Keine Liga kommt einem Transfer-Schlaraffenland näher als die englische Premier League. Sie ist das Land in dem Geld und Größenwahn fließen. Ein Land, in dem durchschnittlich begabte Fußballspieler zu großverdienenden Ballvirtuosen aufsteigen, zumindest auf dem Papier. Manch ein Spieler lässt sich die einmalige Chance auf großen Fußball und kleines Geld (oder umgekehrt?) nicht entgehen. Daher sind auch im vergangenen Transferfenster einige von ihnen wieder nach England gekommen oder haben einen neuen Vertrag innerhalb der Liga vereinbart. Und wir wollen in unserer heutigen Transferzusammenfassung die wichtigsten Transfers des Januars für euch festhalten. Und das natürlich in einem kleinen Top-3 Ranking.  Mit dabei: unbesungene Helden, nigerianische Versprechungen und der Messias.

3. Robert Snodgrass zu West Ham United (12 Mio. Euro)

Dieser Wechsel wirkt zunächst nicht überaus spektakulär. Aber Snodgrass‘ Einfluss auf das Spiel seines ehemaligen Arbeitgebers Hull City kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Hull hatte zu Saisonbeginn (nicht Vorbereitungsbeginn!) nicht einmal genug Spieler, um die Ersatzbank zu füllen und galt als sicherer Abstiegskandidat mit Chancen auf alle möglichen Negativ-Rekorde. Trotzdem schaffte man einen überraschenden Saisonstart mit sieben Punkten aus vier Spielen und einem Auftaktsieg gegen Leicester. Hauptgrund: Robert Snodgrass. Dieser brillierte mit wichtigen Assists, tollen Freistoßtoren und als offensiver Antreiber, gerade in den ersten Spielen war der Schotte überall zu finden. Doch auch nach dem zu erwartenden Absturz in der Tabelle blieb Snodgrass die Lebensversicherung. Er war an der Hälfte aller Saisontreffer direkt beteiligt (Sieben Treffer, drei Vorlagen) und hat auch in der Nationalmannschaft für Erfolgserlebnisse gesorgt. Eindeutiges Highlight war sein Hattrick in der WM-Qualifikation gegen Malta.

Jetzt also der Wechsel zu West Ham United, besser bekannt als Dimitri Payets Ex. Die französische Diva war ausschlaggebend, um den Wechsel des Schotten zu ebnen, zu groß waren die Differenzen zwischen Payet und den Hammers geworden. In Snodgrass erhält Trainer Slaven Bilic einen Spieler, dessen Freistoßstärke fast an die Payets heranreichen kann. Der Schotte kann sowohl direkt verwandeln, als auch durch Standards Tore vorbereiten. West Ham erhält aber vor allem einen offensiv-orientierten Mittelfeldspieler mit Zug zum Tor, dessen Einsatz und Einstellung ihres gleichen suchen. Eine ehrliche Haut, dessen Defensivschwächen auch mit Payet zu vergleichen sind. Dass Snodgrass dabei am oberen Limit gespielt haben könnte, ist nicht auszuschließen, sodass er kein Eins-zu-Eins-Ersatz sein kann, alleine schon aufgrund Payets spielerischer Qualität. Doch der Schotte wird zweifellos für eine bessere Atmosphäre sorgen und für das ein oder andere Highlight gut sein. Wer weiß, wie viel besser er noch werden kann.

2. Onyinye Wilfried Ndidi zu Leicester City (17,6 Mio. Euro)

Oyninye Wilfried Ndidi ist ein Spieler, den man definitiv für die nächsten Jahre auf dem Zettel haben muss. Der 20-jährige Nigerianer tritt den Weg von Genk nach Leicester an und soll dort in die großen Fußstapfen von N’Golo Kanté treten, den der amtierende Meister an allen Ecken und Enden vermisst. Die Voraussetzungen bringt Ndidi mit. Seine größte Stärke ist sein Zweikampfverhalten, mit dem er eine Großzahl an Bällen gewinnen kann. In der Gruppenphase der Europa League hat kein Spieler mehr Zweikämpfe geführt und Bälle erobert als der Neuzugang der Foxes. Darüber hinaus ist der 1,87m große defensive Mittelfeldspieler stark in Kopfballduellen und mit einer Kanté-ähnlichen Ausdauer gesegnet.

Sein Spiel nach vorne ist seine größte Schwäche, vor allem der Tatsache geschuldet, dass er als Innenverteidiger ausgebildet wurde und erst zur Saison 15/16 ins Mittelfeld gewechselt ist. Auch seine Spielübersicht kann noch ausgebaut werden. Dass sich das ändert, daran gibt es wenig Zweifel, denn charakterlich ist Ndidi ein echter Glücksgriff. Der wissbegierige Nigerianer, der ein gutes Verhältnis zu seinen Trainern gepflegt hat, wird von seinen belgischen Ex-Mitspielern in höchsten Tönen gelobt und gilt als herzlicher und liebenswerter Mitspieler. Leicester darf sich glücklich schätzen, dass Ndidi seinen Weg in die Top-Elite der Mittelfeldspieler, er wird immerhin mit Yaya Touré verglichen, bei ihnen fortsetzen will, denn sein Aufstieg scheint vorgezeichnet.

1. Gabriel Jesus zu Manchester City (32 Mio. Euro)

Der Messias-Vergleich mag zwar weit hergeholt sein, aber manche Wortwitze müssen einfach gemacht werden. Trotzdem darf sich City mehr als einmal auf die eigene Schulter klopfen, dass sie Gabriel Jesus überzeugt haben, nach Manchester zu kommen. Der 19-jährige Stürmer ist ein Versprechen für die Zukunft, denn er überzeugt mit einem großen Repertoire an Vorzügen. Sein Dribbling erinnert stark an Neymar, genau wie seine Torgefahr und sein exzellentes Passspiel nach vorne, mit dem er auch andere Angreifer einbinden kann. Beim olympischen Turnier wirbelte er mit seinem Freund Neymar und Luan im Sturm und eroberte Gold, doch auch in der laufenden Saison bewies er mit zwölf Treffern und fünf Vorlagen seine Form. Am meisten wird aber unterschätzt, dass Gabriel viel in die Defensivarbeit investiert und ein engagierter Verteidiger ist für einen offensiv derart beschlagenen Spieler.

Er weiß sich trotz seiner schmächtigen Erscheinung (175cm und 73kg) durchaus zu wehren und lässt sich nur schwer unterkriegen. So kommt er in 26 Spielen auf stolze elf gelbe Karten. Ob er sich mit diesen körperlichen Voraussetzungen in der Sturmzentrale in der Premier League durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Jesus, der sich selbst eher als Linksaußen sieht, wird in jedem Fall zentral eingeplant, wie Guardiola durchblicken ließ. Der Trainer war auch ein Hauptgrund, warum sich der junge Brasilianer für die Citizens entschied, denn er möchte sich langfristig in Europa durchsetzen. Dass er sich seine Einsätze im hochkarätigen Kader hart erkämpfen muss, ist ebenfalls offensichtlich. Gerade die Offensive ist überaus stark besetzt und er wird mit Iheanacho ins direkte Duell gehen, um Aguero entlasten zu dürfen. Die 27 Mio. Pfund, die man ihn investiert hat, sind in jedem Fall eine Investition in die Zukunft und die verspricht einiges, denn Gabriel Jesus bringt alle Fähigkeiten mit, um ein gewichtiges Wort in der Premier League sprechen zu können. Dies konnte er bereits in dieser Woche in der Liga unter Beweis stellen, als ihm bei seinem Startelf-Debut ein Treffer gelang. Es wird nicht sein letzter bleiben.

Honorable Transfer-Mentions

Luciano Narsingh zu Swansea City (4,6 Mio. Euro):

Der niederländische Flügelstürmer wagt endlich den Weg aus der gemütlichen Eredivisie in eine höherklassige Liga und mit Swansea findet er eine Mannschaft, die perfekt zu ihm passt. Die konterstarken Walliser sind bekannt für ihre überfallartigen Angriffe, in der sie die schnellen Außenstürmer gut einbinden. Wenn Paul Clement das Ruder bei den abstiegsbedrohten Schwänen rumreißen will, dann hilft der 26-Jährige ihm definitiv dabei.

Saido Berahino zu Stoke City (13,9 Mio. Euro):

Eines der größten englischen Stürmer-Talente bekommt endlich den Wechsel, den er seit zwei Jahren angestrebt hat. Bei Stoke ersetzt der wendige Berahino den nach Mainz abgewanderten Krkic und hofft darauf, an alte Stärken anknüpfen zu können: Geschwindigkeitsvorteile gegen Abwehrspieler, Abschlüsse aus allen Lagen und eine hohe Trefferquote. Probleme könnte lediglich die schwierige Persönlichkeit bringen, denn Berahino bleibt ein streitbarer Geist, der seine Qualitäten auf dem Platz wieder beweisen muss.

Morgan Schneiderlin zum FC Everton (22,9 Mio. Euro):

20 Millionen Pfund hat sich Everton die Dienste des französischen Mittefeldspielers kosten lassen. Der Sechser, der durch starkes Stellungsspiel, gute Übersicht und Zweikampfstärke hervorsticht, sucht nach seiner Form, nachdem er bei Mourinho in Ungnade gefallen war. Kann er an Southampton Zeiten anknüpfen, können die Toffees wieder oben angreifen, denn Schneiderlin ist die personifizierte Sicherheit in der Mittefeldzentrale.

Joey Barton zum FC Burnley (ablösefrei):

Ohja, die Skandalnudel gehört selbstverständlich hier rein. Nicht wirklich aus sportlichen Gründen, denn da sollte selbst Burnley bessere Alternativen finden. Aber die Action und Unterhaltung, die Joey Barton verspricht, sind immer eine Erwähnung wert. Twitter-Fans dürfen sich auf Premier-League-Insiderinfos freuen, nachdem Bartons kurzes Glasgow Rangers-Intermezzo unrühmlich geendet ist.

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