Fast ein Jahr hatte es gedauert, bis Georg Teigls Traum in Erfüllung ging. Am 23. Januar 2013 bekannte er in Salzburg öffentlich, dass er einmal in Deutschland spielen wolle. Dieser Wunsch wurde Wirklichkeit, denn am 14.01. hieß man den Wiener bei RB Leipzig willkommen. Ob die Erfahrung nach 41 Zweitligaspielen in Ostdeutschland dann tatsächlich so traumhaft war, sei in Frage gestellt – (fast) zweieinhalb Jahre später nämlich wechselt Teigl erneut, sein nächstes Ziel: Der FC Augsburg

Von Düdelingen nach Luckenwalde

Teigl, zum idealen Leistungsport-Zeitpunkt am 09.02. seines Jahrgangs 1991 in Wien geboren, begann das Fußballspielen verhältnismäßig spät mit neuneinhalb Jahren beim SV Gablitz, ehe er nur fünf Monate später zum benachbarten FC Purkersdorf ging – wie Gablitz etwa eine dreiviertel Autostunde von Wien entfernt. Die Purkersdorfer durften sich dann etwas länger an Teigls Talent erquicken. Hier dauerte es gut vier Jahre, bis der damals 14-Jährige den nächsten Schritt machte und in die U15-Mannschaft des SKN St. Pölten wechselte. Dass er nun bei einem Club spielte, der den Fokus voll auf die Weiterentwicklung junger Spieler legt, zeigt allein schon die Bedingung, dass man in St. Pölten anstatt eines Mitgliedbeitrags einen jährlichen ,,Ausbildungsbeitrag“ von 100 Euro zahlen muss, um dort spielen zu dürfen. Vier Jahre später dann der nächste Karriereschritt: Mit 18 Jahren ging es 2009 ins Junior Team von RedBull Salzburg und zwei Jahre später schließlich in die erste Mannschaft. Teigl gewann unter Ricardo Moniz und Roger Schmidt zweimal die Liga und den Cup und steckte sich große Ziele in Salzburg: ,,Mein Ziel ist es, in der Championsleague vertreten zu sein“ ließ er in just jenem Interview verlauten, in dem er auch den Deutschland-Traum offenbarte.

Ob das Ziel, mit einem schmachvollen Championsleague-Quali Ausscheiden gegen das Luxemburger Kleinkaliber F91 Düdelingen, erfüllt wurde, bleibt zu bezweifeln. Somit ging es für Teigl etwa ein halbes Jahr nach dem vorzeitigen CL-Aus in die zweite Liga nach Deutschland. In seiner ersten Saison für die Leipziger war der Rechtsfuß noch unverzichtbar, in der Aufstiegssaison jedoch spielte er kaum noch eine Rolle: Nur elf Zweitligaeinsätze und Teigl musste sogar zwischendurch mit der Amateurmannschaft nach Meuselwitz und Luckenwalde – alles andere als Championsleague.

Es verwundert also nicht, dass der mittlerweile 25-Jährige wieder den Verein wechselt. Auch wenn zukünftig Erstligafußball in Leipzig gespielt wird, ein Teil davon wäre der Österreicher nicht gewesen, dessen Vertrag kommenden Monat ausgelaufen wäre. Teigl ist ein Transfer, der wie gemacht scheint für den FC Augsburg – dass die ersten Stimmen nun laut werden, dass der Transfers eines Reserve-Zweitligaspielers unnötig ist, ist ungerechtfertigt. Wir erklären auch, warum.

Nischenspieler

Nicht nur Olympiateilnehmer und Weltcupsieger im Bobfahren, sondern auch passionierter Leichtathlet – die Rede ist von Kurt Teigl, Vater des Georg Teigl. ,,Mein Vater kommt ja aus der Leichtathletik“, so die Antwort des Sohnes, als er zu Salzburger Zeiten nach dem Geheimnis seiner Schnelligkeit gefragt wurde. Mit Sicherheit lässt sich das als Grund für Teigls Dasein als Modellathleten anführen: Von Kindesbeinen an in einem sehr sportaffinen Umfeld aufgewachsen, als er sechs Jahre alt war, gründete sein Vater das ,,Team Teigl“: Einen Verein in Pukersdorf, der junge Sportler in zahlreichen Sportarten zur ,,nationalen und internationalen Spitze“ führen will.

Georg Teigl spielte nicht zufällig immer auf Positionen, auf denen ihm seine bemerkenswerte Schnelligkeit und sein explosiver Antritt den bestmöglichen Nutzen brachten. In Salzburg war er stets offensiv auf den Außenbahnen, in Leipzig dann als rechter Außenverteidiger und in der Zweiten Mannschaft als Mittelstürmer unterwegs.

 

Ein weiterer Pluspunkt, der seiner Leichtatlethik-Vergangenheit zuzuschreiben ist: Teigl ist enorm selten verletzt! Die letzte Blessur stammt aus dem Jahr 2011: Hüftprobleme, Ausfallzeit damals: Sieben Tage.

Georg Teigl ist ein Spielertyp, der sehr von der Spielphilosophie seiner Mannschaft profitiert. In Salzburg, wo man fast als Pionier des absolut überfallartigen Offensivspiels und erbarmungslosen Pressings auftrat, etablierte er sich als Profi. Seine herausragenden konditionellen Fähigkeiten machten ihn zum idealen Spieler für diesen Stil. Auch in seiner ersten Saison in Leipzig passte es ja noch: Trainer war Alexander Zorniger, der mit seiner Mannschaft in der zweiten Liga dann ja doch noch relativ erfolgreich war und auf Spieler wie Teigl baute. Als zur Aufstiegssaison Rangnick übernahm und eine etwas ausgewogenere Version der RedBull-Philosophie etablierte, wurde Teigl vom jungen, talentierten Klostermann rechts hinten der Rang abgelaufen – und in der Offensive führte kein Weg an Poulsen und Konsorten vorbei.

An dieser Stelle ergibt sich ein Punkt, der zu den Schwächen des 25-Jährigen führt: Der ehemalige U21-Nationalspieler füllt die Nische des Pressing-Außenbahnspielers zwar ideal aus, ist aber im taktischen Kontext relativ unflexibel. Rein ballbesitzorientierten Mannschaften hilft Teigl kaum, weder Jogi Löw noch Pep Guardiola wären große Fans des Österreichers. Ein weiteres Manko: Das Stellungsspiel in der eigenen Hälfte, sowohl mit, als auch ohne Ballbesitz.

Teigl taugt

Warum aber ist Georg Teigl trotzdem kein schlechter Transfer für den FCA? Bedarf an Außenverteidigern bestünde nicht, so ein häufiges Argument. Sicher, mit Max, Stafylidis, Opare und Verhaegh ist der FCA ausreichend besetzt, doch man vergisst, dass Verhaegh wohl schon über seinen Zenith hinaus ist und, dass Opare den Verein schon wieder verlassen könnte. Der Ghanaer brauchte – zurückgeschlagen von Verletzungs- und Eingewöhnungsproblemen – sehr lange, bis er einigermaßen angekommen war, zuletzt spielte er aber und seine offensiven Qualitäten waren dabei unübersehbar. Dennoch wird bezweifelt, ob der 25-Jährige so gut zu den Fuggerstädtern passt.

Teigl hingegen wird kaum mit Eingewöhnungsproblemen zu kämpfen haben, ist er jetzt ja seiner Heimat geographisch und kulturell wieder näher als zuvor. Zudem ist der Außenbahnspieler beileibe kein reiner Rechtsverteidiger, sondern auch bestens in der Offensive einsetzbar – womit die Verpflichtung angesichts der alternden Werner und Altintop in einem noch sinnigeren Licht erscheint.

Auch wenn noch nicht klar ist, welche Art von Fußball zur kommenden Saison in Augsburg gespielt wird – es spricht viel dafür, dass sie sich von der letztjährigen nicht allzu sehr unterscheiden wird. Mit Finnbogason, der als Tormaschine nur funktioniert, wenn das Spiel auf ihn als Konterspieler ausgelegt ist  sowie vielen schnellen und kraftvollen Spielern im Team (Max, Stafylidis, Koo, Esswein, Caiuby, Bobadilla…) bietet es sich an und dann passt auch Teigl perfekt ins Profil: Die Augsburger werden das Spiel passiv angehen und ihre Stärke wie gewohnt in überfallartigen Konter- und mitunter auch Pressing-Aktionen ausspielen. Erwähnenswert ist zusätzlich, dass Teigl ja ob seines endenden Vertrages keine Ablöse gekostet hat und durch die zuletzt sporadischen Einsatzzeiten etwas von der Bildfläche der allgemeinen Transferbegierden verschwunden war.

Über den Umweg Leipzig geht Georg Teigl jetzt den Traum ,,Deutschland“ erneut an – in Augsburg sicher nicht bei einem Spitzenteam, aber in einem familiären, ruhigem Umfeld, das wie auf ihn zugeschnitten ist. Bleibt die Spielerfluktuation im Sommer gering und steht die personelle Zukunft auch auf dem Trainerposten fest, dann steht einer erfolgreichen Saison nicht viel im Weg.

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