Es ist keine einfache Aufgabe, sich nach Ablauf der Wintertransferperiode auf die drei Top-Transfers der zweiten Liga festzulegen. Der Großteil der Liga agierte äußerst unspektakulär, ergänzte hier und da den Kader mit Lückenfüllern oder vorgezogenen Sommertransfers, manch einer nutzte die Chance auf einen vereinslosen Akteur (bspw. Fürth: Djokovic), andere kompensierten Abgänge (bspw. Nürnberg: Ishak). Zwei Vereine aber gab es, die sich  im Winter nicht halten konnten und gebarten, als hätte das sommerliche Transferfenster geöffnet. Zum Einen wäre da: Der VfB Stuttgart, der bemerkte, dass es an der Tabellenspitze doch recht eng ist. Und: Der TSV 1860, der die nächste radikale Umstrukturierung hinter sich hat und sich unter Anthony Power respektive Hasan Ismaik respektive Kia Joorabchian nicht lumpen lassen hat. Und um beide Seiten gleichermaßen beleuchten zu können, wird diese Topliste auf vier Kandidaten hochgeschraubt – die Neuzugänge geben es aber auch her.

4. Abdoulaye Ba, TSV 1860

Er war der erste von fünf Giesinger Neuzugängen und offenbarte sogleich, dass die Löwen in dieser Transferphase eine Schublade weiter oben zugreifen würden. Ba, Nationalspieler Senegals, hat in seiner Vita Stationen wie Fenerbahce und Porto stehen, er soll der instabilen Defensive des TSV endlich Halt geben. Der Hüne pflegt einen sehr proaktiven Zweikampfstil, zusammen mit dem Brasilianer Rodnei könnte er sich jetzt im Kader um den Rang des härtesten Innenverteidigers duellieren. Was ihn vom kaum berücksichtigten Ex-Leipziger unterscheidet? Eine ansprechende Spieleröffnung und ein respektables technisches Repertoire, trotz seiner unverhältnismäßig langen Beine bei den ohnehin schon riesigen Körpermaßen. Seine Erfahrung auf hohem Niveau soll dem TSV weiterhelfen. In der geplanten Dreierkette wäre Ba prädestiniert für eine der Halbpositionen. Neben dem eigentlich stabilen Jan Mauersberger, der zuletzt in Fürth patzte, und dem talentierten Felix Uduokhai eine überdurchschnittliche Zweitliga-Defensive – aber dass das beim TSV 1860 noch lange nichts heißt, ist wohlbekannt.

3. Ebenezer Ofori, VfB Stuttgart

Ein Transfer, der überrascht. Ebenezer Ofori, hauptsächlich zentraler Mittelfeldspieler, muss wohl fest an einen Aufstieg der Stuttgarter glauben – denn der 21-Jährige ist über den Status als Talent hinaus und im Endstadium seiner Etablierung als Profi angelangt, die zweite Bundesliga eigentlich keine angemessene Spielklasse mehr für ihn. Der kleine (1,72 Meter) ghanaische Nationalspieler war in Solna ein absoluter Leistungsträger auf der Sechs, der in der Spieleröffnung die treibende Kraft seiner Mannschaft war. Es ist zu erwarten, dass ihm das in Stuttgart auch bald gelingt – Ofori könnte neben Gentner eine erstligataugliche Doppelsechs bilden. Ofori ist dank seines niedrigen Körperschwerpunkts dynamisch unausrechenbar, seine geringe Statur macht er durch clevere Zweikampfführung wieder wett. Und seine Körperhaltung in Momenten vor der Ballabgabe, ob Pass oder Distanzschuss, erinnern unausweichlich an Frank Lampard: Mit Ebenezer Ofori ist den Stuttgartern ein Coup gelungen.

2. Jerome Onguene, VfB Stuttgart

Der nächste aus der Kategorie ,,Sommertransfer“: Mit Onguene kommt ein Spieler, der darauf gewartet hat, den nächsten Schritt zu gehen. Dass das bereits im Winter passiert, liegt daran, dass die Stuttgarter in der Hinrunde entschieden zu viele Tore kassiert haben und defensiv aufrüsten mussten, falls der Wiederaufstieg gefahrlos realisiert werden soll. Den FC Sochaux überzeugte man mit zweieinhalb Millionen Euro, U19-Europameister Onguene mit Bundesliga-Perspektive, einer Gehaltserhöhung und auch Spielzeit. Der französische U-Nationalspieler kam in der Hinrunde zehn Mal in Frankreichs zweiter Liga zum Zug, auch in Stuttgart wird er auf dem Platz stehen, denn der Innenverteidiger spielt für seine 19 Jahre bereits sehr routiniert. Zusätzlich tritt er im Stile eines Innenverteidigers, der Jerome heißt, sehr selbstsicher und bestimmt auf, ist vor allem offensiv kopfballstark und somit im gegnerischen Strafraum gefährlich.

1. Frank Boya, TSV 1860

Mit den Worten ,,…und jetz hoi ma an Brasilianer“ schloss der Kabarettist Hannes Ringlstetter einen Auftritt von sich, in dem er die unglaublich schnell aufkommende Euphorie des Durchschnitts-Löwenfans nach einem Erfolgserlebnis umschrieb. Nun, Frank Boya ist zwar kein Brasilianer, sein Transfer nach München passt aber trotzdem zur Umschreibung Ringlstetters. Nicht lange nach dem wackligen 2:1-Heimerfolg gegen Fürth verkündete man die Verpflichtung des 20-jährigen Mittelfeldtalents, dessen Zugang erstaunlich ist. Boya kommt von Apejes Mfou aus Kamerun, der Schritt in die zweite Bundesliga ist also ein großer für ihn, aber: Laut calciomercato24.eu stach 1860 bei diesem Transfer nicht nur den AS Rom, sondern auch Manchester United und Chelsea London aus. Dass das nicht so fern liegt, zeigt die Beteiligung der Londoner Agentur Sports Invest UK Limited mit Kia Joorabchian am Münchner Transfergeschehen. Letzterer ist regelmäßig in Premier League-Transfers verwickelt. Auch Neu-Trainer Vitor Pereira lobte Boya bereits, dass er in der Rückrunde noch erheblichen Einfluss auf das sportliche Geschehen nimmt, scheint jedoch fragwürdig. Trotzdem: Im Wintertransferfenster als sportlich abgeschlagener Zweitligist mal eben drei europäische Spitzenteams links liegen zu lassen, rechtfertigt den ersten Platz in dieser Liste.

Honorable Mentions

Um noch interessante Namen in die Runde zu werfen, denen man einen Platz in der Liste auch zutrauen hätte können: Polter (Berlin), Flum (St. Pauli), Gytkjaer (1860), Brekalo (Stuttgart), Djakpa, Hufnagel (Nürnberg) und Reese (Karlsruhe).

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