„In der Ruhe liegt die Kraft“, heißt ein bedeutsames Sprichwort. Schon für den chinesischen Philosophen Laotse (ungefähr 3. bis 4. Jahrhundert vor Christus) war die Stille „die größte Offenbarung“, der Quell aller Energien. Seither hat keine Epoche die so simple wie bestechende Losung aussortiert. Während die Zeitalter durch die technische Entwicklung immer schneller, nervöser, diffuser und lauter wurden, blieb das Sprichwort stoisch ruhig. Heute, viele Jahrhunderte später, ist seine Sinnhaftigkeit unübertroffen. Ein Sprichwort, das auf Carlo Ancelotti nur allzu gut zutrifft. Zum einen ist der Italiener wohl einer der ruhigsten Trainer im Weltfußball, zum anderen liegt genau in dieser ruhigen weihnachtlichen Zeit die neue starke Kraft des FC Bayern: Ancelotti wird der neue Nachfolger von Guardiola und ein Weltklasse-Trainer folgt auf den nächsten bei den erfolgsorientierten Bayern. Der Italiener erhält einen Dreijahresvertrag.

Sportliche Vergangenheit

Als Spieler war Ancelotti für Parma, Roma und Milan im Einsatz. Mit Milan gewann der ehemalige Mittelfeldspieler zweimal den Europapokal der Landesmeister. Nach seiner erfolgreichen Karriere als Spieler, etablierte er sich schnell im Trainergeschäft. Seine ersten Station war der Co-Posten bei der italienischen Nationalmannschaft. In seinem ersten Jahr als Cheftrainer bei AC Reggiana in der Serie B gelang ihm der Aufstieg in die höchste italienische Liga. Als er bei Parma anheuerte, gelang ihm in der ersten Saison überraschend der Vizemeistertitel in der Serie A. Dann wurde erstmals eine Spitzenmannschaft auf ihn aufmerksam. Mit Juve wurde er anschließend zweimal Vizemeister in der Liga. Bei Milan wurde Ancelotti der Nachfolger von Fatih Terim. Ancelotti gewann zweimal die Champions League, holte zahlreiche nationale Titel und war auch bei der legendären Final-Niederlage gegen den FC Liverpool dabei. Am 1. Juni 2009 wurde der 56-Jährige, Trainer von Chelsea. Mit Chelsea wurde er Meister und sicherte sich den FA-Cup. Bevor er zu Real Madrid wechselte, gewann er mit PSG die französische Meisterschaft. In Spanien trug er sich als Trainer der la Décima in die Geschichtsbücher ein. Zur Saison 2016/2017 übernimmt er nun die Bundesligamannschaft des FC Bayern.

Gesamtbild samt Stärken/Schwächen

Wenn man seinen Werdegang genauer unter die Lupe nimmt, dann weiß bzw. sieht man, welch fantastischen Trainer der FC Bayern nun unter Vertrag genommen hat. Egal welchen Verein man aus seiner Biografie herausnimmt, mit jeder Mannschaft feierte Ancelotti Erfolge: Dreimal die Champions League, zahlreiche Pokal- und Meistersterschaften wurden unter dem Italiener eingefahren, so dass man ihn als einen der weltbesten Trainer ansehen muss. Ancelotti steht weniger für Offensivfußball a la Guardiola oder Jürgen Klopp. Der Italiener ist ein Trainer, der enormen Wert auf die Defensive legt. Er wirkt wie ein „Stoischer Maestro“: Er ist weder ein großer Redner, noch ein Philosoph im modernen Fußball oder der Charismatiker, der das Blitzlichtgewitter in seine Richtung zieht. Zu seinen großen Stärken wird gezählt, mit Stars jeden Charakters gut auszukommen. Es ist schon bemerkenswert, wie mühelos er als Trainer mit Weltstars wie Ronaldo, Ibrahimovic, Beckham, Kaká oder Ronaldinho umgeht, ohne jemals seine Macht ihnen gegenüber demonstrieren zu müssen. Beim FC Bayern kann es schon des Öfteren in Anbetracht der Größe des Kaders zu Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft kommen, wodurch die gute Seite von Ancelotti gefragt sein wird. Kritiker werfen Ancelotti vor, er könne zwar jedes Spitzenteam auf seinem Level halten, lasse aber keine Mannschaft über sich hinauswachsen. Und vor allem schaffe er keine nachhaltige Spielidentität, sondern verwalte sie nur. Wenn die Aufgabe bei den Bayern so verstanden wird, die Erfolge der Guardiola-und Heynckes-Ära noch ein paar Jahre zu konservieren, so könnte Ancelotti dennoch der goldrichtige Mann an der Säbener Straße sein. Vielleicht ist das alles dann weniger eine Frage der Philosophie Ancelottis. Sondern eine Frage der Philosophie des FC Bayern: Will man das deutsche Barcelona sein oder das deutsche Real Madrid?

Neue sportliche Situation

Nach dem Abgang von Guardiola hat man mit Ancelotti entsprechend nachgerüstet. Der Italiener ist allerdings kein System-Fanatiker, lässt flexibel spielen und steht nicht unbedingt auf Ballbesitz wie Guardiola. In der Champions League hatte Real unter ihm nur 50% Ballbesitz, die Bayern unter Guardiola 64%. Man kann also gespannt sein, wie sich die Bayern unter Ancelotti präsentieren werden. Eine Frage, die sich zusätzlich stellt, wie Ancelotti mit der deutschen Sprache zurechtkommt. Ancelotti spricht fließend spanisch, was in Anbetracht der vielen spanischen Spieler beim FC Bayern ein absoluter Mehrwert ist. Doch wie es schlussendlich mit der deutschen Sprache aussieht, wird sich zeigen. Ein Paradebeispiel dafür, ist sicherlich Giovanni Trapattoni, der  beim FC Bayern  für die ein oder andere Lachnummer sorgte.

Fazit

Ancelotti ist ein Weltklasse-Trainer. Er kann den Erfolg der Bayern weiter ausbauen und auch in Sachen Champions League-Gewinn kennt sich der Italiener bestens aus. Das Spiel der Bayern dürfte sich ändern, dazu gehört weniger Ballbesitz, dafür gestärkte Defensive. In der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft, ein Sprichwort, das auf die Bayern in Zukunft zutreffen könnte. 

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