Was war das bitte für eine packende Transferperiode in Spanien, nicht. Zugegeben, die Voraussetzungen für spektakuläre Wintertransfers waren alles andere als ideal. Sowohl Real Madrid als auch Stadtrivale Atlético wurde im Sommer von der FIFA eine, zwei Wechselperioden dauernde, Transfersperre auferlegt (später vom CAS auf lediglich auf die Wintertransferphase 2017 reduziert) und Spitzenreiter Barca sah sich in Anbetracht der starken Hinrunde nicht zum Handeln gezwungen. Bühne frei also für den Rest der LaLiga, mit Neuzugängen auf sich aufmerksam zu machen. Sonderlich hohe Summen wurden nicht ausgegeben – wir haben uns für euch trotzdem die drei nennenswerten Transfers aus dem spanischen Winter angeschaut. Mit dabei: Trippel-Zaza, Clutch-Jovetic und ein ehemaliger Königlicher.

 Simone Zaza zum FC Valencia

Er kam, tippelte und schoss den Ball in den Nachthimmel von Bordeaux. Ein Glücksgefühl für ganz Deutschland. Simone Zaza dagegen hat sich mit seiner gewöhnungsbedürftigen Anlaufbewegung den Hohn und Spott in den sozialen Netzwerken redlich verdient. Sein Wechsel im Sommer von Juventus Turin zu West Ham United entpuppte sich bei der Reparatur seines angekratzten Rufs als eher kontraproduktiv. Beim Londoner Erstligisten kam der Italiener lediglich achtmal zum Einsatz ohne einen Treffer oder eine Vorlage beizusteuern. Bereits gegen Ende des Kalenderjahres 2016 war klar, dass Zazas Tage an der Themse gezählt sind. Eine Rückkehr zur Alten Dame, war jedoch in Anbetracht der dort bestehenden Konkurrenzsituation im Sturm – allem voran Dybala, Higuain und Mandzukic– ebenfalls keine Option.

In Valencia soll der 25-jährige wieder an die Form aus seiner Zeit in Sassuolo anknüpfen. Die Qualitäten bringt Zaza dabei zweifellos mit. Er verfügt über einen außerordentlich starken linken Fuß, welcher seine Abschlüsse sowohl innerhalb des Strafraums als auch aus der zweiten Reihe gefährlich machen. Zudem weiß der Mittelstürmer seine 1,86 Meter Körperlänge geschickt in Luftduellen einzusetzen. Im Schnitt gewinnt er so drei seiner Kopfballduelle pro Partie, wodurch er dem Spiel von Valencia eine zusätzliche Facette verschaffen könnte. Besonders auf der Mittelstürmerposition offenbart sich bei den Blanquinegros momentan der Mangel an Alternativen. Nach dem Abgang von Paco Alcácer und dem Saisonaus von Nachfolger Rodrigo, musste Trainer Voro González in den letzten Spielen mit El Haddadi und Santi Mina auf Außenstürmer im Zentrum zurückgreifen. Zaza könnte die Lücke nun schließen und auch persönlich wieder mit mehr Spielzeit überzeugen. Solange er dabei keine Elfmeter schießt, ist es nicht ausgeschlossen, dass Fußball-Fans ihn in Zukunft nicht mehr ausschließlich mit dem tippelnden Trampel von Bordeaux in Verbindung bringen.

Stevan Jovetic zum FC Sevilla

Wenn man als spanischer Erstligist im Winter einen Spieler ausleiht und dieser in vier Einsätzen drei Tore erzielt, scheint man als Klub erst einmal wenig falsch gemacht zu haben. Sind zwei dieser Tore auch noch gegen Real Madrid und beendete einer von diesen sogar deren Serie von 40 Spielen ohne Niederlage, dann kann man mit Fug und Recht behaupten, dass der FC Sevilla mit der Verpflichtung von Stevan Jovetic alles richtig gemacht hat. Das der Montenegriner direkt zu Beginn so einschlägt, ist mit Blick auf die letzten Monate alles andere als selbstverständlich. Bei Inter Mailand stand Jovetic in der Hinrunde 14-mal im Kader, kam allerdings nicht über magere vier Kurzeinsätze hinaus. Stets wurde ihm Kapitän Mauro Icardi vorgezogen, weshalb eine Leihe aus Sicht aller Parteien als sinnvoll erschien.

Die Personalsituation im Sturm der Andalusier ist dagegen deutlich komfortabler für Jovetic. Coach Jorge Sampaoli ließ seine Mannschaft in den letzten Wochen – auch bedingt durch den Ausfall Vitolos – vermehrt mit zwei Spitzen auflaufen. Hier steht der 27-jährige in unmittelbaren Wettstreit mit Atlético Leihgabe Luciano Vietto und dem franzosen Wissam Ben Yedder. Nimmt man die letzten Spiele als Indikator, scheinen Letzterer und Jovetic in diesem Dreikampf die Nasen vorne zu haben. Dass der Ex-Mailänder ein außerordentliches Komplettpaket mitbringt hat dieser ohnehin in seinen vorherigen Stationen unter Beweis gestellt. Dabei zählen nicht nur seine Schussgewalt und Abschlussqualität zu seinen Stärken, sondern vor allem auch sein ausgesprochen gutes Passspiel. Durchschnittlich bringt Jovetic so eine Passquote jenseits der 70% pro Saison auf den Rasen.  Bedenkt man dazu noch seine Fähigkeiten den Ball festzumachen und sein – wie gegen die Königlichen unter Beweis gestellt – Gespür für Clutch-Momente, darf man dem derzeitigen Tabellenzweiten der LaLiga zu dieser Leihe nur gratulieren.

Jesé Rodriguez zu UD Las Palmas

Nachdem wir uns mit Simone Zaza und Stevan Jovetic zwei Leihspieler aus England und Italien angeschaut haben, wollen wir zum Abschluss des Transfer Round-Up Spaniens für etwas Abwechslung sorgen, und schauen uns mit Jesé Rodriguez einen Leihspieler aus Frankreich an (Na, zu viel versprochen mit der „packenden Transferperiode in Spanien“?). Noch im Sommer wechselte dieser, in der Hoffnung auf mehr Spielzeit, von Real Madrid zu Paris Saint-Germain. Nach sechs Monaten in der französischen Hauptstadt fällt das erste Fazit ernüchternd aus: gerade einmal neun Einsätze und lediglich ein Treffer gehen auf das Konto des 23 Jahre alten Spaniers. Wie bei Zaza und Jovetic zogen Spieler und Verein auch hier die Konsequenz und entschieden sich für eine Leihe. Auf der Suche nach einem Abnehmer wurde man dabei auf Gran Canaria fündig. Bei UD Las Palmas erhofft sich Jesé endlich sein, durchaus vorhandenes, Potenzial dauerhaft unter Beweis zu stellen.

Betrachtet man den Kader Las Palmas’, so wird schnell deutlich, dass Jesé eine tragende Rolle zukommen wird. Trotz seiner Schwächen im Flankenspiel und in der Defensivarbeit, kann der Spanier mit seinen Qualitäten im Dribbling und seinem Drang zum Tor vor allem gegen tiefstehende Mannschaften für Gefahr sorgen. Insbesondere in seiner Zeit in Madrid wusste Jesé so, sowohl als Vorlagengeber als auch als Vollstrecker zu überzeugen. Zusammen mit den anderen Leistungsträgern, Jonathan Viera und dem wiedererstarkten Kevin-Prince Boateng, dürften sich die UD-Fans sogar leise Hoffnungen machen, im Kampf um einen Europa-League Platz vielleicht noch ein Wörtchen mitzureden. Hoffnungen, die allerdings durch die Leihe des Hamburger Transferwunders Alen Halilovic wohl wieder im Keim erstickt werden. Eine Leihe, die übrigens nicht ohne Grund keinen Platz in unserem Transfer Round-Up der LaLiga gefunden hat.

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