„Ivi, du kannst nach Hause zum HSV“ waren die langersehnten Worte von Klaus Allofs, die am Freitag das Okay für den Wechsel von Ivica Olic zurück zu Hamburg bedeuteten, wo er bis heute als Publikumsliebling hoch geschätzt wird. Manchmal ergeben sich diese besonderen Geschichten im Fußball und nun wechselt der 35-jährige Kroate für eine Ablösesumme, die sich um die 1,5 Millionen Euro bewegen dürfte, für die nächsten 1,5 Jahre bis Sommer 2016 an die Elbe zu den Rothosen, die ihm außerdem nach Medienberichten einen möglichen Job nach der Karriere in Aussicht gestellt haben.

 

Ivica Olics Anfangsjahre waren von zahlreichen Wechseln und Leihgeschäften geprägt, sodass nach Beginn seiner Karriere beim kroatischen Zweitligisten Marsonia, die Stationen Hertha BSC, NK Zagreb, Dinamo Zagreb und ZSKA Moskau seine Spielervita zierten, Olic erste Auslandserfahrungen sammelte und als Mittelstürmer mit zahlreichen Toren sein Profil schärfte. Dann folgte 2007 seine erste Liaison mit dem Hamburger Sportverein, wo er sich mit seinem uermüdlichen Kampfgeist und insgesamt 48 Treffern in 115 Pflichtspielen schnell in die Herzen der Fans spielte. 2009 ging er dann zum Rekordmeister FC Bayern München, wo er in seinen 3 Jahren zwei Mal im Champions-League Finale stand und besonders seine 3 Tore gegen Olympique Lyon im Halbfinale 2012 bleiben den Münchener Fans sicherlich in besonderer Erinnerung. Da Olic allerdings gegen die naturgemäß immense Konkurrenz in München scheinbar den kürzeren zog, ging er zu Wolfsburg, wo er in den letzten 3 Jahren als Stammspieler tätig war.

Der drittälteste Spieler der Bundesliga ist ein unermüdlicher Kämpfer mit Pferdelunge, der aufgrund seiner starken Physis selbst im fortgeschrittenen Fußballalter zu den sprintstärksten Akteure der Bundesliga gehört, da er bereits seit 13 Jahren neben dem Training eine unheimlich intensive Körper-und Muskulaturregeneration und Pflege betreibt. Olic besticht außerdem durch einen ausgeprägten Torriecher, die ihn nach 14 Saisontoren im Vorjahr, auch in dieser Saison mit bisher 5 Toren zum torgefährlichsten Stürmer bei den Wolfsburgern machte.

Olic sieht sich selbst als Mittelstürmer, ist jedoch aufgrund seiner auf die flügel-ausweichenden, quirligen, unorthodoxen Spielweise und Laufwege eher ein Kandidat für die Linksaußen bei den Hamburgern, wo er mit dem dynamischen Jansen eine laufstarke linke Seite im „4-2-3-1“-System von Trainer Joe Zinnbauer bilden kann. Auf dieser Position herrscht außerdem mit Gouaida und dem lange verletzten Beister ein deutliches Qualitätsleck, doch sieht sich das Laufwunder selbst als Mittelstürmer, was Zinnbauer vor ein Problem stellt. Als alleiniger Mittelstürmer wirkt der spieltechnisch in letzter Zeit stark abgebaute Olic etwas deplatziert, da er dem Typus des Strafraumstürmers nicht entsprechen kann und eigentlich prädestiniert für eine Position neben Stoßstürmer Lasogga als hängende Spitze wäre, die allerdings in Zinnbauers System (noch) nicht existiert.

Insgesamt angeln sich die Hamburger einen sehr routinierten Führungsspieler, der die junge Hamburger Mannschaft aus vielen Indianern, als Häuptling führen könnte. Sportlich entsprach Olic nicht mehr den immens gewachsenen sportlichen Ambitionen von Wolfsburg, aber für die Hamburger bietet er für einen überschaubaren Preis eine Soforthilfe im Kampf gegen den Abstieg. Sicherlich werden mit Olic keine Transfererlöse mehr erzielt werden, aber mit dem Kroaten verzichtet man auf existenzbedrohende, waghalsige Experimente, sondern bekommt einen Sympathieträger, der von der Spielart bisher gefehlt hat, eine besondere Einstellung mitbringt und die Rothosen, auf welcher Position auch immer, als Methusalem im Abstiegskampf gold wert sein kann.

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