Die englische Premier League ist nicht nur aufgrund der Finanzstärke der Klubs und dementsprechend hoher Gehälter ein attraktives  Ziel auf der Reise eines jeden Fußballers. In einer Reisebroschüre ließe sich die Beschreibung des Hotels „Barclays Premier Leauge“ in etwa wie folgt: „Entspannen Sie in einem 5*-Luxus-Rehabereich nachdem Sie sich zuvor am Strand mit weiteren Gästen bis auf die Knochen verausgabt haben. Charismatische Animateure bietet Ihnen während Ihres Aufenthaltes Entertainment pur außerhalb und im Pool. Die nahegelegenen Metropolen mit ihren kulturellen Angeboten und zahlreichen Shoppingangeboten laden zum Flanieren ein und sind definitiv einen Besuch wert.“ Ob Fußballer an jenem Ort sesshaft werden oder es nur für einen Kurzurlaub reicht, ist im Vorfeld oft schwer einzuschätzen – so hat sich Bastian Schweinsteiger seinen Wechsel zu Manchester United sicher auch ganz anders vorgestellt. Wie dem auch sei, euer Reiseleiter Transferkritiker – mit eingebautem Flugvergleich und Angebotsscanner zur Hand – nennt euch potenzielle Auswanderer in Richtung England, die auch der Brexit wohl nicht stoppen kann…

Die sichere Wahl für die Premier League: Niklas Süle (FC Liverpool, FC Chelsea)

Süle, der Prototyp eines modernen Verteidigers und zusammen mit Jonathan Tah (übrigens auch vom FC Liverpool umworben) das wohl größte Innenverteidigertalent im deutschen Profifußball, hat sich nicht erst durch seine überragenden Leistungen beim vergangenen olympischen Turnier in den Vordergrund gespielt. Bereits im letzten Sommer war er unter anderem ein heißer Kandidat auf die Hummels-Nachfolge in Dortmund, entschied sich dann jedoch, weiter unter Jungtrainer Julian Nagelsmann in Hoffenheim zu reifen. Nun hat bereits der FC Bayern, seines Zeichens der Verein, der möglichst alle guten deutschen Spieler in seinen Reihen wissen möchte (vgl. Ex-Sportdirektor Matthias Sammer), bei Süle angeklopft – auch ein Interesse vom FC Chelsea und Klopps Liverpool ist vorgemerkt. Von allen genannten Spielern in dieser Rubrik hätte Süle in der körperbetonten Premier League wohl die geringsten Akklimatisierungsprobleme; seine starke Physis und sein abgeklärtes Zweikampfverhalten verschaffen ihm auf dem Platz dabei entscheidene Vorteile.
Inbesondere für das Klopp’sche System in Liverpool könnten Süles Spielübersicht und seine Qualitäten im Spielaufbau gewinnbringend sein, in der Abwehrzentrale könnte er mit Joel Matip ein deutschsprachiges Innenverteidiger-Duo bilden. Doch auch der FC Chelsea ist aufgrund der verschriebenen Verjüngungskur in der Innenverteidigung zur nächsten Saison ein potentieller neuer Arbeitgeber – das Paar Süle/Cahill wirkt auf dem Papier durchaus imposant und sollte dies auch auf dem Platz zeigen können. Auch hier könnte Süle das Spiel Chelseas von hinten heraus noch schneller aufziehen.

Tendenz: Qualifiziert sich Süle mit Hoffenheim am Ende der Saison für das internationale Geschäft, könnte er durchaus noch ein Jahr in Sinsheim spielen. Wenn nicht, sind der Ligaprimus FC Bayern und der FC Chelsea aufgrund seiner Hartnäckigkeit im Bemühen um den Spieler die aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen. Bei einem Wechsel in die Premier League ist Süle die sichere  Wahl – Innenverteidiger a la Robert Huth, Per Mertesacker und aktuelle Shkodran Mustafi wussten immer ihre Leistungen auf dem Platz zu zeigen.

Der Nachzügler: Juan Bernat (Manchester City FC)

Der technisch versierte und offensiv ausgerichtete Linksverteidiger Bernat ist einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf einen Wechsel gen England. Von Pep Guardiola aufgrund seines guten Spielverständnisses und seiner taktischen Disziplin geschätzt, dürfte er unter seinem ehemaligen Trainer in einer Viererkette in der Verteidigung gesetzt sein – Altmeister Gael Clichy ist doch arg in die Jahre gekommen und vermag Guardiolas hohe Ansprüche im Spiel gegen den Ball nicht in vollem Maße gerecht zu werden.
Auch in das schnelle Umschaltspiel ManCitys nach vorne würde sich der dynamische Bernat prächtig einfügen. Der internationale Fußball zeigt auch, dass Bernat als linker Posten einer varibalen Dreierkette agieren könnte, der bei gegnerischen Angriffen nach links herausrückt und Platz für einen sich zurückfallenden Sechser macht. Durch die Schule Guardiolas ist Bernat jedoch taktisch so flexibel, dass er bei stetiger Rotation auch offensiv Akzente setzen könnte.
Da gute Linksverteidiger momentan rar gesät sind stellt sich die zentrale Frage, ob der FC Bayern gewillt ist, Bernat überhaupt abzugeben. Keine Frage: In München ist Bernat allenfalls Ersatz, gibt es an David Alaba auf Dauer definitiv kein Vorbeikommen. Der Spanier ist ebenfalls mit seinen 23 Lenzen noch zu jung, um sich langfristig hinten anzustellen. Verfügt er über ein gesundes Anspruchsdenken, welches ihn auch wieder in den Kreis der Nationalmannschaft führen soll, wäre ein Wechsel nach Manchester sicherlich eine gewinnbringende Entscheidung.

Tendenz: Bernat wechselt zur neuen Saison zu Manchester City in die Premier League und streitet sich mit Alexander Kolarov je nach Spielausrichtung um einen Stammplatz auf der linken Außenbahn.

Ausverkauf im Fohlenstall? Andreas Christensen, Thorgan Hazard (beide FC Chelsea) und Mo Dahoud (FC Liverpool)

Nun wird es voll in dieser Rubrik, denn in Gladbach scheinen der FC Chelsea und der FC Liverpool gleich mehrere interessante Angebote entdeckt zu haben. Zugegebenermaßen ist der Abgang Andreas Christensens, der seit seinem Wechsel an den Niederrhein durchweg überzeugen, bereits beschlossene Sache. Christensen konnte seinen Marktwert immens steigern und zu einem Verteidiger internationalen Formats reifen.
Max Eberl feilscht allenfalls noch um eine Verlängerung der Leihe um ein bis zwei weitere Jahre; dass Christensen aber langfristig und mit hoher Wahrscheinlichkeit schon zum Ende dieser Saison wieder in die englische Hauptstadt und damit in die Premier League zurückkehren wird, steht außer Frage. Der Innenverteidiger, der durch seine moderne Interpretation der Position, durch sein sicheres Positionsspiel und Zweikampfverhalten sowie seinen Spielaufbau besticht, könnte unter Umständen auch das Zünglein an der Waage des Süle Transfers werden.

Tendenz: Spätestens zur Saison 2018/2019 spielt Christensen wieder in London – eventuell als Teamkollege von Niklas Süle.

Unser nächster Kandidat ist Thorgan Hazard. Der nach Anlaufschwierigkeiten in Gladbach erstarkte Belgier mit seiner ausgefeilten Schusstechnik und seinen einschneidenden Tempo-Dribblings weckt internationale Begehrlichkeiten. Ihr erinnert euch vielleicht: Ursprünglich gelang es den Gladbachern durch ihre exzellenten Beziehungen zum FC Chelsea (besonders durch Präsidiumsmitglied Rainer Bonhof) Hazard ebenfalls auszuleihen und schließlich zur akuellen Saison fest zu verpflichten. Hazards Mehrwert für das Gladbacher Spiel ist unumstritten, gilt er nicht nur in Insider-Kreisen auch als langfristiger Thronfolger Raffaels. Obwohl es immer wieder Gerüchte um eine Rückholaktion Chelseas gibt, werden Eberl und auch Hazard selbst nicht müde zu betonen, dass er seine Zukunft zum jetzigen Zeitpunkt in Gladbach sieht – eine Rückkaufklausel wurde von beiden zuletzt dementiert.

Tendenz: Abhängig von der Platzierung bleibt Hazard mindestens noch ein Jahr in Gladbach und beide widerstehen auch aufgrund des Christensen Abgangs zunächst dem Angebot Chelseas aus der Premier League – langfristig wird es für Gladbach jedoch schwer, Hazard halten zu können.

Last but not least: Mo Dahoud. Gladbachs Ausnahmetalent auf Abwegen bleibt momentan wohl auch aufgrund geringer Einsatzzeiten hinter den Erwartungen und eigenen Ansprüchen zurück. Die momentane Ausrichtung des Gladbacher Spiels mit dem fehlenden Taktgeber auf der Sechserposition erlaubt kaum eine Einbindung Dahouds, da dieser durch seine oft fahrlässige Spielweise Ballverluste produziert, die wiederum Gladbachs Defensive vor Probleme stellen.
Wo wir gerade bei Problemen sind: angeblich besitzt Dahoud in seinem derzeitigen Vertag eine Ausstiegklausel in Höhe von 10 Millionen für das Transferfenster im nächsten Sommer, lehnte eine Vertransverlängerung zunächst ab. Diese in Anbetracht Dahouds Marktwertes jetzt schon geringe Summe erhöht die Brisanz eines möglichen Transfers im Winter, um die Kassen zu füllen. Jürgen Klopp und der FC Liverpool, aber auch Borussia Dortmund gelten als heißer Interessenten. Klopp und Tuchel wäre es jedenfalls beiden zuzutrauen, Dahoud, der auch Ansätze von Arroganz auf dem Platz zeigte, wieder in die Spur zu bügeln. Von seinen spielerischen Qualitäten her würde Dahoud sicher beiden Mannschaften weiterhelfen und könnte in Dortmund zum Nachfolger Gündogans heranwachsen.

Tendenz: Dahoud verlässt Gladbach – eventuell schon im Winter. Das Rennen zwischen Dortmund und Liverpool ist dabei noch völlig offen.

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