Zwillinge, so soll man meinen, haben es im Leben leicht. Einfach mal eben so den Namen ändern – so schnell kann es ja keiner beweisen. Ist vor allem nützlich, wenn man guten Freunden einen Streich spielen will. Ob der Neuzugang aus Köln das wollte? Jedenfalls waren einige Fans peinlich berührt, als sie am Geißbockheim Filip Mladenovic nach den ersten Autogrammen fragen wollten – er es aber gar nicht war. Stellt sich also die Frage: Könnte Zwillingsbruder Stefano auch auf dem Platz so aussehen wie Filip?

Sportliche Vergangenheit:
Filip Mladenovic begann seine Karriere bei Burac Cacak. Dort spielte er sowohl in der Jugend als auch im Seniorenbereich. Sein Profidebüt machte er 2010 und spielte damals schon als linker Verteidiger bis er vor gut fünf Jahren vom ehemaligen Europaprimus Roter Stern Belgrad abgeworben wurde. In seinen zwei Jahren in Belgrad sammelte er bereits erste internationale Erfahrungen, spielte 42 Mal. Daraufhin wurde sein Vertrag in Belgrad aufgelöst und er blieb vier Monate lang vereinslos. Im Februar 2014 bemühte sich BATE Borisov immer mehr um den Serben und konnte ihn mit einem 3-Jahres-Vertrag verpflichten. Sein Debüt hätte auch schlechter verlaufen können: Im nationalen Cup-Finale gegen FC Minsk schoss Mladenovic nach 20 Minuten ein Tor. Sein Durchbruch war dann aber wohl im Champions League-Spiel gegen Rom, als BATE nach einer halben Stunde dank zweier Tore des Serben mit 3:0 führte. Gerüchten zufolge soll AC Milan auf den Linksverteidiger aufmerksam geworden sein, der 24-Jährige entschied sich aber bekanntlich gegen ein Engagement in Italien und für eins am Kölner Dom.

Stärken/Schwächen und Spielertyp:
Jörg Schmadtke hat bekanntlich ein gutes Näschen für talentierte Spieler. So soll er sich auch beim Serben nicht verfehlt haben. Der schnelle Mladenovic kommt sehr gut über die Außen, kann starke Flanken schlagen, die dann mit Modeste einen perfekten Abnehmer fänden. Vor allem für Köln wird internationale Erfahrung langsam wichtig und die hat der 24-Jährige definitiv: Alleine in der vergangenen Hinrunde hat er für Borisov elf Champions League-Spiele bestritten. Der 1,5 Millionen-Mann lebt durch seine offensiven Stärken, sucht gerne mal selbst den Abschluss und ist sehr beweglich. Gerne geht er auch mit nach vorne und unterscheidet sich hierbei mit dem gestandenen Linksverteidiger Jonas Hector. Während der Deutsche seine Stärken in der Defensive hat, hält sich Mladenovic lieber in der Hälfte des Gegners auf. Defensiv sieht es allgemein nicht so rosig aus: Durch seinen Körperbau lässt sich erschließen, dass er eher seltener Zweikämpfe gegen bullige Stürmer, die ja zuhauf in der Bundesliga vorkommen, gewinnt. Zudem lässt sein defensives Stellungsspiel auch teils zu wünschen übrig. Man kann sich also erschließen, dass er mehr der Typ für das Spiel mit weit außenstehenden Außenverteidigern ist, was gegen schlechtere Gegner, wo man agieren muss, zum Tragen kommen könnte. Allerdings wäre er wohl auch der perfekte Spieler gegen einen starken Gegner, wo man mit Konter reagiert: Dort kann er als linker Flügel seine Schnelligkeit und Beweglichkeit im Angriff ausspielen, muss aber dazu noch hinten aushelfen. Das sollte er mit seiner Erfahrung können.

Sportliche Situation:
Bei einem Spieler aus dem Ausland ist ja gerade die Integration so eine Sache. Zum Glück ist hier vorgesorgt: Mit Milos Jojic hat man bereits einen ehemaligen Teamkollegen von Mladenovic. Die beiden kennen sich aus dem U-21-Kader der Serben, sprechen natürlich dieselbe Sprache  und beziehen bald sogar eine gemeinsame Wohnung. Ihm wurden bereits viele Rollen zugesprochen, die meisten von den Medien: Hector Backup, Kaderfüller, Hector-Ersatz. Nur keine davon verspricht ihm auch einen Stammplatz. Den kriegt er auch nicht geschenkt. Mit Jonas Hector hat er vor ihm einen beliebten Spieler, der seine Aufgabe gut macht. Für Mladenovic gilt es, diese jetzt besser zu machen. Als Backup für Hector müsse er wohl warten, bis der Dauerbrenner sich verletzt oder mal ein Spiel aussetzt, denn auch ein Jonas Hector kann keine 34 Spiele am Stück durchspielen. Der Kaderfüller würde wohl momentan am besten zu ihm passen, da er sowohl die Position offensiv (s. LineUp unten) als auch defensiv besetzen konnte und man da vor allem auf der Linksverteidigerposition Nachholbedarf hatte. Kurzfristig könnte er sich allerdings als Hector-Ersatz eignen. Es ist durchaus möglich, dass Filip Mladenovic die Position links hinten besetzt und Jonas Hector dafür einen vorrückt auf die Sechs. Mittelfristig wäre er als Hector-Ersatz auch nötig, da es gut möglich ist, dass sich die Kölner den Nationalspieler nicht mehr leisten können und die eintreffenden Angebote zu gut werden. Da dieses Jahr auch die EM in Frankreich stattfindet und Hector wohl gesetzt ist, hat er dort noch mal die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Und bei einem möglichen Abgang betreibt Manger Jörg Schmadtke jetzt schon Vorsorge und holt sich Mladenovic, der so als Ersatz fungiert.

Mladenovic als „Kaderfüller“: Könnte links vorne Akzente setzen, ist aber auch eine Alternative für die Defensive, dafür könnte Hector auf die Sechs.

Fazit:
Köln hat sich für 1,5 Millionen Euro einen Mann aus Weißrussland geholt, der variabel ist, internationale Erfahrung mitbringt und seinem Preis gerecht wird. Mladenovic hat nun Zeit, sich in den Kader einzufinden und einzuspielen. Um dann eines Tages Jonas Hector zu beerben? Diese Frage wird uns die Zeit beantworten. Eines ist jedoch sicher: Filip hat nur außerhalb des Platzes Ähnlichkeiten mit Zwillingsbruder Stefano, auf dem Platz sieht letzterer wohl ein  paar Jährchen älter aus…

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