Endlich raus oder hoffentlich drin bleiben: Das sind die vorrangigen Hintergedanken, mit denen sich die deutschen Zweitligaclubs in dieser Winter-Transferphase auf die Rückrunde vorbereiteten und natürlich auch die ein oder andere personelle Veränderung trafen. Ob Klassenerhalt oder Aufstieg, überall wurde versucht, den passenden Spieler zu finden. Transferkritiker stellt euch die wichtigsten drei Transfers vor.

Sascha Mölders – TSV 1860

Bei einer zur Vereinsikone gereiften Person wie Sascha Mölders war es schwer vorstellbar, dass er den Verein verlässt – zu sehr schien er in seinem Umfeld festzuhängen. Doch zuletzt war seine Bedeutung allenfalls marginal, mit Ji, Matavz und Bobadilla hat der Schütze des ersten Bundesligatores in der Geschichte des FCA drei lokal hochkarätige Spieler vor der Nase – und jetzt wurde im Winter auch noch das Basler Talent Ajeti dazugeholt. Na prima. In München bietet sich dem mittlerweile Dreißigjährigen die Möglichkeit, neues Selbstvertrauen zu holen, und, vor allem: Sich zu präsentieren, zu empfehlen. Mölders Vertrag in der Fuggerstadt läuft bis Sommer 2017, das Giesinger Intermezzo überdauert nur noch die restliche Rückrunde.

Der TSV 1860 gehört zu den Kandidaten, die nach Zugängen für den Klassenverbleib suchten. Sascha Mölders, der sich bei seiner Vorstellung an der Grünwalder Straße als leidenschaftlicher Kämpfer darstellte, soll helfen. In der Hinrunde wollte es nicht so klappen mit der offensiven Durchschlagskraft der Löwen: Rubin Okoties Form gleicht einer trigonometrischen Funktion mit – Gott sei Dank – mittlerweile geringerer Amplitude, andere Sturmhoffnungen entpuppten sich als nicht ganz TSV-1860-im-Abstiegskampf-der-zweiten-Liga-tauglich und wurden kürzlich abgegeben (Mulic, Mvibudulu, Vollmann), andere mussten Geld einbringen (Wolf) – denn chronische finanzielle Klammheit ist ein permanentes Merkmal der Münchner, deren monetäre Lage zwischen Ismaik und Insolvenz schwankt. Trigonometrie.

Doch zurück zu Mölders: Dank ihm lässt sich bei den Sechzgern das von vielen Fans geforderte 4-4-2 System realisieren, Okotie und Mölders sollen vorne als Torjäger in Erscheinung treten, während dahinter endlich die arg vermisste Kompaktheit zu sehen sein soll. Es wird spannend, inwiefern beide miteinander harmonieren und sich ergänzen, denn vom Spielertyp sind sie sich sehr ähnlich. Kann Mölders Abstiegskampf, gelingt die Umstellung?

Alexander Madlung – Fortuna Düsseldorf

Ehemaliger Nationalspieler, deutscher Meister, Bundesliga-Dauerbrenner: Alexander Madlung hat eine illustre Profifußball-Vergangenheit. Wenigstens in dem Punkt passt er schon einmal zu seinem neuen Arbeitgeber, der Fortuna aus Düsseldorf, die ja auch schon bessere Zeiten erlebte als Abstiegskampf in der zweiten Liga. Innenverteidiger Madlung, der zuletzt vereinslos war, soll nun die eigene Abwehr stabilisieren und am besten auch noch ab und zu die gegnerische verunsichern – der 33-Jährige verfügt ja bekanntlich über einen wuchtigen Offensivkopfball.

Wie schon erwähnt, ist also auch der zweite Transfer einer, der für den Klassenerhalt sorgen soll. Mit 20 Punkten rangiert die Fortuna auf dem 15. Tabellenplatz, die Abstände nach oben sind nicht so groß – nach unten aber auch nicht. Der gebürtige Braunschweiger Madlung ist der einzige Winterneuzugang – somit übt man sich eher in Zurückhaltung, nachdem die Transfer-Offensive im Sommer, die ja durchaus schillernde Namen hervorbrachte (Sararer, Haggui, Ya Konan), nur bedingt Früchte trug.

Madlung, ein bodenständiger Typ, kann nun mit Kapitän Haggui das neue Innenverteidiger-Duo bilden und die Fortunen vor dem Abstieg bewahren, langfristig vielleicht sogar dahinführen, wo er selbst mal war: In die Bundesliga.

Havard Nielsen – SC Freiburg

Um das Trio zu komplettieren, endlich einer, der für den Aufstieg sorgen soll: Christian Streichs Breisgauer Ensemble ergänzt der Norweger Havard Nielsen. Der Ex-Braunschweiger ist ein Zugang von RB Salzburg, umso verwunderlicher, dass er nicht zu Leipzig geht. Doch die sind ja bekanntlichermaßen gut aufgestellt, in Freiburg steht aber nun ein weiterer Stürmer im Kader und bietet dem Trainer mehr Optionen. Der interne Superstar Nils Petersen ist ohnehin verletzt, der Cottbusser Sommer-Neuzugang Tim Kleindienst auch.

Fraglich ist es, ob Christian Streich jetzt weiter wie zuletzt mit zwei Spitzen agiert oder doch mit Maxi Phillipp als Zehn und Nielsen als einzig richtiger Spitze spielen lässt. Fest steht: Auch wenn sich fünf Punkte Vorsprung komfortabel anhören, der Aufstiegskampf verspricht noch einmal spannend zu werden. Deshalb war es konsequent und richtig, im Winter nachzulegen, doch noch ist Nielsen der einzige Wintertransfer des SC.

Während seiner Zeit in Braunschweig brachte der 22-Jährige zwölf Tore und drei Vorlagen zustande, gelänge ihm in der Rückrunde auch nur ein Bruchteil davon, so wäre man mit Sicherheit zufrieden in Freiburg. Oberste Priorität hat die Rückkehr in die Bundesliga, das Kopf-an-Kopf-Rennen mit Leipzig ist in vollem Gange. Die Zeit wird zeigen, wer am Ende die Hörner, pardon, die Nasen vorne hat.

 

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