Gleich zu Beginn seiner Vorstellung machte Alen Halilovic deutlich, dass er in Hamburg Grosses vorhabe. Wie sollte es auch anders sein, bekommt er doch das Trikot mit der Rückennummer 23, die zuletzt Rafael van der Vaart in gottesgleiche Sphären erhob. Kein leichtes Erbe also für den jungen Kroaten, der mit seinem Wechsel zum HSV endlich den Durchbruch in seiner noch sehr jungen Karriere schaffen möchte. Zwar gelang es den Hamburgenr ihn direkt zu verpflichten, Barcelona hat sich jedoch durch Rückkaufoptionen für die Zukunft ein Hintertürchen offen gelassen. Ist das Engagement Halilovics in Hamburg als nur eins auf Zeit? Auch in Zeiten fehlender guter Fussball-Management Simulationen überbruckt Transferkritiker die virtuelle und tatsächliche Spielwelt, um euch das Transferpaket Halilovic in Gänze zu erläutern.

Zwischen virtuellem Anspruch und Wirklichkeit

Halilovic, geboren im Jahre 1996, begann seine fussballerische Profilaufbahn bei keinem geringerem Klub als dem kroatischen Spitzenteam Dinamo Zagreb. Zu einem historischem Zeitpunkt im „Ewigen Derby“ zwischen Dinamo und Hajduk Split im September 2012 eingewechselt, wurde Halilovic mit 16 Jahren und 101 Tagen jüngster Debütant in der Geschichte des Klubs. Doch damit nicht genug: nur 11 Tage später machte ihn sein erster Treffer in der Liga zum jüngster Torschützen aller Zeiten – ein Rekord mit dem er seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Mateo Kovacic ablöste. Für Kovacic gegen Paris St. Germain im Oktober des gleichen Jahres eingewechselt, wurde Halilovic ferner zum jüngsten Spieler in der Champions League der Klubgeschichte, zum zweitjüngsten Debütanten in der Geschichte des Wettbewerbs überhaupt. Diese Vorschusslorbeeren führten schliesslich dazu, dass La Liga Primus FC Barcelona auf ihn aufmerksam wurde und ihn mit einem 5-Jahres-Vertrag ausgestattet in die katalanische Metropole lotsen konnte.

Zunächst sollte sich Halilovic jedoch bei Barcelona B für das Profiteam empfehlen und konnte dort mit starken Leistungen als Regisseur auf sich aufmerksam machen. Luis Enrique aber schien Halilovic in Anbetracht der Konkurrenz für noch nicht gut genug in der Zentrale der ersten Mannschaft zu erachten und so wurde der Youngster in der vergangenen Saison an Sporting Gijon verliehen. Dort überzeugte Halilovic auf Anhieb sowohl auf der Spielmacherposition als auch auf der rechten Aussenbahn. Seit Beginn seiner Karriere stellt die internationale Fussballwelt jedoch an kaum jemanden so hohe Ansprüche wie Halilovic. In der Riege europäischer Toptalente steht er in der öffentlichen Meinungen auf einer Stufe mit Spielern wie Youri Tielemans oder Breel Embolo. Nicht zuletzt die Ansprüche, die durch die virtuelle Fussballwelt FIFAs, bei der Halilovic mit einem enormen Potenzial ausgestattet ist, bei einer breiten Fanschicht erzeugt werden, machen es für Halilovic bisher schwer, dieser überzogenen Erwartungshaltung gerecht zu werden. Gelingt ihm nun in Hamburg der alles entscheidende Schritt?

„Controller“ im Mittelfeld

Auf dem Platz ist Halilovic ein Regisseur und Taktgeber, der von seinen Anlagen her an niemand geringeren als die Lichtgestalt Lionel Messi erinnert. Der junge Kroate besticht durch eine extrem enge Ballführung, die es in Kombination mit seinem aggressiven Dribblingsstil für die gegnerische Abwehr schwer macht, ihn ohne Foul vom Ball zu trennen. Seine Tempovorstösse erinnern dabei oft an die Messis, bei denen er mit einer herausragenden Technik durch die Defensivreihen cuttet, mehrere Mitspieler auf sich zieht und diese entweder stehen lässt oder so Raum für seine Mitspieler schafft. In Spielkonsolenmetaphorik wäre Halilovic so etwas wie die personifizierte X-Taste: Durch sein haarscharfes Passspiel und seine gute Spielübersicht ist er in der Lage, seine Mitspieler in Szene zu setzen und Bälle in die Schnittstellen der Abwehr und den tiefen Raum zu spielen, wodurch allzu oft gefährliche Torchancen entstehen. Das für sein Alter extrem ausgereifte Kurzpassspiel macht Halilovic zu einem sicheren Kombinationsspieler, dem nahezu keine Abspielfehler unterlaufen. Dadurch wird er dem Spiel der Hamburger Sicherheit verleihen können und im Zusammenspiel mit dem zuletzt erstarkten Lewis Holtby aus der Zentrale heraus Akzente setzen können. Als Spielgestalter ist Halilovic ein talentiertes Komplettpaket: Er kontrolliert das Spiel, bestimmt das Tempo und ist Cutter zugleich.

Potenzial nach oben besteht für Halilovic insbesondere in der Rückwärtsbewegung, der Physis und der taktischen Disziplin. Zwar ist er in der Orientierung nach vorne durch seine taktische Schulung bestens ausgestattet, wird sich jedoch zunächst an die für die Bundesliga exemplarischen taktischen Verbundsleistungen im Defensivbereich gewöhnen müssen. Halilovic versteht es sehr gut, durch seine Spielweise Fouls zu provozieren, die seiner Mannschaft aussichtsreiche Möglichkeiten eröffnen, wird in der Bundesliga jedoch auch daran arbeiten müssen, seinen Körper geschickter einzusetzen, um seine eigene Durchschlagskraft weiter zu erhöhen. Sollte er in Hamburg eher für die Zentrale als – wie zuletzt in Gijon – die rechte Aussenbahn eingeplant sein, sind dies Attribute, die ihm zu einem noch kompletteren Spieler werden lassen können.

Insgesamt ist den Hamburgern bei Halilovic insbesondere in Anbetracht der eher niedrigen Ablösesumme von 5 Millionen ein vergleichsweise sensationeller Transfer gelungen. Es ist diesmal kein Wechsel, der Unverständnis im Bereich des Preis-Leistungs-Verhältnisses hervorrufen sollte. Halilovic bekommt die Möglichkeit, sich unter Bruno Labbadia weiterzuentwickeln und Spielpraxis auf hohem Niveau zu bekommen, muss jedoch auch zunächst beweisen, dass er sein Potenzial abrufen kann. Immerhin scheint der Trainer ihn bisher vor einer gesteigerten Erwartungshaltung zu schützen und stellte ihn zuletzt mit Luca Waldschmidt auf eine Stufe. Wird Halilovic seine Eingewöhnungszeit nützen, sollte er definitv in der Zentrale gesetzt sein und zukünftig das Spiel des HSV steuern.

Autor: Julian Wacker

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