Zwischen 2003 und 2006 schwang sich ein junger Spieler aus Japan zu einem regelrechten Sympathieträger und Fanliebling beim Hamburger SV auf, sodass noch heute einige Fans an die damalige gemeinsame Zeit zurückdenken. Eine Zeit, wo die Trainer noch Toppmöller und Doll hießen, Spieler wie van Buyten, Bouhlarouz oder Van der Vaart in ihrer Blütezeit steckten und 2006 sogar ein Champions-League-Platz für die Rothosen heraussprang. Ein Bild, was heutzutage nur als verstaubte Erinnerung für ein kurzes Augenfunkeln in der bitteren sportlichen Gegenwart , der leidgeplagten Augen der Anhänger sorgt. Nach Takahara verpflichtet der HSV mit dem 24-jährigen Gotoku Sakai jetzt wieder einen japanischen Spieler und auch wenn die Mitspieler und Tabellensituation dieses Mal eine andere sind, verknüpft man mit dem Neuzugang aus Stuttgart gewisse Erwartungen. Welche das sind, auf welchen Spielertyp sich die Hamburger freuen können und ob Sakai in die Fußstapfen von Takahara als Sympathieträger und Leistungsträger treten kann, liest du im heutigen Artikel.

Mai 2012: Ganz Fußballdeutschland spekuliert welche Spieler Bundestrainer Joachim Löw für die anstehende EM in Polen und der Ukraine nominiert. Eine faustdicke Überraschung wie Odonkor oder ausschließlich die arrivierten Spieler der bisherigen Nationalmannschaft? Zu ersterer Kategorie zählte damals Gotoku Sakai, der nach seinem Wechsel zum VfB Stuttgart in der Rückrunde derart auf der linken Verteidigerposition aufdrehte, sodass Löw sowie viele Fans den gebürtigen New Yorker auf dem Zettel hatten. Mit der Nominierung wurde es schlussendlich nichts für den international geprägten Sohn eines Japaners und einer deutschen Mutter, doch zeigte diese Halbserie welch Potenzial in dem heutigen 23-fachen Nationalspieler von Japan steckt. Für eine geschätzte Ablösesumme von 700.000€ mit erfolgsabhängiger Nachzahlung angelt sich jetzt der HSV Sakai Jahre später für einen vergleichsweise günstigen Preis. Was ist nur nach seinem Höhenflug passiert?

Der heutige HSV-Coach Bruno Labbadia holte Sakai damals zu seiner damaligen Station beim VfB Stuttgart ins Schwabenland, sodass Vertrauen und Überzeugung von Trainerseite, sowie Verletzungspech von Konkurrenten wie Boka und Molinaro dafür sorgten, dass Sakai stark startete und mit seinen Offensivläufen die Bundesliga verzückte. Mit der Entlassung Labbadias stagnierten dann auch Sakais Leistungen, der sich dem allgemeinen Abwärtsstrudel des VfB Stuttgart anpasste und zum starken Unsicherheitsfaktor in der Verteidigung wurde. Zwar blitzten immer wieder die Stärken in der Offensivbewegung und die ausgefeilte Technik des beidfüßigen, polyvalenten Spielers auf, doch steckte den jungen Japaner das Chaos in der VfB-Hintermannschaft an, zeigte teils eklatante Schwächen im defensiven Stellungsspiel und wurde durch seine ständige Nervösität und Übermotivation häufig als Schwachstelle auserkoren, sodass Trainer Stevens ihm Hlousek vorzog und auch Nachfolger Zorniger anders plante. In der Nationalmannschaft hingegen konnte Sakai sein starkes Niveau halten, sodass interessant sein wird, inwiefern Sakai nach der jetzigen Luftveränderung in einem anderen Klima wieder durchstarten könnte.

Beim Hamburger SV ist der junge Japaner für die defensiven Außenbahnen geholt worden, soll dabei Druck auf die etablierten Ostrzolek und Diekmeier ausüben, sowie den personellen Aderlass von Top-Verdienern wie Jansen und Westermann ersetzen. Da man außerdem mit Marcos und Götz zwei interessante Eigengewächse Entwicklungsräume geben möchte, passt es ins Bild, dass man mit Sakai einen Spieler holt, der sowohl links als auch rechts ohne nennenswerte Unterschiede agiert, aber sich in erster Linie auf der linken defensiven Außenbahn sieht. Der in der späteren Jugend bei Niigata vom Stürmer zum Verteidiger umfunktionierte Spieler bringt dabei zwar wie Ostrzolek und Diekmeier ähnliche physische Attribute wie die Konkurrenz mit, sollte jedoch auch das Potenzial mitbringen Diekmeier mittelfristig technisch und spielerisch ersetzen zu können, da besonders Diekmeier in den letzten Spielzeiten deutlich stagnierte. Besonders seine Qualitäten im Spielaufbau, technische Finessen und sein Offensivverhalten könnten in der Hansestadt mehr zum Tragen kommen.

Insgesamt geht der Hamburger SV mit diesem Transfer kein großes Risiko ein und geht jetzt bewusst einen anderen Transferweg, weg von vermeintlichen Starspielern hin zu jungen, entwicklungsfähigen Spielern. Dass Sakai unter Labbadia seine beste Zeit hatte, darf zweifelsfrei als einer der entscheidenden Punkte für diesen Transfer gelten und in Topform dürfte Sakai eine starke, kostengünstige Verstärkung darstellen und das quantitativ als auch qualitativ.Da diese Topform nun schon längere Zeit her ist, muss man abwarten inwiefern er sich im Konkurrenzkampf durchsetzen kann, sodass er sich zunächst wohl mit der Rolle des Edelreservisten begnügen muss. Bleibt zu hoffen, dass Sakai nun wieder die Kurve nach oben bekommt und mental weiter reift. Für Joachim Löw ist er jetzt nicht nur aufgrund seiner Einsätze für Japan sowieso kein Thema mehr, aber das Potenzial in die Fußstapfen von Takahara zu treten ist noch drin und vielleicht färbt sich das momentane sportliche Graustufenbild bald wieder mit Farbe und Leben in der Hansestadt Hamburg.

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