Favorisierte Gruppenerste, wiedererstarkte Fußballgroßmächte, Überraschungsqualifikanten und gestrauchelte Titelaspiranten – die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich hatte einiges zu bieten. In ganzen neun Gruppen wurde gespielt, gekämpft, gehofft und gebangt. Transferkritiker fasst für euch die wichtigsten Geschehnisse noch einmal zusammen.

Gruppe A
Tschechien, Island und auch die Türkei als bester Gruppendritter haben sich für die EM qualifiziert. Damit sind die Tschechen nun zum fünften Mal in Folge dabei, da sie sich überraschend den Gruppensieg sicherten. Für die Türkei ist es hingegen das erste große Turnier seit der EM 2008, wo sie erst im Halbfinale knapp mit 2:3 an Deutschland scheiterten. Mit einem 1:0 gegen Island am letzten Spieltag sicherten sie sich in letzter Minute Gruppenplatz drei und dürfen als bester Gruppendritter aller Gruppen (die Ergebnisse der Gruppendritten gegen den jeweiligen Gruppenletzten fielen aus der Wertung) nach Frankreich fahren. Zu diesem Zeitpunkt war Island schon längst fix qualifiziert – eine große Überraschung. Denn das kleine Nordland hatte zuvor 23 mal vergeblich versucht, an einem großen Turnier teilnehmen zu können und spielte dennoch eine sehr souveräne Qualifikation, alleine gegen die Niederlande gewann man sensationell beide Duelle. Womit auch schon die große Enttäuschung der Gruppenphase ins Rampenlicht rückt. Schließlich konnte man vom WM-Dritten deutlich mehr erwarten, nichts anderes als die problemlose Qualifikation der Niederländer schien logisch. Doch es kam anders, da plötzlich eine klare Spielphilosophie zu fehlen schien und man somit gegen die drei vorne platzierten Teams in sechs Duellen nur einen einzigen Punkt holte. Oranje geriet mächtig in Not – und schied letztendlich am Dienstagabend auch verdient aus. Durch das 2:3 daheim gegen Tschechien mit teils stümperhaftem Abwehrverhalten und einem katastrophalen Eigentor von Robin van Persie war das Schicksal besiegelt.

Gruppe B
Gruppenfavorit Belgien spielte keine atemberaubende, aber doch souveräne Gruppenphase und wurde verdient Erster. Überraschend auf Platz zwei landete Wales mit Superstar Gareth Bale. 1958 hatte das kleine Land von den britischen Inseln zum bisher einzigen Mal an einer Weltmeisterschaft teilgenommen und war sogar ins Viertelfinale gekommen. Doch bei einer EM konnte die Mannschaft des walisischen Fußballverbandes bisher noch nie antreten. Daher dürfte nun die Vorfreude auf das Turnier im nächsten Jahr in Wales kaum Grenzen kennen. Da Wales auf Rang zwei die Qualifikation beendete, blieb für Bosnien-Herzegowina nur Rang drei übrig und das auch nur, weil man sich am letzten Spieltag nervenstark mit einem 3:2 gegen den direkten Konkurrenten Zypern auf der Mittelmeerinsel durchsetzte. Letztes Jahr noch erstmaliger WM-Teilnehmer, lief es für das Balkanland in dieser Quali-Phase nicht ganz so rund. Ein Grund dafür ist zweifelsohne, dass die Tormaschinerie der letzten Jahre, als sowohl Dzeko wie auch Ibisevic noch zahlreich trafen, nun etwas ins Stocken gekommen ist. Deshalb muss nun der Gang über die Play-offs gegangen werden.

Gruppe C
Nach dem blamablen WM-Vorrundenaus meldete sich die Fußballmacht Spanien eindrucksvoll zurück und konnte souverän den ersten Gruppenplatz belegen. Neun Siege in zehn Spielen sprechen eine eindeutige Sprache. Nächstes Jahr in Frankreich gibt es einen –Titel zu verteidigen. Dies und der Wille, noch einmal allen zu zeigen, dass man zweifelsohne in den Kreis der Großen gehört, dürften die Iberer immens motivieren. Hinter ihnen konnte die Slowakei das Fernduell um Platz zwei mit der Ukraine am letzten Spieltag für sich entscheiden. Durch das 4:2 in Luxemburg wurde die erste EM-Teilnahme perfekt gemacht, was in dem kleinen Land für Jubelstimmung sorgte. Die Ukraine indes hatte durch die 0:1-Heimniederlage gegen Spanien das Nachsehen und muss sich nun in den Play-offs für die EM qualifizieren – es wäre dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land zu gönnen.

Gruppe D
In der Gruppe des Weltmeisters hatte dieser teils erstaunliche Probleme, konnte aber trotzdem mit Müh und Not den Gruppensieg erreichen. Der DFB-Elf unterliefen dabei aber zwei doch etwas unerwartete Niederlagen in Polen (0:2) und auch in Irland (0:1), sodass am letzten Spieltag gegen Georgien noch mindestens unentschieden gespielt werden musste. Doch nach einer wie schon gegen Irland leider inkonsequenten Chancenverwertung und oft tempoarmen Angriffszügen musste selbst hier noch lange gebangt werden, ehe Max Kruse das 2:1 schoss. Will die Nationalelf im nächsten Jahr auch den anvisierten EM-Titel holen, müssen auf jeden Fall noch einige Leistungssteigerungen her. Robert Lewandowski schoss Polen derweil fast im Alleingang mit seinen 13 Toren zur EM-Endrunde. Doch auch insgesamt zeigten sich die Polen angriffslustig und torhungrig, man darf auf sie im nächsten Jahr gespannt sein. Irland hatte sich vor dem letzten Spieltag auch noch Hoffnungen auf Gruppenplatz zwei gemacht, muss aber nun nach dem 1:2 in Warschau in die Play-offs.

Gruppe E
Das Mutterland des Fußballs meldete sich nach der WM-Schlappe, quasi analog zu Spanien, eindrucksvoll zurück. Denn England konnte alle zehn Qualifikationsspiele gewinnen und weist dabei auch ein beeindruckendes Torverhältnis von 31:3 auf. Von Wayne Rooney und Co. ist nächstes Jahr in Frankreich womöglich mal wieder mehr zu erwarten als bei den letzten Turnieren. Dahinter spielte die Schweiz, abgesehen von den beiden ersten Spielen, eine recht sorgenfreie Gruppenphase und wurde Zweiter. Als Gruppendritter geht Slowenien in die Play-offs, nachdem man zuletzt mit dem 2:0 in San Marino die Platzierung perfekt machte.

Gruppe F
Die wohl am schwächsten besetzte Qualifikationsgruppe zur Europameisterschaft. Favorit Griechenland, letztes Jahr noch im WM-Achtelfinale nur knapp an Costa Rica gescheitert, enttäuschte auf ganzer Linie, verlor gar zweimal gegen die Färöer-Inseln und wurde Gruppenletzter. Folglich mussten andere Teams die vorderen Plätze belegen und Nordirland und Rumänien nutzten diese Chance. Ebenso wie Wales nahm Nordirland bisher nur bei der WM 1958 an einem großen Turnier teil und freut sich deshalb bereits sehr auf den erstmaligen EM-Auftritt. Die Rumänen nehmen dagegen nach acht Jahren Pause wieder einmal an einer Endrunde teil. Ungarn wurde Dritter und kämpft nun gegen einen anderen Gruppendritten um das EM-Ticket. Alle drei Teams konnten mit 16 bzw. elf Treffern allerdings nicht den großen Glanz versprühen und dürften es nächstes Jahr schwer haben, ins Achtelfinale zu kommen.

Gruppe G
Mit klarem Vorsprung konnte sich die Auswahl des ÖFB vor Russland und Schweden durchsetzen. Man mag es überraschend nennen – doch sicherlich ist es auch das Resultat einer guten Entwicklung in den letzten Jahren und des stetigen Aufwärtstrends des Teams um David Alaba und viele weitere Bundesliga-Legionäre. Wer weiß, was dem Team nächstes Jahr in Frankreich gelingen mag. Knapp vor Schweden konnte sich Russland den zweiten Rang sichern. Die Sbornaja ließ die Skandinavier dank eines 2:0 am letzten Spieltag gegen Montenegro hinter sich und wird sich darüber freuen, den Endrunden-Testlauf vor der WM im eigenen Land 2018 ohne Umwege gesichert zu haben. Das Team um Ausnahmefußballer Zlatan Ibrahimovic hingegen muss einmal mehr in Play-offs bestehen und zittern.

Gruppe H
Glanzlos und auch mit ein wenig Mühe wurde Italien Erster. Mit einem 2:1 daheim im letzten Spiel gegen Norwegen wurde der erste Platz gesichert. Norwegen verpasste indes durch die Niederlage die direkte Qualifikation, obwohl man viele Spieltage lang gut mitgehalten hatte. Doch da Kroatien zuletzt zwar ein wenig berauschendes, aber doch genügendes 1:0 auf Malta gelang, zogen sie an Norwegen vorbei. Unglücklich für das Nordland – doch eventuell gelingt stattdessen in den Play-offs die erste Qualifikation für ein großes Turnier seit der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden.

Gruppe I
In der Fünfergruppe setzte sich mit Portugal der Favorit mit großem Abstand durch. Überraschend Zweiter wurde dahinter Albanien, das mit dem 3:0 in Armenien noch an Dänemark vorbeizog. Das kleine Land darf daher nächstes Jahr ebenfalls zum ersten Mal an einer Europameisterschaft teilnehmen. Auch hier jubelte ein ganzes Land euphorisch, die Spieler wurden gar vom Präsidenten mit dem Nationalorden ausgezeichnet. In die Play-offs geht es dagegen überraschend für Dänemark. EM-Gastgeber Frankreich spielte derweil während der Gruppenphase Freundschaftsspiele gegen die Teilnehmer der Gruppe I aus und präsentiert sich momentan mit zuletzt vier Siegen in Folge in guter Verfassung.

Ausblick auf die Play-offs
Die acht Teilnehmer der Play-offs sind bereits anhand ihres aktuellen UEFA-Koeffizienten in zwei Lostöpfe aufgeteilt. Im ersten befinden sich die gesetzten Teams aus Bosnien, der Ukraine, Schweden und Ungarn. Im zweiten Topf und damit ungesetzt sind Dänemark, Irland, Norwegen und Slowenien. Wer sich hier durchsetzen wird, ist (noch) schwer zu sagen. Doch zumindest die einzelnen Duelle werden ab Sonntag, den 18. Oktober, schon einmal feststehen und lassen dann Prognosen zu, wer sich noch für die EM im nächsten Jahr in Frankreich qualifizieren wird.

EM-Qualifikation – Round-Up
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