Cricket, Australian Football und Rugby – die drei dominierenden Sportarten in Australien. Regelmäßig sorgen sie für ausverkaufte Stadien, gefüllt mit begeisterten Fans. Dem dominierenden Sport Europas, dem Fußball, kommt auf dem ozeanischen Kontinent dagegen lediglich die Rolle einer Randsportart zu. Von stets ausverkauften Stadien können die australischen Fußballklubs (trotz vergleichsweise kleiner Spielstätten) bislang nur träumen. Doch daran könnte sich schon in naher Zukunft einiges ändern. Spätestens seit die Nationalmannschaft Australiens Anfang des Jahres die Asienmeisterschaft gewinnen konnte, ist der australische Fußball um viele Anhänger reicher geworden. Den Fußball anbetreffend zählt Australien mittlerweile sicherlich zu den „Emerging Markets“.

A-League

Werfen wir zunächst einen Blick auf die höchste nationale Spielklasse des australischen Fußballs – die A-League. Der Fußball als professionell ausgeführter Sport in Australien existiert erst seit dem Jahr 2004, in dem die A-League ins Leben gerufen wurde. Zuvor kickte man in der „National Soccer League“ jahrelang lediglich auf semi-professioneller Ebene. Mit der Einführung des professionellen Spielbetriebs änderte sich das System. Anders als in den europäischen Ligen, in denen die Spielklassen verknüpft aufeinander aufbauen, herrscht in der A-League das sogenannte Franchise-System. Diese Organisationsform ist vor allem aus den nordamerikanischen Profi-Ligen bekannt. Die Liga ist geschlossen und einem gewerblichen Unternehmen gleichgestellt. Auf- und Abstiege sind damit nicht möglich. Die am Ligabetrieb teilnehmenden Vereine stellen die Lizenznehmer dar und haben das Recht den Teamnamen, das Logo, den Besitzer und sogar ihren Standort nach Belieben zu ändern.

Im Fußball-Oberhaus Australiens messen sich insgesamt zehn Mannschaften. Neun davon stammen aus australischen Großstädten wie Melbourne, Sydney oder Perth. Ein Vertreter kommt aus der neuseeländischen Hauptstadt – Wellington Pheonix. Erstmals ausgetragen wurde die Meisterschaft zur Saison 2005/2006, in der sich Sydney FC zum Champion küren konnte. Rekordspieler der Liga ist Clint Bolton, der in Diensten von fünf Mannschaften insgesamt 479 Spiele bestritt. Shane Smeltz darf sich mit seinen 85 Treffern Rekordtorschütze nennen. Zu den Top-Teams der A-League zählen vor allem Melbourne Victory und Brisbane Roar. Bisher konnten sie jeweils drei Meisterschaften feiern. Melbourne Victory ist der amtierende australische Meister.

Neben dem System unterscheidet sich auch der Ligamodus von dem der europäischen Ligen. Zunächst wird die„Regular Season“ von August bis Februar ausgetragen. Sie umfasst insgesamt 27 Spieltage. Das Team, das am Ende der regulären Saison auf Platz eins rangiert, gewinnt die „A-League-Premiership“ und nimmt in der Folgesaison an der „AFC Champions League“ teil. Anschließend beginnt die „Final Series“, in der die sechs besten Mannschaften der „Regular Season“ an den Start gehen. Im Rahmen des sogenannten „Page-Playoff-Systems“ wird der „A-League-Meister“ ermittelt, der in der folgenden Spielzeit neben dem Sieger der „Regular Season“ als zweites Team einen Startplatz in der „AFC Champions League“ bekommt. Sollte der Meister der regulären Saison das Finale erreichen, startet der zweite Finalteilnehmer automatisch international.

Das Interesse an der A-League steigt von Jahr zu Jahr. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Entwicklung der Zuschauerzahlen der „Regular Season“ im Zeitraum zwischen 2010 und 2014 betrachtet. Betrug der Zuschauerschnitt in der Saison 2010/2011 noch 8.500, besuchten die Partien in der Spielzeit 2013/2014 im Schnitt immerhin schon 13.000 Fans.

The Socceroos

Wir schreiben den 31. Januar 2015. Es läuft die 105. Minute eines spannenden Finales der 16. Asienmeisterschaft. Zwischen Turniergastgeber Australien und dem zweimaligen Asienmeister aus Südkorea steht es eins zu eins. Bis zu diesem Moment: Tomi Juric lässt seinen Widersacher Jin-Su Kim an der Torauslinie mittels einer dynamischen Drehung aussteigen und bringt den Ball mit einer scharfen Hereingabe vor das Tor der Südkoreaner. Torhüter Jin-Hyeon Kim wehrt das Spielgerät unfreiwillig in die Mitte ab, wo James Troisi den Verteidigern in puncto Geschwindigkeit überlegen ist und somit zur 2:1-Führung einschieben kann. Auf den Tribünen herrscht ausgelassene Freude. Knappe 20 Minuten später intensiviert sich die Freude bei den australischen Anhängern, als der iranische Schiedsrichter Alireza Faghani die Partie und damit gleichzeitig das Turnier beendet. Australien ist erstmals Asienmeister.

Der Gewinn der Asienmeisterschaft 2015 kann sicherlich als der bislang größte Erfolg der australischen Nationalelf bezeichnet werden. Darüber hinaus dürfen sich die „Socceroos“ viermaliger Sieger der Ozeanienmeisterschaft (1980, 1996, 2000, 2004) nennen. Für Fußball-Weltmeisterschaften konnte sich Australien bis heute viermal qualifizieren. Während man 1974, 2010 sowie 2014 jeweils nach der Gruppenphase die Heimreise antreten musste, erreichte man 2006 in Deutschland immerhin das Achtelfinale, in dem man äußerst unglücklich gegen Italien ausschied, das später das Turnier gewinnen sollte.

In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland messen sich die „Socceroos“ in einer Gruppe mit Jordanien, Kirgisistan, Tadschikistan und Bangladesch. Nach dem fünften Spieltag rangiert Australien (ein Spiel weniger absolviert) mit neun Punkten aktuell auf Platz zwei hinter Jordanien. Angesichts der nicht allzu großen Konkurrenz sollte der Einzug in die nächste Runde, zu dem die beiden ersten Plätze berechtigen, für die Australier mehr als möglich sein.

Ein Australier in Deutschland und umgekehrt

Mathew Leckie

Der 24-Jährige begann seine aktive Karriere bei A-League-Klub Adelaide United. Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten kam er 2011 nach Deutschland und schloss sich Borussia Mönchengladbach an. Nachdem der offensive Mittelspieler ein Jahr lang erste Erfahrungen sammeln konnte, wechselte Leckie 2012 zum FSV Frankfurt. Dort war er unumstrittener Stammspieler und erzielte in zwei Saisons 14 Tore. Zu Beginn der abgelaufenen Spielzeit verstärkte Mathew Leckie den Kader des FC Ingolstadt. Mit formidablen Leistungen trug er maßgeblich zum Auftstieg der „Schanzer“ in die 1. Bundesliga bei. Aktuell steht der Australier mit seinem Team auf einem hervorragenden sechsten Platz. Nicht auszuschließen, dass er in Zukunft mit einem europäischen Top-Klub noch weiter oben steht.

Thomas Broich

Der gebürtige Münchner, der in der Bundesliga unter anderen für Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Köln aktiv war, entschied sich 2010 für einen großen Schritt. Nach einer unglücklichen Spielzeit 2009/2010 beim 1. FC Nürnberg wechselte der mittlerweile 34-Jährige nach Australien zu Brisbane Roar. In „Down Under“ genießt der Mittelfeldakteur den Status einer lebenden Legende. Bereits dreimal gelang es ihm mit Brisbane die australische Meisterschaft zu gewinnen. 2014 wurde Broich zum Fußballer des Jahrzehnts in der A-League gewählt. Sein Vertrag läuft noch bis zum Jahre 2017, sodass mit Sicherheit noch einiges von ihm erwartet werden kann.

Fußball in "Down Under" - Von der Rand- zur Trendsportart
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