Deutschland gilt weltweit als DIE Torhüternation, doch blickt man auf die Stammtorhüter der international vertretenden Mannschaften der nächsten Saison, fällt auf, dass Schweizer Schlussmänner momentan Hochkonjunktur in der Bundesliga haben. Neben Benaglio, Hitz und Sommer, reiht sich ein interessanter Mann ein, der wahrscheinlich die beste Saison aller Schlussmänner spielte und sich im Gegensatz zu seinen Landsmännern im nervenzerenden Abstiegskampf befand. Roman Bürki überraschte beinahe alle Fans und Experten, zeigte keine Eingewöhnungsprobleme und schwung sich in Windeseile zu einem der besten und komplettesten Torhüter der Bundesliga auf, doch trotz seiner Paradesaison konnte er den Abstieg nicht verhindern. Seine überragende Saison blieb jedoch nicht unentdeckt und ab der kommenden Saison spielt auch Bürki bei einem Spitzenklub, vom Freiburger Nobody mitten in den Ruhrpott zu Borussia Dortmund als neuer Nachfolger von Klubikone Weidenfeller, der vermutlich den Verein verlässt.

Der 24-jährige schweizer Nationalspieler Roman Bürki verbrachte beinahe seine komplette Jugendzeit in seiner Heimatstadt Münsingen, beim ortsansässigen FC Munsingen. Mit 17 Jahren schloss er sich dann der renommierten Nachwuchsschule von Young Boys Bern an und entwickelte sich auch durch zahlreiche Leihgeschäfte nach Thun, Schaffhausen und den Grasshoppers Zürich zu einem gestandenen Torhüter in der Raiffeisen Super League. Derart geschätzt, dass die Grasshoppers Bürki 2013 fest verpflichteten, wo er noch einmal einen gewaltigen Sprung machen konnte und zu den herausragenden Keepern der Liga gehörte, was ihm dann sogar eine Nominierung von Ottmar Hitzfeld für den Schweizer WM-Kader 2014 bescherrte. Spätestens damit rückte Bürki auch deutlich mehr ins internationale Scheinwerferlicht und es folgte der Wechsel zum SC Freiburg, die nach dem Abgang von Oliver Baumann dringend Ersatz suchten und mit Bürki einen exquisiten Ersatz fanden. Bürki setzte sich im clubinternen Duell gegen Mielitz durch und sein persönlichen Höhenflug setzte sich rapide fort.

Mit dem beidfüßigen, mitspielenden Roman Bürki bekommt Borussia Dortmund nun einen modernen Keeper par excellence, der außerordentlich komplett und routiniert für sein junges Alter ist. Mit seinen überragenden Reflexen, den charakteristischen Hechtsprüngen, sowie seinen Stärken sowohl im 1 gegen 1, auf der Linie sowie beim Herauslaufen, bringt der 1,87m große Modellathlet alles mit, um auch auf internationaler Vereinsebene zu bestehen.Nennenswerte Schwächen bringt er nicht wirklich mit, sollte jedoch noch an seinen Abschlägen arbeiten, die beizeiten ziemlichen Streuungen unterlaufen.Nach dem wahrscheinlichen Abgang von Weidenfeller herrschte aber auch Bedarf auf der Torhüterposition bei den Borussen und nun stellt sich Trainer Thomas Tuchel einen Zweikampf um den Platz im Kasten mit Mitch Langerak vor, bei dem Bürki jedoch nicht schon alleine aufgrund der 4,5 Millionen schweren Ablösesumme und der starken letzten Saison mit Vorteilen ins Rennen geht. Langerak ähnelt dem Stil von Weidenfeller doch erheblich und galt lange Zeit als starker Back-Up mit Perspektive, jedoch begannen die Zweifel an der absoluten Tauglichkeit auf Topniveau nicht erst seit dem eher unglücklichen Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg, wo der Australier bei allen Gegentoren nicht gut aussah.Es ist daher realistisch, dass Langerak und Eigengewächs Bonmann die Ersatzbank drücken werden und eventuell ein heutzutage immer häufiger praktiziertes Modell mit Liga-und Pokaltorhüter praktiziert wird.

Insgesamt ist dem BVB ein toller, preiswerter Transfer gelungen, da man mit Bürki die Baustelle im Tor über Jahre hervorragend schließen könnte. Bei allen Jubelstürmen sollte man jedoch auch bedenken, dass es erst Bürkis erste Saison in einer Topliga war und man seine wirkliche internationale Klasse erst jetzt wirklich beurteilen dürfte, da im Kugelhagel Abstiegskampf naturgemäß häufiger die Gelegenheit besteht sich auszuzeichnen. Der Trend ist auf jeden Fall sehr positiv und es ist ihm durchaus zuzutrauen, seine herausragenden Leistungen zu bestätigen und zu einem der Toptorhüter, auch in der Europa-League zu gehören. Vielleicht bringt es ihm dann auch einen Stammplatz in der Schweizer Nationalmannschaft ein, die wöchentlichen Duelle mit all seinen Konkurrenten hat er ja jetzt wöchentlich. Schweizer Torwärte in der Bundesliga – der Trend schlechthin.

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