,,Ik heb Augsburg in de Europa League-groepsfase natuurlijk intensief gevolgd en heb het team ervaren als een sympathieke ploeg.“ Mit diesen Worten bekennt sich Augsburgs zweiter Wintertransfer Jeffrey Gouweleeuw zu seinem Wechsel in die Bundesliga. Und auch wenn man nicht des Niederländischen mächtig ist, diesen Satz versteht wohl jeder. Der Innenverteidiger freut sich auf ein sympathisches Team, in dem er hoffentlich – ungehindert von linguistischen Wirrungen – den persönlichen Aufwärtstrend seiner Karriere fortsetzen kann.

Sportliche Vergangenheit

Jeffrey Gouweleeuw begann seine Karriere bei ADO’20 in seiner Geburtsstadt Heemskerk. Noch in der Jugend ging es auf der Karriereleiter eine Sprosse aufwärts, mit 15 Jahren orientierte er sich in Richtung des Erstligisten aus Heerenveen. Schließlich landete Gouweleeuw dann in der Eredivisie, er debütierte im April 2011 mit 19 Jahren unter Ron Jans gegen Excelsior Rotterdam. Durch solide Leistungen wurden nationale Größen auf den heute 24-Jährigen aufmerksam, 2013 legte AZ Alkmaar eineinhalb Millionen Euro auf den Tisch, um den Innenverteidiger nach Nordholland zu lotsen. Auch hier wusste der Abwehrmann zu überzeugen: In die Fuggerstadt wechselt Gouweleeuw als Kapitän Alkmaars, seinen Marktwert taxiert transfermarkt.de auf  stolze drei Millionen Euro. Für einen Innenverteidiger sind 28 gelbe und eine rote Karte in 202 Spielen als Profi keine Anomalie, 15 Treffer hingegen zeugen von einer gewissen Torgefahr des Defensivmannes. In der Nationalmannschaft blieb der Niederländer aber stets nur eine Randfigur: Gerade einmal fünf Spiele von der U17 bis zur U21 stehen zu Buche. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden.

Stärken/Schwächen und Spielertyp

Gouweleeuw ist ein sehr hochstehender Innenverteidiger, der immer versucht, gegnerische Zuspiele in die Spitze abzufangen und hierfür auch lange Wege nicht scheut. Dass dies eine risikoreiche Interpretation des Spiels ist steht außer Frage, denn misslingt der Vorstoß, so gewinnt der Angreifer viel Platz und hat eine aus der Formation gerissene Defensive vor sich. Doch der 24-Jährige weiß gut zu antizipieren, und so birgt diese Spielweise auch Vorteile: Erobert Gouweleeuw den Ball, so erzwingt er auf diese Weise fast immer eine Überzahlsituation, da die vorausgegangene Spielsituation ja ein Angriffszug des gegnerischen Teams war, der abgefangene Ball ein Versuch, das Spiel ins vordere Drittel des Feldes zu verlegen. Dies würde nicht versucht werden, wenn in diesem Bereich eine nominelle Unterzahl der angreifenden Mannschaft vorherrschen würde. Meist geschieht ein solcher Ball aus einer Formation mit hochstehenden Außenverteidigern heraus, der Zuspieler ist ein zentraler Mittelfeldmann oder zumeist sogar ein Innenverteidiger. Dies verdeutlicht erneut die günstige Lage, in die Gouweleeuw sein Team mit einem erfolgreichen Vorstoß bringt. Vorteilhaft für ihn ist zudem, dass er gut am Ball ist, auch im hohem Tempo, welches in diesen Situationen immer erforderlich ist. Diese Eigenschaft prägt auch das eigentliche Offensivspiel des Neu-Augsburgers: Gouweleeuw eröffnet das Spiel gerne zentral und nutzt offene Räume vor ihm, er ,,schiebt an“. Auch nach der Ballabgabe ist er noch beim Angriff beteiligt, durch seine Präsenz in der gegnerischen Hälfte schafft er so eine neue Zuspielmöglichkeit oder zieht zumindest einen zusätzlichen Gegenspieler auf sich. In der Bundesliga ist vor allem Mats Hummels für diese Spielweise bekannt.

Aktuelle Situation

Nach den schweren Verletzungen von Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Wadenbeinbruch) sowie Nachwuchs-Defensivmann Raphael Framberger (Kreuzbandriss) war der Transfer des Niederländers eine logische Konsequenz. Nachdem Ragnar Klavan und Christoph Janker beide schon die dritte Dekade ihres Lebens hinter sich gelassen haben hätte sich der Transfer eines Innenverteidigers im Sommer ohnehin angekündigt. Dass sich ein Wechsel wie der von Jeffrey Gouweleeuw schon im Winter realisieren lässt, ist dem vorbildlichen Agieren von Stefan Reuter zu verdanken: Den Vorteil seines medial und vereinspolitisch ruhigen Umfeld ausnutzend, hielt er sämtliche Transfer-Aktivitäten unter Verschluss und schaffte es so, Spieler wie Albian Ajeti und Gouweleeuw zu verpflichten – ohne Spekulationen und Diskussionen, externe Einflussnahme eben, die auch mal den Preis in die Höhe treiben kann – oder Konkurrenten aktiviert. Außerdem laufen alle Formalitäten möglichst diskret ab, Ablösesummen oder vertragliche Inhalte werden möglichst unter Verschluss gehalten und somit jedweder Diskussionsstoff im Keim erstickt. Die Folge ist ein Neugewinn von Kräften wie dem Niederländer, der perfekt ins System von Markus Weinzierl passt: Fokus auf schnellem Umschaltspiel. a10Der fußballerische Charakter von Gouweleeuw ist genau hierauf ausgelegt, was sich beim Studium seines Spielertyps und seinen Stärken auch unschwer erkennen lässt. Es bahnt sich das neue Innenverteidiger-Duo Gouweleeuw/Hong an.

Fazit

Gratulation, FCA! Dieser Transfer kann als Musterbeispiel für einen gelungenen Wintertransfer gelten – und das jetzt schon. Mit Verhaegh hat Gouweleeuw einen Landsmann im Defensivverbund, zudem scheint er ein umgänglicher Charakter zu sein. Sportlich sind genau jene Bedürfnisse gestillt worden, die auch Transferkritiker schon Anfang Dezember diagnostizierte: ,,Es würde Sinn machen, sich im Winter nach einem spielstarken, soliden Innenverteidiger umzusehen.“ Mit dem 24-Jährigen präsentiert sich ein junger, aber schon international erfahrener Spieler, der als Kapitän auch schon große Verantwortung inne hatte – und fußballerisch einwandfrei ins Konzept passt. Unter diesen Voraussetzungen hat Augsburg mit dem Abstiegskampf wohl nicht mehr viel zu tun.

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