveau halten konnte und in welchem deutschen Bundesland er seine mittelfristige Zukunft verbringen könnte, liest du im heutigen Artikel.

 

Irgendwo im beschaulichen Harz, der Kleinstadt Wernigerode in Sachsen-Anhalt erblickte der großgewachsene Mittelstürmer Nils Petersen das Licht der Welt und schloss sich nach Erzählungen kaum auf den Beinen stehend, dem dortigen Fußballclub an. Über die Stationen Halberstadt und Jena landete der frischgebackene Schulabsolvent in Cottbus, wo er sich schon in kürzester Zeit durchsetzen konnte und mit Emil Jula ein kongeniales Sturmduo unter Trainer Pele Wollitz bildete. Nach 28 Toren und der Torjägerkanone in der 2.Liga warf beinahe die gesamte Beletage der Bundesliga den Hut in den Ring, im Kampf um die Gunst von Nils Petersen und die Wahl fiel schlussendlich auf die schwerste, wie auch lukrativste Aufgabe beim Rekordmeister FC Bayern München. Der kleine Junge aus dem beschaulichen Wernigerode in die Weltstadt München, nicht nur sportlich, sondern auch ein finanzieller Quantensprung, der allerdings mit erwartungsgemäß geringen Spielanteilen ein jähes Ende fand. Nach der einjährigen Leihe nach Bremen, wechselte Petersen komplett zu den Grün-Weißen und steuerte auch weitestgehend eine gute Torquote bei, auch wenn zunehmend das Vertrauen in Petersen schwand und in der konsequenten Nichtbeachtung von Viktor Skripnik endete. Ende Januar zog man dann die Reißleine und Petersen ging für ein halbes Jahr mit Kaufoption ins Breisgau und verstärkte einen damaligen unmittelbaren Konkurrenten.

In Freiburg startete Petersen dann auch förmlich durch mit seinem Hattrick im ersten Spiel und die Freiburger Fans träumten direkt vom neuen Demba Cisse im roten Heimtrikot der Breisgauer, doch eine 4-wöchige Verletzungspause wegen einer Knieverletzung stoppten den formidablen Start beim neuen Verein. Petersen erfuhr direkt die Wertschätzung des neuen Umfeldes, seiner Mitspieler und Verantwortlichen und man sah sich erneut bestätigt, dass der SC nicht nur für exzellente Jugendarbeit sondern auch als Sprungbrett für Spieler mit leichtem Karriereknick galt. Nach der Verletzungspause traf Petersen auch direkt gegen Augsburg und ist mit 4 Treffern und einer Vorlage in seinen 7 Spielen, bereits einer der Topscorer, jedoch kämpft Petersen momentan als Einwechselspieler um seinen anfangs sicheren Stammplatz. Die Konkurrenz im Sturmzentrum ist zwar quantitativ groß, jedoch qualitativ herrscht nach Mehmedi ein deutliches Qualitätsgefälle mit Guede, Schahin und dem noch unerfahrenen Philipp, sodass man in der Vielzahl der Rückrundenspiele Mike Frantz als hängende Spitze vorschob und momentan den Platz neben dem wiedererstarkten Mehmedi blockiert.

Petersen bringt mit seiner kampfbetonten Spielweise, seinen guten Laufwegen und der Torgefahr im gegnerischen 16-Meter Raum einige Qualitäten mit und bietet mit seinem geradlinigen Stil einen gutes Pendant zum eher dribbelstarken Mehmedi. Klar sah Petersen in vielen Spielen bei Bremen beim Torabschluss unglücklich aus, hing aber deutlich in der Luft, da Steilpässe und Flanken Mangelware waren, die nun in Freiburg mit Schmid und Klaus gegeben sein dürften. Macht Petersen so weiter, wie vor seiner Verletzung sind 1,5 Millionen Euro für die Freiburger Verantwortlichen ein echtes Schnäppchen, denn Petersen ist einer der wenigen kaltschnäuzigen deutschen Angreifer und könnte durchaus eine höhere Ablösesumme generieren. Das Heft des Handelns liegt nun bei Freiburg, hält man die Klasse, wird Petersen vermutlich bleiben. Petersen betonte in diversen Interviews, dass er einen weiteren Verbleib sehr begrüßen würde, auch wenn bei Bremen mit dem Abgang von Selke und dem möglichen Abschied von di Santo durchaus Bedarf bestehen würde.

Insgesamt lässt sich festhalten, Petersen genießt in Freiburg einen durchaus höheren Stellenwert, bringt konstantere Leistungen und könnte einer der Leistungsträger in der kommenden Saison bei den Freiburgern werden. Die Ruhe und Unaufgeregtheit in Baden-Württemberg kommt dem eher ruhigen Petersen dabei deutlich entgegen und man kann durchaus davon ausgehen, dass auch in der kommenden Spielzeit bei einem Ligaverbleib Freiburgs auch weiterhin die Freiburger Fans mit Anpfiff des Spieles begeistern wird.

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