Große Statur, kopfballstark und ein Killer im Sechzehnmeterraum. Attribute, mit denen man den einen oder andere Stürmer des VfB der letzten Jahre beschreiben könnte. Aber die Rede ist weder von Kevin Kuranyi, der nach der Jahrtausendwende für Furore im Offensiv-Spiel der Schwaben sorgte, noch von Mario Gomez, der den VfB 2007 zur deutschen Meisterschaft schoss. Nein, die Rede ist vom ersten Neuzugang der Schwaben in der Winterpause, Artem Kravets. Da mit Daniel Ginczek der Top-Angreifer der Schwaben aufgrund seines Bandscheibenvorfalls immer noch auf unbestimmte Zeit ausfällt, hat der VfB mit dem Ukrainer Kravets eine Alternative für das Sturmzentrum verpflichtet. Was der 13-fache ukrainische Nationalspieler kann und ob der Transfer für den VfB Sinn macht, lest ihr hier.

Sportliche Vergangenheit

Der 26-jährige Artem Kravets wurde in der Jugendabteilung von Dynamo Kiew ausgebildet. Zur Saison 2007/2008 wurde er nach einem Jahr in der zweiten Garde in die erste Mannschaft hinaufgezogen. Fünf Spielzeiten später wurde er aufgrund vieler Verletzungen und schlussendlich mangels Leistung wieder zurück in das Team der zweiten Mannschaft geschickt. Unglücklich mit seiner sportlichen Situation wechselte er eineinhalb Jahre später zu Stadtrivale Arsenal Kiew. Während seiner viermonatigen Leihe schoss er zwei Tore. Bei Dynamo kam er in der Rückrunde derselben Saison trotz Rückholaktion aber nicht mehr zum Einsatz. In der abgelaufenen Spielzeit 2014/2015 gelang Kravets der Durchbruch bei seinem Ausbildungsverein. Gesetzt im System unter Trainer Sergiy Rebrov schoss er Dynamo Kiew mit 15 Toren, nach sechs jähriger Durststrecke, zur Meisterschaft. In der laufenden Spielzeit vertraute Rebrov jedoch dem brasilianischen Neuzugang Junior Moraes. Kravets musste sich zum Großteil mit der Rolle des Einwechsel- und Ergänzungsspielers zufrieden geben. In der Premier Liga schaffte er es nur auf vier Startelfeinsätze, dazu zwei weitere in der Champions-League und einen im Pokal.

Schwächen/Stärken

Mit seinen knapp 1,90 Meter ist der Angreifer eine Waffe in der Luft. Auch in der Defensive gewinnt er wichtige Kopfballduelle. In seiner Zeit bei Dynamo Kiew und seinem kurzen Intermezzo bei Arsenal Kiew wurde er oft aufgrund seines rigorosen Willens und seines Torriechers gefeiert. Kravets ist ein echter Strafraumstürmer. Er hat den Blick für die Situation und steht oft genau da, wo ein Stürmer stehen muss. Auch bei langen Bällen setzt er seinen Körper gut ein, hält die Bälle oder lässt sie prallen. Kravets bietet somit für Offensiv-Aktionen die nötige Anspielsituation in der Spitze. Seine hervorragenden Fertigkeiten im Strafraum sind jedoch Segen und Fluch zugleich: Denn außerhalb des Sechzehnmeterraumes ist der Ukrainer im Spiel kaum zu gebrauchen. Sowohl an Spielstärke, technischer Finesse oder Schnelligkeit hapert es beim Ukrainer.

Neue sportliche Situation

Beim VfB Stuttgart, die in der Offensive, aufgrund der Ausfälle von Daniel Ginczek und Martin Harnik, momentan unterbesetzt sind, muss er sich der Konkurrenz von Timo Werner, Jan Kliment und Robbie Kruse stellen. Da Trainer Jürgen Kramny im Grunde genommen ein 4-2-3-1-System spielen lässt, wird sich der Ukrainer vorerst mit Timo Werner ein Duell um den Platz in der Spitze liefern müssen. Kramny hat mit Kravets einen Spieler in seinen Reihen, der, anders als Werner, Kruse oder Kliment, ein ausgezeichneter Strafraumstürmer ist und nicht durch seine Schnelligkeit und Technik auf dem Spielfeld für Aufsehen sorgt. Durch die Verpflichtung von Kravets kann Kramny variabler in der Offensive spielen, wie zum Beispiel mit einer Doppelspitze in einem klassischen 4-4-2. Die Verpflichtung ermöglicht es Kramny außerdem auch situativ während des Spiels umzustellen, was das Spiel der Stuttgarter unberechenbarer machen würde. Das Duo Werner und Kravets würde sich darüber hinaus, aufgrund ihrer unterschiedlichen Stärken, bestimmt super ergänzen.

Fazit

Da keiner genau weiß, wann Ginczek, wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren wird, war die Verpflichtung eines neuen Stürmes unumgänglich, da dem VfB im Offensiv-Bereich die Alternativen fehlen. Ein adäquater Ersatz zu Ginczek ist Kravets zwar nicht, dennoch kann der VfB durch seine Verpflichtung variabler spielen lassen und auch vermehrt über die Flügel kommen, da in der Mitte auch ein Abnehmer für Flanken bereit stehen würde. Seine Bilanz von 41 Treffern in 136 Partien ist dennoch nicht sonderlich bemerkenswert. Es bleibt abzuwarten, wie der Stürmer mit dem Tempo in der Bundesliga zurechtkommt. Der Angreifer spielte bislang ausschließlich in der Ukraine Fußball, konnte aber immerhin internationale Erfahrungen in der Champions- und Europa-League sammeln. Kravets wird keine große Zukunft beim VfB haben und voraussichtlich die Schwaben nach einem halben Jahr auch schon wieder verlassen. Außer seiner Statur, seiner Kopfballstärke und seines Torriechers hat er nicht die Fähigkeiten eines Kuranyis oder Gomez‘ zu ihrer Zeit beim VfB.

 

 

 

 

 

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