Sonntagnachmittag, irgendwo im beschaulichen Großraum Hamburg, sitzt Uwe Seeler, HSV-Legende und charismatischer Fußballheld der deutschen Fußballgeschichte vor dem Fernseher und schaut mit seinem typischen kecken Grinsen strahlend ein Spiel vom Erzrivalen Werder Bremen an. Vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar, doch mittlerweile spielt sein Enkel Levin Öztunali bei den Grün-Weißen. Verrückte Welt bei den Seelers oder genau der richtige Schritt fernab der Heimat die ersten Duftmarken im Profibereich zu setzen?

Der 18-jährige Levin Mete Öztunali ist in Hamburg geboren und wurchs in Norderstedt auf, wo er bei der Eintracht bereits im Kindergartenalter die Bolzplätze der ländlichen Umgebung unsicher machte. Es folgte der logische Schritt in die Jugend des Hamburger SV, wo er bereits früh nicht nur physisch hervorstach und häufig in ältere Jahrgänge hochgezogen wurde. Da im norddeutschen Fußball erst ab der U15 Spiele auf Verbandsebene stattfinden dürfen, ging sein Stern erst dann auch überregional auf und er wurde prompt zur Junioren-Nationalmannschaft eingeladen, bei der mit 38 Länderspielen zur prägenden Leitfigur in den letzten Jahren wurde. Da er neben dem hervorstechenden fußballerischen Qualitäten, auch noch Enkel der Fußballlegende Uwe Seeler ist, weckte Öztunali nicht nur das Interesse der hiesigen Boulevardpresse, sondern auch das Interesse von vielen Branchenriesen des nationalen und internationalen Fußballs. Der HSV streckte sich finanziell vergeblich, doch Öztunali wollte aus den überdimensionalen Fußstapfen seiner Wurzeln heraustreten und im spielstarken Ensemble von Bayer Leverkusen weiter reifen. Bei Leverkusen unterschrieb er prompt für fünf Jahre bis 2018 und gewöhnte sich weitestgehend fernab des großen medialen Echo im Trainingsbetrieb als auch Kurzeinsätzten an das gestiegene Niveau im Männerfußball. Im Januar folgte dann der Wechsel auf Leihbasis zu Werder Bremen, wo er nun im ruhigen Umfeld in der blutjungen Mannschaft den nächsten Schritt auf seiner Entwicklungsstufe erklimmen will.

Der zentrale Mittelfeldspieler Öztunali besticht vornehmlich durch seine große technische Klasse und dem stark ausgeprägten Spielverständnis, da er bereits in jungen Jahren Spiele lesen kann und durch seine Dynmaik mit den getimten Tempodribblings auch im Spielaufbau seine Stärken besitzt. Das beidfüßige Ausnahmetalent trägt als Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive besondere Verantwortung im spielerischen Konstrukt und ist als polyvalenter Spieler, der im Mittelfeld aufgrund seiner Physis und taktischen Reife neben den drei zentralen Postionen, auch auf den Außenpositionen eingesetzt werden kann.Ein Spieler nach dem Geschmack von Trainer Skripnik und seinem Assistenten Thorsten Frings, der bereits seit längerem von Öztunali angetan sein soll. Als Umschaltspieler und defensiver agierender Zehner agiert Öztunali nun bei Werder und versucht nach ersten Kurzeinsätzen einen Stammplatz in der Mittelfeldraut ezu erlangen. Die ersten Eindrücke sind vielversprechend und bei seinem ersten Startelfeinsatz für die Bremer am letzten Wochenende gegen Wolfsburg steuerte er prompt zwei Torvorlagen als umtriebiger Zehner bei. Sein größter Konkurrent ist momentan Felix Bartels, da die Halbpositionen mit Junozovic und Fritz fest besetzt sind und kurz-bis mittelfristig ist es durchaus realistisch das Öztunali auch dauerhaft an Bartels vorbeizieht. Zeit genug hat der Neu-Bremer ja noch über ein Jahr um weiter an seinem fußballerischen Profil zu schärfen und dann 2016 zu Leverkusen zurückzukehren oder gegebenenfalls im hohen Norden bleibt.Bremen bietet zumindest augenscheinlich eine gute Adresse für dieses Vorhaben, mit einigen Spielern im gleichen Alter, die ebenfalls in der Bundesliga Fuß fassen möchten, sodass ein hungriges Team zusammenwächst, nach der enttäuschenden Hinrunde.

Setzt Öztunali sich durch, ist es letztendlich eine Win-Win Sitaution für alle Seiten. Bremen bekommt mittelfristig für einen längeren Zeitraum einen spielstarken Spieler mit Soforthilfepotenzial, Öztunali bekommt Spielpraxis und Leverkusen im besten Fall einen Spieler, der ab 2016 ernsthaft um die Stammplätze im zentralen Mittelfeld mit Kramer, Castro, Calhanoglu und Co. konkurrieren kann. Man kann gespannt sein wie sein weiterer Werdegang aussieht, doch Uwe Seeler wird wohl in Zukunft noch viele schöne Stunden an den Wochenenden erleben dürfen.

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