Einen Spieler mit Wurzeln in Äquatorialguinea – das gab es nicht sehr häufig in der Bundesliga. Omar Mascarell heißt der Profi, der dieses Alleinstellungsmerkmal aktuell für sich beansprucht. Dass er bei der Frankfurter Eintracht gelandet ist, mag Zufall sein, aber vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass der neue Chefscout der SGE der ehemalige Düsseldorfer Profi Ben Manga ist – der aus Äquatorialguinea stammt. Nach Branimir Hrgota, Ante Rebic, Danny Blum und Taleb Twatha ist Mascarell (der auf der Kanaren-Insel Teneriffa geboren wurde)  der fünfte Neuzugang bei Eintracht Frankfurt binnen kurzer Zeit. Den Hessen steht offenbar ein Umbruch bevor, kein Wunder nach der letzten Schreckenssaison.

Aber hilft da ein Mittelfeldspieler aus Äquatorialguinea?

Der Königliche

Bemerkenswert in der Vita von Omar Mascarell ist, dass er immer wieder für die spanischen U-Nationalmannschaften in Frage kam, sich aber nie wirklich durchsetzen konnte. Auch die Station Real Madrid sticht aus dem Lebenslauf heraus. Doch was vielversprechend klingt, wartet tatsächlich noch auf den großen Durchbruch.

Als er 2013 unter José Mourinho sein Debüt bei den „Königlichen“ gab, sah es kurze Zeit rosig aus für den Mittelfeldspieler. Trotzdem wurde er zu Beginn der Saison 14/15 verliehen – es ging auf die Insel zu Derby County in die „Championship“, anschließend wanderte er zurück nach Spanien, schlug seine Zelte bei Sporting Gijon auf, wieder auf Leihbasis. Nach 27 Einsätzen in der Primera Division geht es nun also weiter nach Deutschland. Der Mittelfeldspieler erhält in Hessen einen Vertrag über drei Jahre. Über die Höhe der Ablöse wurde zwischen der Eintracht und Real Stillschweigen vereinbart. Klar ist: Ein ordentliches Jahr in Gijon mit 27 Einsätzen kann sich sehen lassen. Omar Mascarell spielte in Spanien gegen absolute Größen des Weltfußballs und trainierte mit ihnen. Doch reicht es für die Bundesliga?

 Einfach ist anders – Die kreative Variante

 Die Konkurrenz ist groß. Der 23-Jährige agierte am liebsten im defensiven Mittelfeld, für die Rolle des kreativen Sechsers ist er auch eingeplant von Trainer Niko Kovac. Doch da tummeln sich auch Spieler wie Huszti, Hasebe oder Fabian – mindestens vier Profis streiten sich um die zwei Positionen vor der Abwehr.

 Mascarell ist ein kreativer Sechser. Genau das, was die Eintracht braucht. In der vergangenen Saison haperte es im Spiel nach vorne, da kann der Ex-Real-Profi mit seinen scharfen Vertikalpässen für Belebung sorgen. Er erkennt gefährliche Spielsituationen schnell, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive und er weiß sie zu lösen. Er verfügt über eine feine Technik, gepaart mit einem starken Passspiel und passt damit wie gegossen in die Position des aufbauenden Mittelfeldspielers. Sein Tempo ist ausreichend für das Umschaltspiel in beide Richtungen und dank seiner Übersicht ist er nach Balleroberung in der Lage, gefährliche Gegenangriffe einzuleiten.

Er ist allerdings kein klassischer Sechser im Sinne eines Zerstörers. Denn da weist er große Defizite im Defensivspiel auf – sein Zweikampfverhalten ist nicht das Beste, er geht nicht gut in die Luftduelle und es zieht ihn gerne in die offensive Tiefe, wobei in seinem Rücken Löcher entstehen können. Zudem hat er nicht den besten Schuss, sieht sich eher in der Rolle des „Maestro“, des ballsicheren Dirigenten, der das Spiel von hinten aufzieht.

Eine passende Formation für ihn wäre vielleicht das 4-3-3, in dem er den offensiven Part der Mittelfeldreihe gibt, gut abgesichert durch zwei „richtige“ Sechser neben sich. In der vergangenen Saison setzte Kovac allerdings lieber auf ein 4-2-3-1, hier käme er wohl neben Hasebe zum Einsatz, dessen defensive Disziplin vielleicht eine gute Ergänzung darstellen könnte. Ob der Trainer wegen Omar Mascarell das Spielsystem auf den Kopf stellt, ist allerdings fraglich.

Mascarell stärkt immerhin die Breite

Das Verweigern der Veröffentlichung der Ablösesumme macht eine Bewertung des Transfers schwer. Wobei: Genauso wenig, wie man sich von einem Spieler für 30 Millionen Euro den Himmel erwarten darf, muss man bei einem, der nur zwei Millionen gekostet hat, die Hölle befürchten. Das System ist ein wenig außer Kontrolle geraten, jetzt sollte man die Jungs erst Mal spielen lassen. Die Eintracht, das ist sicher, hat sich mit einem talentierten und kreativen Mittelfeldspieler verstärkt. Der Kaderbreite tut der Transfer sicherlich gut, Mascarell öffnet dem Trainer mehr Möglichkeiten in der Offensive und Defensive. Ob er sich einen Stammplatz erkämpfen kann, steht allerdings in den Sternen. Aber: Wenn es in Gijon klappt hat – warum nicht auch in Frankfurt?

Autor: Tobias Haubert

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