Schaut man sich in der Öffentlichkeit um, dann gibt es einige Personen, mit denen man definitiv ungern tauschen möchte. Angela Merkel, Pietro Lombardi oder Dietmar Beiersdorfer zum Beispiel. Zu diesen Personen gehört aber definitiv auch Francisco Javier Garcia Sanz, seines Zeichens Mitglied des VW-Vorstands und Aufsichtsratsvorsitzender des VfL Wolfsburg. Der muss sich auf der einen Seite mit dem wirtschaftlichen Sinkflug der Volkswagen AG im Zuge des Abgasskandals auseinandersetzen. Auf der anderen Seite darf er auch noch die sportliche Misere beim hauseigenen Fußballverein mitverantworten. Puh! Immerhin hat es der VfL geschafft, innerhalb von zwei Jahren aus einem ernsthaften Bayern-Konkurrenten zu einer enttäuschenden Alibi-Truppe zu werden. Platz 13 nach 16 Spielen ist der vorläufige Negativhöhepunkt der Niedersachsen, die dringend eine Blutauffrischung benötigen.

Quo vadis Wolfsburg?

Ein Blick auf die Tabelle sagt genug über die Hinrunde der Wölfe aus. Unteres Tabellendrittel, mickrige 16 Punkte geholt und 24 Gegentreffer bei 15 eigenen Treffern. Viel zu wenig für die ach so ambitionierten Wolfsburger. Noch schlimmer als das tabellarische Abschneiden ist jedoch das Auftreten und die Außendarstellung des Vereins. Die Posse um Julian Draxler ist ausgiebig in den Medien diskutiert worden und mit seinem langersehnten Wechsel zu PSG ist das Kapitel Wolfsburg endgültig beendet. Fraglich, ob er der letzte Abgang der Wolfsburger bleibt. Immerhin gibt es seit Sommer zahlreiche Gerüchte, dass Spieler unzufrieden sind und wechseln wollen, ohne die Zustimmung des Vereins erhalten zu haben. Die Quittung hat man durch eine vergiftete Atmosphäre erhalten.

Dazu kommen Neuzugänge, die nur bedingt eingeschlagen haben. Didavi hat sich, wie befürchtet, noch in der Hinrunde verletzt und ist bereits einige Spiele ausgefallen. Mario Gomez, geholt als türkischer Torschützenkönig und fleischgewordenes Torversprechen, erinnert wieder an alte, unglückliche Zeiten, in denen er praktisch nicht nah genug vor dem Tor stehen konnte, um doch vorbei zu schießen. Dass dann auch noch Neuverpflichtungen wie Kuba nicht konstant ihre Leistung abrufen können, rundet das offensive Desaster endgültig ab. Wechselgedanken, Formschwankungen und Verletzungen prägten den Angriff mehr als Traumtore oder Spektakel. Einmal mehr wurde den Verantwortlichen bewusst, wie sehr man noch vor einiger Zeit von Kevin de Bruyne profitiert hat.

Mit bemerkenswert leb- und teilweise lustlosen Auftritten stolperte die Truppe von Spieltag zu Spieltag. Auf hoffnungsvolle Spielabschnitte, etwa weite Teile des Berlin-Spiels, folgten fatale Einbrüche, der restliche Teil des Berlin-Spiels oder beliebige Spiele der Spieltage eins bis dreizehn. Das hat nicht nur viele Punkte, sondern auch sehr viel Kredit beim Aufsichtsrat und Anhängern gekostet. Und nicht zuletzt auch die Jobs von Klaus Allofs und Dieter Hecking.

Unruhe außerhalb des Platzes führt zu Unruhe auf dem Platz

Um die Wolfsburger wieder in die Erfolgsspur zu bringen, muss Valerien Ismael daher einen Spagat bewerkstelligen: Einerseits die Spannungen in der Wolfsburger Kabine lösen und Andererseits der Mannschaft ein neues Gesicht verpassen. Folgerichtig mussten bereits Trainer, Manager und der vermeintliche Star gehen. Sollten keine weiteren Wechsel folgen, muss der Trainer einen Weg finden, die unzufriedenen Spieler einzubinden, ohne dass sie die Atmosphäre weiter vergiften. Alles andere würde nur weiter in die Katastrophe führen.

Im mannschaftstaktischen Bereich hat der Trainer bereits Änderungen durchgeführt, die möglicherweise schon jetzt Früchte tragen. Seit besagtem Berlin-Spiel hat Ismael die Grundaufstellung verändert. Aus einem 4-2-3-1 wurde ein 3-5-2, in dem vor allem die Präsenz Joshua Guilavoguis hervorsticht. Seit seiner Rückkehr in die Startaufstellung zeigt sich die Mannschaft stabiler im Umschaltspiel und die Lücken im Mittelfeld werden wieder besser geschlossen (das Bayern-Spiel ausgeschlossen). Trotzdem wirkt das gesamte Wolfsburger Spiel pomadig und wenig zielführend. Es fehlt eine deutliche Handschrift und Ausrichtung, die die Wolfsburger noch vor zwei Jahren ausgezeichnet hat.

Die Mannschaft sucht nach einer Identität und insbesondere nach Spielern, die in einer solch schwierigen Situation vorangehen und Verantwortung auf dem Feld übernehmen. Die Spieler, die hierfür vorgesehen waren, konnten entweder mit ihrer Leistung nicht überzeugen (Kuba) oder wirken seltsam teilnahmslos (Gustavo, Rodriguez).

Mit Systemwechsel zum Erfolg?

Umso wichtiger, dass sich in den letzten Spielen eine neue Hierarchie durch das veränderte System gefunden hat. Jeffrey Bruma ist der Anker in der Dreierkette und die Konstante der Hinrunde. Seine defensiven Qualitäten tun dem Wolfsburger Spiel gut, insbesondere seine Passgenauigkeit und seine Präsenz in der Luft. Denn obwohl die Abwehr 24 Gegentreffer kassiert hat, ließ man zwei Drittel davon in genau vier Spielen zu (Bayern, Dortmund, Darmstadt und Berlin). Dem gegenüber stehen auch sechs Spiel zu Null, ein Top-5 Wert in der Liga. Die Abwehr wirkt also gefestigt und bedarf nur eines Feintunings, falls Spieler abgegeben werden.

Guilavogui hat sich auf der Sechs bewährt und könnte in der Zentrale ab Januar von Neuzugang Bazoer und Didavi unterstützt werden, die sich gut ergänzen können. Bazoer mit seinen defensiven, spielgestalterischen Qualitäten und Didavi mit seiner kreativen Spielweise und seinem ausgeprägten Zug zum Tor. In Didavis Abwesenheit kann sich aber Maxi Arnold auch weiter etablieren und versuchen, die an ihn geknüpften Erwartungen zu erfüllen. Yannic Gerhardt hat ich auf der linken Seite etabliert und durfte nicht zuletzt auch bei seinem Nationalmannschaftsdebüt auf der gleichen Position ran. Dazu sollte auch weiterhin Mario Gomez im Sturm gesetzt sein, schließlich gibt es, trotz Torflaute, in Deutschland kaum einen besseren Strafraumstürmer als ihn. Wird er dauerhaft richtig in Szene gesetzt, macht er seine Tore, so einfach kann Fußball sein. Das wäre ein Stamm von sechs Spielern, um die man eine erfolgsversprechende Mannschaft bauen kann.

Eine Aufstellung von Benaglio – Knoche, Bruma, Rodriguez/Gustavo – Guilavogui – Caliguiri, Bazoer, Didavi/Arnold, Gerhardt –  Gomez  klingt in der Theorie erfolgsversprechend und sollte höheren Ansprüchen genügen.

Malli als offensiver Schlüssel

Mathematik-Spezialisten wird aufgefallen sein, dass ein zweiter Stürmer in unserer Wunschaufstellung für die Wolfsburger fehlt. Genau hier setzt unsere Empfehlung nämlich an. Der VfL braucht eine kreative Verstärkung, die sowohl in der Lage ist, andere Spieler einzusetzen als auch selbst Gefahr auszustrahlen. Eine Beschreibung, die genau auf Yunus Malli von Mainz 05 zutrifft. Der Spielmacher der Mainzer ist aus verschiedenen Gründen wie gemacht für die Position neben Gomez.

Obwohl Malli auf der Zehn spielt, ist er kein klassischer Regisseur, der die Fäden zieht, sondern eher ein Spieler, der möglichst nah am Strafraum agiert, um auch selbst den Abschluss zu suchen. Am gegnerischen Strafraum kann er mit seinen perfekt getimten Zuspielen Großchancen kreieren, die in der Bundesliga ihresgleichen suchen, immerhin leitet nur Julian Brandt aktuell mehr Chancen dieser Art ein. Hinzu kommt seine überragende Schusstechnik, die ihn einmal mehr zum gefährlichsten Angreifer der Mainzer macht. Obwohl er nicht an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen kann, steht er bereits bei sechs Saisontoren und ebenso vielen Torvorlagen. Die Wechselgerüchte um Malli halten sich bereits seit längerer Zeit, ohne dass Malli ein klares Bekenntnis zum FSV abgegeben hätte. Zuletzt hieß es lediglich, dass er nicht unbedingt im Winter wechseln müsse. Welcher Mainz-Fan hört so etwas nicht gerne?

Dass Wolfsburg seinen sportlichen und finanziellen Reiz nicht verloren hat, zeigt die Verpflichtung Bazoers, bei der man sich gegen finanziell potente Gegner durchsetzen konnte. Ein Sturmduo aus Malli und Gomez würde Wolfsburg mit einem Mal überaus gefährlich erscheinen lassen. Stattet man den Türken mit vielen Freiheiten aus, kann er sich sowohl ins Mittelfeld zurückfallen lassen, um mit Didavi nach vorne zu kombinieren oder um Gomez herum für Gefahr aus der zweiten Reihe sorgen. Dass er außerdem schnelle Außenspieler einsetzen kann, zeigt er bereits in Mainz. Mit den nötigen Euros aus dem Draxler-Transfer sollte auch die Ablösesumme nicht zum Todschlagargument werden.

Für den Fall der Fälle gerüstet sein

In der Spitze könnte auch eine Verpflichtung von Nicolai Jörgensen Sinn ergeben, der aktuell die Eredivisie kurz und klein schießt. Der Feyernoord-Stürmer mit Leverkusener Bundesliga-Erfahrung könnte Mario Gomez ebenfalls ergänzen. Auch ihn zeichnet die Gabe aus, andere Spieler in Szene zu setzen. Ein mitspielender Stürmer, der Wolfsburg sehr gut zu Gesicht stehen würde. Darüber hinaus wird mit Hiroshi Kiyotake ein ehemaliger Bundesliga-Profi mit den Wolfsburgern in Verbindung gebracht. Der Japaner versteht sich eher als Spielmacher, dessen Vorwärtsdrang nicht an Mallis heranreicht, der aber trotzdem Torgefahr ausstrahlen kann. Seine Standards sind brandgefährlich und mit seiner vorzüglichen Technik könnte er weitere spielerische Elemente in den Angriff einfließen lassen.

Sollten Rodriguez und/oder Gustavo den Verein noch im Winter verlassen, müsste man auch in der Dreierkette nachrüsten. Hier wird Kevin Wimmer immer wieder gehandelt und könnte eine sinnvolle Verpflichtung sein. Der Österreicher besticht ebenfalls durch gutes Aufbauspiel und resolutes Durchsetzungsvermögen. Sein ehemaliger Trainer Peter Stöger beschrieb ihn einst als Prototyp eines modernen Verteidigers. Wimmer, dem aktuell zahlreiche Angebote vorliegen, schielt auf einen Wechsel in die Bundesliga, bisher galten aber Mönchengladbach und Köln als aussichtsreichste Kandidaten. Am nötigen Wolfsburger Kleingeld sollte es nicht scheitern. Denn klar ist auch: Wenn Wolfsburg ein anderes Auftreten in der Rückrunde an den Tag legt, wird auch Francisco Javier Garcia Sanz wieder beruhigter auf die Tabelle schauen können. Immerhin hat er bereits gezeigt, dass er andernfalls vor Konsequenzen nicht zurückschreckt. Ob man dann lieber mit Garcia Sanz oder den Beteiligten tauschen möchte, darf jeder für sich beantworten.

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