,,Beruhigt ist noch lange nichts!“ resümierte Augsburgs sportlicher Leiter Stefan Reuter nach dem kürzlichen 0:0 gegen den VfL Wolfsburg – aber auch im Rückblick auf die bisherige Hinrunde, die nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden kann. Unter anderem, weil Stefan Reuters Sommertransfers nicht wie erhofft einschlugen – und dieser jetzt im Winter umso mehr gefordert ist? Warum der Erfolg bisher größtenteils ausblieb und was in der kalten Jahreszeit getan werden sollte lest ihr hier.

Die kalten Fakten lesen sich erst einmal nicht so gut. 10 Punkte und -8 Tore, was Relegationsplatz 16 bedeutet: Diese Zahlen lassen nicht auf eine Mannschaft mit Euroleague-Format schließen. Und doch hat sich die Lage im Hinblick auf die Zahlen von vor zwei Wochen bereits ein wenig gebessert. Zudem haben die Fuggerstädter in der historischen Euro-League-Saison noch alle Chancen. Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Man kann die bisherige Saison des FCA vergleichen mit einer Maschinerie, bei der anfangs noch nicht alle Glieder und Rädchen optimal ineinander griffen: Ein wichtiges Bauteil, der Außenverteidiger Abdul Baba, verabschiedete sich, ein anderes großes Bauteil, Augsburgs Rekordtransfer Ja-Cheol Koo, passte anfangs noch nicht richtig. Hinzu kam der Verschleiß vom ein oder anderen Teil: Empfindliche Verletzungen von den neuen Außenverteidigern Opare und Stafylidis, zudem passte einfach die Zusammenarbeit noch nicht richtig, man schien gedanklich noch in der letzten Saison, dazu kam die ungewohnte Dreifachbelastung mit der Euro-League.

Und doch, die Hoffnung wurde nie aufgeben, vereinzelt gute Leistungen – vor allem in anderen Wettbewerben – schürten diese. Und so kommt es, dass ein so platt wirkendes Sprichwort mal wieder passt: In der Ruhe liegt die Kraft.  Markus Weinzierl hielt beharrlich an seiner Arbeit fest, verlor nicht das Vertrauen in seine Mannschaft, welches selbiges nun zurückzahlt. Die schwäbische Maschinerie ist in Tritt gekommen und scheint schön langsam Betrieb aufzunehmen, die harte Arbeit wird nun auch mit Zählbarem belohnt. Wo man wieder bei einem ausgelutschten Sprichwort wäre: Ohne Fleiß kein Preis!

Ausblick

Doch kein Grund, jetzt im Winter die Füße hochzulegen. ,,Wir müssen auf diesem Weg weitermachen!“ ahnt Weinzierl. Die Maschinerie muss weitermachen, denn: Wer rastet, der rostet. Wo genau besteht also Handlungsbedarf?

Eine Problemstelle ist sicher die der Außenverteidiger. Baba stellte hohe Ansprüche, die vom jungen Ex-Zweitligaspieler Max (noch) schwerlich erfüllt werden konnten. Der international erfahrene Opare glänzte bisher – verletzungsbedingt – nicht unbedingt mit Präsenz, der einigermaßen bundesligaerfahrene Stafylidis kam – teilweise auch verletzungsbedingt – noch nicht richtig in Tritt. Die einzige Konstante auf der prekären Position: Kapitän Paul Verhaegh, dessen Elfmetertreffer auch kräftig das Erscheinungsbild der Augsburger Tordifferenz beeinflussen. Der Niederländer ist allerdings schon 32 Jahre alt, es wäre fahrlässig, noch allzu langfristig alle Hoffnungen auf ihm zu belassen.

Demzufolge kreisen auch wieder die ersten Gerüchte um den Tabellensechzehnten. Die beiden 24-jährigen Außenverteidiger Danilo Soares (FC Ingolstadt) und Thomas Meunier (FC Brügge) seien im Gespräch, so heißt es. Beides sicherlich vielversprechende Spieler, doch für es müsste einiges an Geld locker gemacht werden, wenn einer der beiden im Winter kommen soll, wobei Soares aus dem nahen Ingolstadt sicher noch die günstigere Alternative wäre. Doch wäre ein Transfer wirklich nötig? Nein! Es stehen in Max, Stafylidis und Fromberger drei junge, vielversprechende Spieler bereit. Max zeigte bereits in Ansätzen, dass mit ihm langfristig zu planen ist, Stafyilidis hat besonders im schnellen Umschaltspiel gute Anlagen. Auch Opare kann den Augsburgern mit seiner Erfahrung noch weiterhelfen. In diesen Mannschaftsteil jetzt viel Geld zu investieren, käme Aktionismus gefährlich nahe.

Mehr Handlungsbedarf bestünde in der Innenverteidigung: Das Herz des Defensivverbunds stand zwar zuletzt wieder solide, doch dass hier nicht mehr alles einwandfrei klappt, zeigte der Anfang der Saison. Callsen-Bracker und Klavan sind beides nicht mehr die Jüngsten, besonders ersterer schwächelt von Zeit zu Zeit. Hong ist derzeit wegen einer schwer einschätzbaren Sprunggelenksverletzung verhindert, als Back-up stünden noch der dreißigjährige Janker bereit, der wohl in diesem Leben nicht mehr zum Bundesliga-Stammspieler wird, sowie der unerfahrene Tim Rieder, dessen Heimat zur Zeit eher die Regionalliga ist. Es würde Sinn machen, sich im Winter nach einem soliden, spielstarken (Klavan und Callsen-Bracker sind ja eher aus der Kategorie ,,Kante“) Innenverteidiger umzusehen. Man wird sehen.

Auch interessant ist die Problemregion Angriff: Diese schwächelte ja zeitweise sehr. Die schwedische Expressen weiß von einem Augsburger Interesse am Göteborger Youngster Gustav Engvall zu berichten. Der 19 Jahre alte Mittelstürmer konnte 2015 in 25 Spielen fünf Treffer und vier Vorlagen verzeichnen, Interesse wird außerdem von Augsburgs Tabellennachbarn Stuttgart und Bremen berichtet.

Ein Transfer würde die Schwaben bestimmt eine sechstellige Summe kosten. Macht das Sinn? Engvall ist wohl keiner, der auf Anhieb spielen und treffen würde. Die Umstellung in so jungen Jahren auf ein anderes Land und eine spielstärkere Liga ist sicher eine Herausforderung, ein Engvall-Kauf wäre mehr als Perspektivtransfer einzustufen. Man wird sehen, wie Reuter handelt.

Fazit

Der FCA ist auf einem guten Weg, die schlechte Hinrunde wieder bestmöglich vergessen zu lassen. Doch man sollte sich seinem Erfolg nicht allzu sicher sein, um es mit den Worten von Billy Graham zu sagen: Das gefährlichste aller Rauschgifte ist der Erfolg. Es gilt also, beharrlich weiterzuarbeiten und die Langzeitverletzten im Winter in die Mannschaft zu integrieren, gegebenenfalls auch personell noch gezielt nachzubessern. Dann kann die Maschinerie ungeachtet aller Sprichwörter den eingeschlagenen Weg beibehalten.

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