„German Wunderkind“, „unheimlich großes Talent“, Lob von Guardiola, Hoeneß und Löw, WM-Teilnahme und Champions League Einsatz mit gerade einmal 18 Jahren. Was nach den kühnen Träumen eines jugendlichen Fußballfans aussieht, wurde für Green Realität und sein Stern schien in kürzester Zeit sehr stark.Die Hamburger erhofften sich also sehr viel von Green, doch insgesamt entpuppte sich dieses Leigeschäft für alle Seiten zum riesengroßen Missverständnis. War Green nur eine Nebelkerze oder ist sein Stern momentan nur von Wolken verdeckt?

Julian Wesley Green wurde am 06.06.1995 in der amerikanischen Stadt Tampa in Florida geboren, wuchs aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland auf. Seine ersten fußballerischen Schritte machte er bei seinem Heimatverein FC Miesbach. Im Jahr 2006 folgte der Wechsel zur SG Hausham, die ihn 4 Jahre in ihrer Jugend beherbergen durfte. Den großen Karriereschub bekam er im Jahr 2010 als ihn die Verantwortlichen zum FC Bayern München lotsten. Ein Name spielte bei diesem Wechsel eine große Rolle. Jan Pienta war es, der Green bei den Bayernbossen empfahl und ihnen zu einer ablösefreien Verpflichtung riet. Eben jener Scout hatte Jahre zuvor die Wechsel von Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger von ihren Dorfklubs zum Rekordmeister eingefädelt. Der junge Stürmer schlug bei der bayrischen U 17 in seinem ersten Jahr voll und ganz ein und gab als Leistungsträger mit 17 Treffern in 25 Spielen einen ersten Vorgeschmack seiner Fähigkeiten und fußballerischen Finesse. Es folgte ein weiteres torreiches Jahr bei der U 19, wo er mit 16 Scorerpunkten einen großen Teil zur Meisterschaft beitrug.Werte die auch in Übersee nicht verborgen blieben und Interesse des amerikanischen Fußballverbandes laut werden ließen, auf der Suche nach Verstärkung des Nationalteams mit Spielern, die amerikanische Wurzeln besitzen.Die Entscheidung für die USA wurde ihm durch die Aussicht auf einen Platz im Kader derUS-Boys, schon in so jungen Jahren, sehr leicht gemacht. Sein A-Länderspieldebüt machte er dann im September 2012, aber seinen sportlichen Höhepunkt feierte er, mit der Nominierung in den endgültigen WM-Kader mit der Krönung, als er sich bei der WM 2014 in die Torjägerliste eintragen durfte und fortan im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum Shootingstar wurde.

Zahlreiche Vereine wurden nun auf ihn aufmerksam und der FC Bayern sah es als selbstverständlich an, den Wunsch eines seiner scheinbar größten Talente nach mehr Spielpraxis zu erfüllen und ihn auszuleihen. Guardiola hatte Green zwar schon länger auf dem Radar und gab ihm kürzere Spielanteile in der letzten Saison, aber man sah Green noch nicht in der Lage sich gegen die große Sturmkonkurrenz durchzusetzen. Der Hamburger SV machte letztlich das Rennen und stach andere Vereine wie Nürnberg und Bremen aus, aber in dem bis Sommer 2015 datierten Vertrag befand sich aber Kleingedrucktes,welches dem HSV noch auf die Füße fallen könnte. So wird sich die Leihgebühr von 150.000 Euro je nach Einsätzen und Kader-Berufungen entweder erhöhen oder verringern. Wird also Green nicht berücksichtigt, muss der HSV am Ende zusätzliches Geld nach München überweisen müssen. Mit seinen 5 Einwechslungen in der aktuellen Saison, wird keine Seiten zufrieden sein und auch ein Streit mit Trainer Zinnbauer dürfte die Einsatzchancen nicht verbessert haben. Green weigerte sich in der U23-Mannschaft Spielpraxis zu sammeln, was ihn sowohl sportlich als auch charakterlich weit zurückgeworfen hat. Als Wunschspieler von Trainer Slomka geholt, war er dann nach der schnellen Entlassung fortan nicht gebraucht und auch die gegenseitige Kommunikation zwischen Verein und Spieler fehlte anscheinend völlig, sodass der ohnehin leicht fremdelnde Green nur noch weiteres Heimweh bekam und sich öffentlich über sein mangelndes Standing und seiner Unzufriedenheit ausließ.

Zu Greens Stärken zählen seine Wendigkeit und seine starke Beschleunigung mit und ohne Ball. Der flinke, mit 1.72 m recht kleine Außenstürmer besitzt zusätzlich einen ausgeprägten Torriecher. Zudem ist er sowohl auf den Außenbahnen variabel einsetzbar, als auch im offensiven Mittelfeld, oder als alleiniger Mittelstürmer. Sein geringes Gewicht von 60 kg machen eine gute Zweikampfquote fast unmöglich, dafür fehlt ihm momentan die Robustheit, aber dies versucht er durch eine Kombination von quirligen Laufwege und technisch versierten Fußball wettzumachen, bleibt hierbei aber noch zu oft an den Abwehrketten hängen.

Wie jedes Talent braucht er genügend Einsatzzeiten, um sich zu entwickeln. Ein Stammplatz in den ersten beiden Profiligen würde seiner Entwicklung zweifelsohne gut tun und auch den Druck von seinen Schultern zu nehmen. Einen Platz im Kader des Rekordmeister scheint in der kommenden Saison unter den gegebenen Umständen mehr als fraglich, sodass es realistischer erscheint, dass er sein Können nach Saisonende bei einem kleinerem deutschen Verein erneut auf Leihbasis unter Beweis stellen kann. Einen Platz am Sternenhimmel der Bayern Startelf wird also vorerst weiterhin ein Traum bleiben, aber auch Sternschnuppen besitzen die Möglichkeit Träume zu erfüllen.

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