Österreicher in der Deutschen Fußball-Bundesliga – das war nicht immer, aber schon oft eine Erfolgsgeschichte. Trainerlegende Ernst Happel trainierte in den 80ern den HSV, wurde mit den Rothosen zweimal Meister, gewann auch den DFB-Pokal und 1983 sogar den Pokal der Landesmeister. In den 90ern schoss Toni Polster Tore wie am Fließband für den 1. FC Köln und Andreas Herzog spielte erfolgreich für Bremen und auch die Bayern. Aus den letzten Jahren lassen sich weitere Beispiele anfügen, wie natürlich ein David Alaba in München oder auf Schalke ein Christian Fuchs, der im Pott einige erfolgreiche Jahre erlebte. Nun wechselt ein Mann zu den Königsblauen, der noch für Österreichs U21 spielt und ein Versprechen in die Zukunft zu sein scheint. Aber ist er wirklich der nächste Österreicher, der in der Bundesliga durchstarten kann?

Sportliche Vergangenheit

In seiner Jugend kickte Alessandro Schöpf für den SV Längenfeld und AKA Tirol, bevor ihn der FC Bayern München 2009 verpflichtete und er bis 2012 in der dortigen Jugendmannschaft spielte. Danach folgten zwei Jahre, in denen Schöpf zwar auch 2013 einen Profi-Vertrag unterschrieb, aber während derer er nur in Bayerns zweiter Mannschaft spielen durfte. Dort bestritt er einerseits 63 Regionalligaspiele, bei denen ihm gute 22 Treffer gelangen, aber andererseits blieb das erste Bundesligaspiel aus. Was folgte war der Wechsel zum 1. FC Nürnberg, wo er in den letzten anderthalb Jahren zum Stammspieler und Leistungsträger reifte. In 51 Zweiligaspielen glückten ihm jeweils elf Tore und Vorlagen, womit er in der aktuell laufenden Saison den Wiederaufschwung beim Club tatkräftig unterstützte. Nun jedoch sicherte sich der FC Schalke für fünf Millionen Euro plus Boni die Dienste des Talents und Nürnberg muss ohne Schöpf auskommen.

Stärken/Schwächen und Spielertyp

Als Stärke kann eindeutig die gute Technik ausgemacht werden. Im Eins-gegen-eins zeigt sich Alessandro Schöpf somit oft dribbelstark, hier kommt ihm sicherlich auch seine im Vergleich mit anderen Spielern geringe Körpergröße von 1,78m zugute, da sein Körperschwerpunkt weiter unten liegt. Mit seiner Dynamik und Schnelligkeit kann er die gegnerische Abwehr vor Probleme stellen, ebenso hat er aber auch eine gute Kondition und spult viele Kilometer herunter. Hinzu kommen seine gute Schusstechnik, seine Beidfüßigkeit und das Auge für den Nebenmann, sodass er selbst abschließen, aber auch als Vorlagengeber agieren kann. Deswegen ist es möglich, Schöpf auf allen drei Positionen im offensiven Mittelfeld einzusetzen. Am meisten liegt ihm zuletzt aber Rechtsaußen, denn von hier aus kann er gefährlich nach innen ziehen. Weiterhin gilt er als professioneller, geerdeter Spieler, der auf und neben dem Platz weiß, was er zu tun hat. Allerdings muss er noch etwas an seiner Defensivarbeit feilen, auch sein Kopfballspiel ist noch ausbaufähig. Außerdem wird er noch unter Beweis stellen müssen, ob er gut mit dem konstant hohen Niveau der 1. Bundesliga zurechtkommt und tatsächlich sein Talent voll ausschöpfen und sich noch weiterentwickeln kann. Allgemein wird es ihm aber zugetraut.

Neue sportliche Situation

Nachdem die Schalker Verantwortlichen aus der Hinrunde die Erkenntnis zogen, dass man mehr Breite besonders im Mittelfeld benötigt, wurden schon Younès Belhanda und nun auch Alessandro Schöpf verpflichtet. Ein weiterer Mann für das zentrale defensive Mittelfeld wird wohl noch folgen. Doch schon jetzt steht fest: Im Kampf um einen Stammplatz wird es alles andere als leicht für Schöpf. Links offensiv hat sich meist Max Meyer festgespielt, rechts Shootingstar Leroy Sané, als Doppelspitze agierte Klaas-Jan Huntelaar sowohl mit di Santo als auch mit Choupo-Moting. Letztgenannter kann aber auch auf den offensiven Außenbahnen spielen und Younès Belhanda kann, genau wie Schöpf, alle drei offensiven Mittelfeldpositionen bekleiden. Der Konkurrenzkampf wird also hart und es ist nicht auszuschließen, dass Schöpf zunächst erstmal nur als Ergänzungsspieler fungiert und oft den Platz auf der Bank anwärmen muss. Hat er sich aber erstmal das Vertrauen von André Breitenreiter erarbeitet, dürfte er weit mehr Einsatzzeiten bekommen. Dann könnte er mit den anderen jungen Wilden um Geis, Goretzka, Meyer und auch Sané gemeinsam im Mittelfeld spielen. Dass er auf die drei zuletzt genannten auch wieder mit Österreichs U21 treffen wird, dürfte eine interessante Randnotiz bleiben. Besonders Sané ist aber als Hauptkonkurrent zu nennen, da auch er meist hier von Breitenreiter eingesetzt wird. Bleibt er bei Schalke, dürfte er im Rennen um den Stammplatz mit Schöpf deutlich die Nase vorn haben. Doch auch wenn er sich sehr wohl auf Schalke fühlt und eigentlich alle möchten, dass er sich hier in Ruhe weiterentwickeln kann: Horst Heldt hat angedeutet, dass ein Verkauf Sanés nicht völlig ausgeschlossen sei, da es eine finanzielle Schmerzgrenze gebe. Sollte der Rohdiamant also doch Schalke verlassen, könnte die Stunde von Alessandro Schöpf schlagen. Dann muss er aber auch die Gelegenheit beim Schopf packen und stark aufspielen.

Fazit

Mit Alessandro Schöpf haben sich die Königsblauen einen sehr talentierten Spieler geholt, der viel Potenzial hat und dem zugetraut werden darf, sich weiterzuentwickeln und konstant auf gutem Bundesliga-Niveau zu spielen. Doch ob dies auch wirklich eintritt, wird man sehen müssen. Auf jeden Fall sind die knapp sechs Millionen Euro, die die Knappen wohl an den Club überwiesen haben, keinesfalls schlecht angelegtes Geld. Überzeugt Schöpf nicht, so wäre die für ihn ausgegebene Summe immer noch verschmerzbar. Schlägt er aber langfristig so ein wie erhofft, könnte er mit den anderen jungen Wilden das Spiel der Schalker einige Jahre lang prägen. Dann wäre er auch definitiv der nächste Österreicher, der in der Deutschen Bundesliga überzeugt, und würde damit auch einmal mehr zeigen, dass im Nachbarland nicht nur gut Ski gefahren und gesprungen werden kann.

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