Es war einmal vor langer Zeit, als noch praktisch ein jedes Team ein ähnliches System von Spieltag zu Spieltag schleppte. Das 4-2-3-1-Mittelfeldpressing-System: Schwer verdaulich und lange aus der Mode – ein Klassiker eben! Während Teams wie Hertha, Mainz, Augsburg, oder die Wölfe noch am alternden Typus festhalten, veränderten Bremen, Ingolstadt, oder der HSV es zumindest – fast schon eine Alibi-Modernisierung. Daneben laufen Teams mit Dauer-Pressing-Ausrichtung (Leverkusen, Leipzig), Ballbehaupter (Bayern, BVB, Gladbach) und Teams die den Flügel beackern (Frankfurt) durch die Bundesliga. Die TSG’ler bauen vorwiegend über die Mitte auf, da sie die Schaltzentrale in den Fokus ihres Spiels nehmen.

Die Ära der Taktiker und Mutigen bricht nun an und geht einher mit der Renaissance des, lange Zeit aus der Mode geratenen, 3-5-2-Systems. Trainer wie Antonio Conte und Pep Guardiola bedienen sich nur allzu gerne an der Variabilität dieses Systems, das sich innerhalb eines Spiels auch gut und gerne in Richtung 3-4-3 verschiebt, um flexibler agieren zu können. Julian Nagelsmann reiht sich in die Liste jener Trainer ein, zu Recht! Hoffenheim erlebt eine fußballerische Wiedergeburt seit den Tagen unter Ralf Rangnick. Kein Team holte seit dem Nagelsmanns Amtsantritt, nach Bayern (71) und Dortmund (57), so viele Punkte wie das Team aus Sinsheim (50).

Die Nagelsmann´sche Depression

Ansehnlicher Fußball, gute Resultate und der 5. Tabellenplatz: Man ist dazu geneigt zu sagen „läuft“ bei Hoffenheim! Nagelsmanns „Zwei-Kontakt-Prinzip“, ala FC Barcelona, geht auf. Gegenpressing funktioniert, zumindest großteils. Moderne Trainingsmethoden in denen er alles aus seinen Spielern rausholt, zeigen Früchte! Doch wie heißt das Sprichwort: „Wo Licht ist, da…“.

Klar ist, dass drei Innenverteidiger gut für die Offensive sind, da ein Mann mehr am Spielaufbau und an den finalen Aktionen mit beteiligt ist. Jedoch verlangt es absolute Disziplin, höchste Konzentration und reibungslose Mechanismen. Fakt ist, dass Hoffenheim Probleme hat, wenn der Gegner mannorientiert agiert, die Brechstange auspackt und das Gegenpressing überspielen kann. Genau hier liegt das Problem: Greift das Gegenpressing nicht, ist der Druck auf die Dreierkette immens und das Verteidigen in Unterzahl kein Geschenk. Hinzukommt, dass die Nagelsmann-Elf bei hohen Bällen große Probleme hat und fast keine Mittel. Festzuhalten ist jedoch auch, dass wir hier über Meckern auf, für Hoffenheims Verhältnisse, hohem Niveau sprechen, das auch den hohen Anforderungen des Trainers geschuldet ist, der ähnlich wie Tuchel, oder auch Guardiola, immer einen Schönheitsfleck zu finden scheint.

Am Rande dessen, hat der vergangene Sommer gezeigt, dass bei der TSG effiziente Entscheidungen getroffen wurden. Mit Volland (Bayer 04), Schmid (FCA) und Strobl (BMG) haben drei Leistungsträger die Flagge gewechselt und haben Platz für Neues geschaffen: Wagner (D98), Rupp (VfB), Hübner (FCI), Vogt (1.FC), Dembiray (HSV), oder die gezogenen Klausel für Kramaric zeigen nun, etwa drei bis vier Monate später, ihre Berechtigung. Mit einem Mäzen wie Hopp im Hintergrund hat Hoffenheim gar ein Transferplus von rund 6 Mio. € erzielt – Warum also diese nicht noch einmal investieren, um lockere Schrauben neu zu justieren?

From Lille with Love

Um die Schwäche bei gegnerischen Kontern und taktische Stellungsfehler auszumerzen wäre ein tiefstehender Sechser, der sich primär auf defensives Abräumen beschränkt und seine Vorderleute ordnet, der optimale Schachzug. Wie Kaiser-Franz sagen würde: „Ein Wadlbeißer muss her“. Prädestiniert für eine solche Position wäre ein Mann wie N´Golo Kante vom FC Chelsea! Völlig unrealistischer Transfer, perfekt passender Spielertyp.

Ähnliche Anlagen verkörpert Soualiho Meité. Der 22-jährige Franzose weist zwar technische Defizite auf, ist nicht der flinkste Mann auf dem Rasen und sehr limitiert, was seine Position angeht. Zudem wird ihm häufig zur Last gelegt, dass er nur die einfachen Pässe spielt, nur die einfachen Wege geht und er gerne mehr glänzen könnte, um die Leute auf sich aufmerksam zu machen – aber warum? Gerade die Schlichtheit seines Spiels macht ihn für eine solche Personalie prädestiniert.

Entstehendes Chaos seiner Vorderleute stellt ihn vor keine Probleme, seine limitierten Aktionen verhindern desaströse Fehlpässe und garantieren ihn an der Stelle vorzufinden, wo er gebraucht wird – auf der defensiv-ausgerichteten Sechs! Er bringt ein feines Gespür für seine Tacklings mit, ist im Umschaltspiel sehr präsent, ausdauernd genug, um über die volle Distanz sein Spiel abzuliefern und liest das Spiel gut genug, um sich unnötige Wege zu ersparen. Mit seinen 1,87 Meter ist er zudem eine Kante in der Luft und könnte das Problem von hohen Bällen bis zu einem gewissen Grad eindämmen.

Meité wirkt ruhig und beherrscht, was auch seinen Teamkollegen nötige Ruhe geben könnte, in dem Wissen, dass noch immer ein Abräumer deren Rücken stärkt und für sie im Notfall da ist. So macht ihn die Einfachheit, die ihm oft negativ ausgelegt wird, zur effektiven Absicherung einer offensiv ausgerichteten Spielphilosophie und zur idealen Verstärkung!

Die besten Dinge sind die Schwersten

Bei all der Euphorie rennt man dennoch gegen den nächsten Laternenpfahl! Der Junge ist nämlich vom französischen Erstligisten an Zulte Waregem ausgeliehen, dem Tabellen-Zweiten aus der Jupiler Pro League (Höchste belgische Liga). Erst im Sommer endet der Leihvertrag und Klubs wie der BVB, Schalke 04, Everton, oder der FC Liverpool wetzen schon die Gabeln. Erst kürzlich hallten 7,5 Mio. € Ablöse durch die Welt der Gerüchte, sobald er zu seinem Stammverein zurückkehrt.

Warum also nicht jetzt schon in die Tasche greifen, um den Versuch einer Verpflichtung zu übernehmen? Nicht das erste Mal würde ein Spieler aus einem Leihvertrag gekauft werden, um schon früher über die Ladentheke zu wandern. Da unter diesen Umständen der Rahmen der 7,5 Mio. € gesprengt werden würde, müsste die TSG definitiv, für ihre Verhältnisse, tief in die Tasche greifen. Hinsichtlich Meités Potential und Alter wäre die Idee dennoch das eine oder andere Gedankenspiel wert.

Alternativen hierzu könnten ebenfalls aus der Ligue 1 kommen. Mit Valentin Rongier (22 Jahre, 1,5 Mio. € MW) vom FC Nantes, Rémi Walter (21 Jahre, 1,5 Mio. € MW) aus Nizza, oder Yann Bodiger (21 Jahre, 2 Mio. € MW) von Toulouse wären ähnliche Spieler gefunden, die für ein Engagement in der Bundesliga sicherlich zu überzeugen wären und, das ist das wichtigste, nur einen Bruchteil von Meité kosten würden.

„Das Einfache ist nie klar“ besagt ein Sprichwort. Wissentlich kann auch Meités Erfolg in Hoffenheim nicht garantiert werden, jedoch belegt werden, dass er nach seiner Interpretation des Spiels, sich gut in das derzeitige System einfügen könnte. Alternativen, sind und bleiben immer der Plan B. Wer würde schon das Optimum gegen etwas „nur“ Artgemäßes eintauschen?

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