Als er in der Schlussphase im Pokal von Coach Andre Schubert das Zeichen bekommt, sich das Leibchen abzustreifen und sich für die Einwechslung bereit zu machen, kann Djibril Sow sein Glück kaum fassen. Beim sicheren Stand von 2:0 gegen den VfB Stuttgart gab der junge Schweizer sein Pflichtspieldebut für die Gladbacher Borussia und durfte einige Minuten Profi-Luft schnuppern. Diese Einwechslung der Gladbacher Nummer 20 war für viele Fans und Experten bereits überfällig und sicher nicht die letzte Chance, die Sow erhalten wird. Der 19-jährige ist einer von mehreren hochkarätigen Talenten in der Gladbacher U23, die nur darauf warten, in die 1. Mannschaft zu galoppieren. Perfekt also für unsere Rubrik „Ones to Watch“, in der wir ihn euch heute ein wenig näher vorstellen.

 

Und täglich grüßt das Murmeltier: Ein Eidgenosse kommt an den Niederrhein

Die Phrase könnte man gut und gerne darauf beziehen, dass mit Sow im Jahre 2015 ein weiteres Jungtalent aus der Schweiz an den Niederrhein gelotst worden ist. Die exzellenten Beziehungen zu den Eidgenossen sind nicht erst seit den Verpflichtungen und Entwicklungen von Granit Xhaka und Yann Sommer hinlänglich bekannt. Mit Nico Elvedi schaffte in der letzten Saison zudem ein regelrechtes Ausnahmetalent den Sprung in die 1. Mannschaft und ist aufgrund seiner modernen Verteidiungsweise und seiner Vielseitigkeit aus der Stammformation unter Andre Schubert kaum noch wegzudenken. Nun also Djibril Sow, ein weiteres Versprechen für die Zukunft.

Born and raised in Zürich hat sich Sow, nachdem er alle Jugendmannschaften des FCZ durchlaufen und bereits 20 Spiele für die erste Mannschaft absolviert hatte, für den nächsten Karriereschritt entschieden und wechselte im Juli 2015 in die 2. Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. Diesen Weg schlug Sow, der als sehr bodenständiger und überlegter Mensch gilt, bewusst ein. Nach eigener Aussage sah er beim FC Zürich keine Zukunft mehr; im gleichen Jahr verließen mit Francisco Rodgriguez und Dimitri Oberlin noch zwei weitere Talente den Klub, da sie allesamt das Gefühl hatten, nur schwer in Zürich Fuß fassen zu können. Und dann war da ja noch zuvor angesprochener Nico Elvedi, ein guter Freund Sows, der den gleichen Schritt ging und somit die Entscheidung auch für Sow einfacher machte, als schließlich das Angebot der Borussia kam. Obwohl sich Lucien Favre in der Vorbereitung zur Saison 2015/2016 noch überrascht von den Qualitäten des jungen Schweizers zeigte, war er zum damaligen Zeitpunkt für Gladbachs Scoutingabteilung längst kein Unbekannter mehr. Eberl und sein Team, bekannt für ein unglaublich weit aufgebautes Netzwerk im U-Bereich, hatten ihn in regelmäßigen Abständen bereits seit der U-17 EM 2014 beobachtet und griffen schließlich zu.
Sein erstes Jahr in Gladbachs U23 krönte Sow mit starken drei Treffern und drei Vorlagen in 15 Spielen – ein Umstand, der auch dazu führte, dass er zusammen mit Tsiy William Ndenge die Sommervorbereitung zur aktuellen Saison mit den Profis absolvieren durfte und schließlich mit einem Profivertrag bis 2020 ausgestattet wurde.

Sow auf dem Platz: Der elegante Dynamo

Djibril Sow ist ein Mann für die Zentrale und bekleidet dabei alle Positionen. Der Sohn einer Schweizerin und eines Senegalesen pendelt dabei regelmäßig zwischen offensivem und defensivem Mittelfeld. Doch ob auf der Zehn, Acht oder der Sechs, Sow besticht durch eine weit entwickelte Ballkontrolle und ein unheimlich sicheres Passspiel. Coach Schubert lobt derweil seine Dynamik und seine Ballführung bei hoher Beschleunigung, auch bei Läufen in die Tiefe zeigt Sow ein gutes Gespür. Diese Dinge waren auch in den wenigen Minuten beim Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart gut zu erkennen. Sow treibt den Ball mit großer Geschwindigkeit nach vorne und versteht es, zielgenaue Bälle an den eigenen Mann zu bringen oder sich selbst im Dribbling durchzusetzen.
Diese Fähigkeiten lassen an den vielleicht wichtigsten Spieler der jüngeren Gladbacher Vereinsgeschichte, Raffael, erinnern – ein Vorbild Sows, welches er als junger Spieler noch bewundert hat als er in der Jugend des FCZ und Raffael in dessen Profimannschaft kickte. Eine weitere Tatsache, die Sow in Gladbach zu Gute kommen wird, ist, dass er für sein Alter sehr gelassen vor dem Tor agiert. Dies passt zum Bild des überlegten Youngsters, der Schritte in seiner Karriere wie auch auf dem Platz zwar mit Bedacht, dann jedoch reaktionsschnell und mit voller Entschlossenheit wählt.

Gewiss gibt es auch noch Dinge, an denen Sow arbeiten muss. Die Physis in der deutschen Eliteliga ist dabei nur ein Punkt. Bezeichnete er selbst die Regionalliga vor kurzem noch physisch als „Champions League“ im Vergleich zur Schweizer Promotion League, so wird es in der Bundesliga bekanntlich noch härter für ihn. Hinzu kommt das trotz Umschalten auf mehr Ballbesitz stetig laufintensive Spiel der Gladbacher Borussia, welches in der aktuellen Konfiguration unter Andre Schubert höchste Aufmerksamkeit erfordert. Leichtsinnige Ballverluste im Mittelfeld, das dürfte vor allem Mo Dahoud derzeit zu spüren bekommen, werden vom Trainer nicht geduldet. Ohnehin ist Sow niemand, der allzu leicht den Ball dem Gegenspieler überlässt – dennoch müsste auch er sich erst durch Spielpraxis auf hohem Niveau diesem auch anpassen.

Fazit: eigentlich nur eine Frage der Zeit?

Sow bringt alle Voraussetzungen mit, um in Gladbach durchzustarten – da sind sich die Verantwortlichen der Borussia als auch Sows Trainer in den Schweizer U-Nationalmannschaften sicher. Allerdings hängt seine Zukunft auch ein wenig  von äußeren Umständen ab: Gladbach befindet sich derzeit in einer äußerst schwierigen (auch systemischen) Phase, die Schubert vor einen Balanceakt stellt: versuche ich, das Ruder mit dem bereits eingespielten Personal herumzureißen oder gebe ich frischen, jungen Kräften eine Chance? Momentan sieht es eher so aus, als versuche der oft als „unbelehrbar“ geltende Schubert „sein“ System durchzuziehen – ob Sow dort langfristige Chancen erhält ist derzeit nicht absehbar. Gerade seine Spielweise in der Zentrale könnte jedoch Belebung ist behäbig anmutende Gladbacher Spiel bringen.
Beachtlich ist jedoch auch die Zahl und Qualität der Talente, die sich derzeit in Gladbach in den Startlöchern befinden: Neben Sow wurde im Sommer Innenverteidiger-Juwel Mohamed Doucoure quasi gegen den Willen des Klubs von Paris St. Germain verpflichtet. Rechtsverteidiger Mandela Egbo und Mittelfeldmann Laszlo Benes verdeutlichen die internationale Reichweite der Gladbacher Jugendarbeit. All diese Talente scharren mit den Hufen (gut, Doucoure ist noch verletzt, er scharrt dann eben etwas später) und werden alle welche sein, die Mann im Auge behalten sollte.

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