Es schien bereits alles klar zu sein: Nachdem Immanuel Hoehn in Freiburg in den letzten Spielzeiten nicht die erhofften Einsatzzeiten bekam, wollte er zurueck zu dem Verein wechseln, bei dem er es in der Jugend bereits einmal kurz versucht hatte: dem 1. FC Kaiserslautern. Fuer die Lauterer sollte es ein Zeichen in Richtung Zukunft nach dem grossen Umbruch sein, auf den letzten Metern wurde ihnen Hoehn im Strafraum jedoch noch vom Darmstaedter Gegenspieler Fach abgefangen. Fuer Hoehn beginnt damit ein neues Kapitel: Nach einer soliden Zweitligasaison beim SC Freiburg wechselt er nun innerhalb der 1. Liga zum Konkurrenten nach Darmstadt. Bundesliga statt einem weiteren Jahr in Deutschlands 2.Liga – Fortschritt oder eine selbsterfuellende Prophezeihung, die Hoehn unausweichlich wieder ins Unterhaus fuehrt?

Bäumchen wechsel dich

Ein Mann aus Bingen geht, ein Mann aus Bingen kommt: Wie der zum HSV abgewanderte Torhueter Christian Mathenia beging auch Immanuel Hoehn seine ersten Schritte im Fussball beim SC Hassia Bingen. Mit Ausnahme einer Zwischenstation beim 1. FC Kaiserslautern spielte Hoehn insgesamt rund zehn Jahre im hessischen Verein, ehe er sich ueber den FK Pirmasens dem SC Freiburg anschloss. Nach ersten Einsaetzen in der Saison 2009/10, wurde er in der darauffolgenden Saison unter einem seiner einflussreichsten Trainer, Marcus Sorg, fester Bestandteil in der Verteididung der zweiten Mannschaft.Zur Spielzeit 2011/2012 war es auch eben jener Sorg, der Immanuel Hoehn mit den Profis trainieren liess. Als Christian Streich zur Winterpause uebernahm, setzte dieser zukuenftsweisend auf den gebuertigen Mainzer und stattete ihn im Januar 2012 mit seinem ersten Profivertrag aus. Fuer Hoehn, dem es am liebsten ist, knapp, aber zu Null zu gewinnen, ging damit ein Kindheitstraum in Erfuellung. In den folgenden Saisons mauserte er sich bei den Breisgauern, war in der Defensive jedoch nicht immer unumstritten. Zur Saison 2014/2015 brachte es Hoehn auf keinen einzigen Startelfeinsatz, wurde sogar zurueck in die zweite Mannschaft, um dort Spielpraxis zu sammeln. Auch in der zweiten Liga hielt Hoehn dem Verein jedoch die Treue, schliesst sich nach der Zweitligameisterschaft der letzten Saison sich nun jedoch den Lilien aus Darmstadt an. Beginnt fuer Hoehn damit nur im wahrsten Sinne des Wortes ein Hoehenflug oder folgt der erneute Abstieg eines Talents?

Sprugkräftiger „Lückenfüller“

Immanuel Hoehn brilliert vor allem in der Luft. Trotz seiner fuer einen Innenverteidiger eher spaerlichen 1,83m ist er in der Lage, sich in Luftduellen durch seine ausgepraegte Sprungkraft Vorteile zu verschaffen. Sein gutes Kopfballspiel traegt ebenfalls einiges dazu bei. Hoehn ist eher Verteidiger der alten Schule: robust, zweikampfstark und gut in der Mann-gegen-Mann Verteidigung. Seine reaktionsschnellen Entscheidungen sichern seinem Team meist Vorteile, auch im Abfangen gegnerischer Paesse zeigt er sich im letzten Drittel durchaus talentiert.

Schwaechen offenbart Hoehn vor allem in schnellen Umschaltsituationen gegnerischer Teams, die ihn mangels ausgereiften Antritts und Endgeschwindigkeit derweilen ueberfordern. Obwohl er als weitestgehend solide im Passspiel gilt, muss sich seine Spieluebersicht noch verbessern, um mit den neueren Entwicklungen im Weltfussball Schritt halten zu koennen. Des Weiteren ist Hoehn im Spiel bei Standardsituation im gegnerischen Strafraum zu ungefaehrlich. Er bindet zwar Gegenspieler, ist beim eigenen Abschluss trotz seines guten defenisven Kopfballspiels vergleichsweise ineffektiv.

Insgesamt hat das neue Darmstaedter Duo Meier/Fach in Immanuel Hoehn einen talentierten, wenngleich nicht besonders modernen Verteidigertypen unter Vertrag genommen, der gut zur defensiv-stabilen Spielweise der Lilien passt. Hoehn duerfte dabei in der Innenverteidigung auch aufgrund der schwierigen Suchen nach Verstaerkungen fuer den Kader an der Seite von Aytac Sulu gesetzt sein. Er wird den Abgang Rajkovics kompensieren koennen, an der Seite des erfahrenen Sulu wachsen und voraussichtlich zu einer erneut sicheren Defensive beitragen. Es bleibt jedoch fraglich, ob sich Hoehn und die Darmstaedter insgesamt in der Liga etablieren koennen oder sie am Ende der Spielzeit gemeinsam wieder den Gang in Liga 2 antreten muessen.

Autor: Julian Wacker

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