Hallo lieber Leser. Möglicherweise wunderst du dich über diese direkte Ansprache, aber ich muss mich einfach so an dich wenden, denn diese Transferkritik beginnt mit einer persönlichen Beichte: Ich, der Autor dieser Zeilen, bin Borussia Dortmund Fan. Das ist jetzt, denke ich, nicht so ungewöhnlich und nüchtern betrachtet kann ich trotzdem andere Vereine in jeglicher Hinsicht objektiv beurteilen. Wenn Dortmunder Spieler wechseln, betrachte ich ganz nüchtern, ob und wann ein Wechsel Sinn macht. So schrieb ich damals, dass Hummels Rückkehr nach München für ihn und für die doofen Lederhosen, ehm, Entschuldigung, für den FC Bayern München sicherlich sinnvoll war.

Bevor ich weiter schreibe, muss ich unser nun offenes Verhältnis direkt noch einmal missbrauchen und dir noch etwas gestehen: Neven Subotic ist mein absoluter Lieblingsspieler. Meine letzten drei Dortmund-Trikots trugen seinen Namen.

Bevor du mich jetzt als Fanboy abtust, wütend die Seite schließt und wieder auf Transfermarkt.de guckst, wer der acht-wertvollste Spieler der dritten portugiesischen Liga ist, bitte ich dich, das Ende dieses Artikel abzuwarten und mich erst dann zu verurteilen. Um eine andere Kleinigkeit muss ich dich auch bitten, verzeih kleinere Rechtschreibfehler, meine Tastatur wird einfach zu rutschig von der einen oder anderen Träne, die mir beim Schreiben von der Wange tropft.

Neven S. – Refugee

Die Geschichte des Neven S. beginnt im heutigen Bosnien-Herzegowina, wo er 1988 geboren wird. Früh zieht er mit seinen Eltern in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland in die kleine Stadt Schömberg, die in der Nähe Pforzheims liegt. Von der F- bis zur D- Jugend spielt er beim dortigen TSV Schwarzenberg, die heute in der Kreisliga A im Mittelfeld kicken. Von Deutschland ging es mit den Eltern zusammen nach Amerika, um der Abschiebung ins krisengeschüttelte Heimatland zu entkommen. Diese Thematik ist wohl aktueller denn je. In Amerika kam Familie Subotic in Salt Lake City an, wo er über die Schule in der University of South Florida landete und dort auch Fußball spielte. An jener Uni fiel er schließlich den Amerika Scouts vom FSV Mainz auf.

Mit 17 ging es so zurück nach Deutschland, um seine erste Saison in der Zweitvertretung von Mainz in der Oberliga Südwest und manchmal auch noch in der A-Jugend der Mainzer zu absolvieren. Ein Mann namens Klopp ließ in anschließend im Spiel gegen, oder ausgerechnet gegen, die Bayern debütieren. 2 Jahre später folgte Neven Subotic Klopp nach Dortmund und der Rest ist Geschichte. Zusammen holten beide mit Dortmund 3 Titel und sorgten mit der Borussia im Zweikampf mit Bayern München für die letzten wirklich spannenden Spielzeiten.

Ein Subotic für alle Fälle

Am fußballerischen Höhepunkt seines Schaffens profitierte Subotic sicherlich von einer enormen Mannschaftsleistung, die einen Lauf hatte und sich immer wieder zur neuen Höchstleistungen pushte. Als Innenverteidiger macht er aber einzeln betrachtet eine gute Figur. Durch seine Größe ist das Kopfballspiel selbstverständlich eine Stärke, bei der er sich gern mit dem ganzen Körper schräg nach oben wirft und den Ball im hohen Bogen klärt. Subotic verfügt auch über eine hohe Spielintelligenz, die ihn Spielsituationen assoziieren und ihn rechtzeitig richtig regieren lässt, um oftmals bei der Ballannahme des Gegners mit perfektem Timing parat zu stehen und den Ball zu klären oder zu erobern. Taktisches Verschieben und koordinieren der Defensive zeigte er jedesmal, wenn er in Dortmund Abwehrchef Hummels vertreten musste. Abwehrchef kann er also. Grade taktische Feinheiten sind für IVs wichtig.

Subotic ist jemand, der, wie man in der Kreisliga sagen würde, immer den Fuß dazwischen hat. Leider wird der Ball von jenem aber nicht immer optimal weitergeleitet. Der Spielaufbau ist nicht Subotics große Stärke. In den Dortmunder Erfolgsjahren überließ er den ersten Ball gerne seinem Kollegen Hummels, der wie einst Beckenbauer Außenristpässe in Stürmersprints spielen kann.

So gut Nevens defensive Nerven sind, so unsicher wirkt er beizeiten wenn er den Ball hat. Unsaubere Ballannahmen und unnötige Defensivdribblings führten manchmal zu gegnerischen Torchancen, unter denen niemand so stark litt wie er selbst. Mit einem unbändigen Willen und grenzenlosen Einsatz stemmt Neven Subotic sich aber stets jedem gegnerischen Angriff entgegen.

Mehr als nur ein Spieler?

Warum bin ich nun ein so großer Subotic Fan? Ich behaupte einfach mal frech: Subotic ist mehr als nur ein Spieler! Ihr fragt euch warum? Weil er durch seine Tätigkeiten so wahrgenommen wird. Neven Subotic lebt nicht als Fußballer, sondern benutzt seinen Status, um als Mensch Gutes zu tun. Mit seiner Neven-Subotic-Stiftung (http://nevensuboticstiftung.de/projekte/100-wash?gclid=CKflrqPa-NECFRG3GwodAwgLTQ) gräbt er in der Sommerpause lieber Brunnen in Afrika, statt in Miami am Strand zu liegen. Damit verringert sich der Weg zu manchen Wasserquellen für afrikanische Kinder von über 3 Stunden auf 30Minuten. Eine Veränderung der Lebensqualität, die wir uns in Europa nicht vorstellen können.

Dazu sitzt er in Talkshows und spricht so über eine soziale Verantwortung von Fußballern und dem richtigen Umgang mit Geld, dass sich junge, viel zu reiche, Kicker eine Scheibe davon abschneiden sollten. Passend dazu folgende Story: Subotic wollte sich einst, als Belohnung für sich selbst, einen sehr teuren Wagen kaufen. Legitim und unter Fußballern Usus, aber Subotic ist selbstreflektierend und besitzt den Wagen bis heute nicht. Damit will ich niemanden verurteilen, der im goldenen Lambo zum Training cruist, aber man sollte mal drüber nachdenken.

Also wirklich, versteh mich jetzt bitte nicht falsch. Selbstverständlich ist Neven Subotic nicht der einzige Spieler der sich sozial engagiert oder sein Vermögen klug verwaltet, er ist aber einer der damit stark in der Öffentlichkeit steht und dadurch einen Kontrast zu aktuellen Instagram-Profis bildet und jungen Spielern möglicherweise als Vorbild dienen kann. Da Erfolg und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können. Möglicherweise auch Spieler vom 1. FC Köln, wo es Subotic jetzt hinzieht.

Neven Alaaf?

Für Köln ist Subotics Verpflichtung aus zwei Gründen sinnvoll: Erstens soll ein qualitativ hoch- oder gleichwertiger Spieler mehr zur Verfügung stehen, damit auf Ausfälle wie den von Maroh gegen Ende der Hinrunde besser reagiert werden kann. Zweitens möchte jeder in Köln nach dieser tollen Hinrunde die Rückrunde mindestens genauso gut gestalten. Dafür hofft man darauf, dass Subotic nach mehreren Verletzungen an sein früheres Spiel anschließen kann und den Kölner dann mit seiner Erfahrung und Können weiterhilft. Dafür zahlt Köln 500.000 Euro, was ein geringes Risiko birgt. Fit und auf seinem früheren Niveau spielt Subotic in jeder Kölner Formation von beginn an.

Sollte Subotic wieder erstarken, wird Borussia Dortmund allerdings wohl einen Verkauf nach England präferieren, die dem BVB mehr Geld zahlen werden als Köln, vielleicht sollten sie beim BVB mehr denken wie Subotic, allerdings hatte auch der die Premier League schon als interessant bezeichnet. Ein Verbleib in Köln ist bei guten Leistungen also schwierig, bei schlechten nicht nötig.

MMn.

Nun, wie finde ich, als Subotic-Fanboy, den Transfer? Die Antwort ist einfach: Ich finde ihn fantastisch. Subotic hat beim BVB eine goldene Zeit mitgeschrieben und dafür wird ihm jeder Fan immer dankbar sein. Unvergessen ist, wie er nach Robbens verschossenen Elfmeter im entscheidenden Duell 2011 als Sprachrohr des gesamten Stadions seinen Gefühlen freien Lauf ließ. Zwar in Robbens Gesicht, aber das war in dem Moment vertretbar, schließlich rächte sich der Holländer im Championsleaguefinale mit seinem Tor in der 89. Min dafür.

Dass es jetzt für Subotic weitergeht freut mich persönlich, die meisten Dortmund- und sogar Fußballfans. Nichts wünscht man ihm mehr, als verletzungsfrei wieder Spaß an seinem Lieblingssport zu haben und so zu bleiben wie er ist.

Deshalb ganz ehrlich: Viel Spaß in Köln Neven und Glückwunsch an alle Kölner, bis zum Sommer habt ihr einen echten Volltreffer gelandet.

 

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