Der Mythos besagt, dass die griechische Sagengestalt Adonis aus dem Myrrhenbaum entsprang. Fernab vom antiken Geschehen kam im Februar 1997 ein anderer Adonis in Basel zur Welt – die Quellenlage seines genauen Ursprungs ist zu dürftig, um zu sagen, ob auch hier ein Myrrhenbaum im Spiel war. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass der Zwillingsbruder von unserem Adonis, nämlich Albian, künftig unter dem Schutz der Zirbelkiefer stehen wird. Denn deren Hüter, Stefan Reuter, lotste den Mittelstürmer just aus der Schweiz nach Schwaben. Albian Ajeti, Bruder von Adonis und Arlind Ajeti, ist der erste Winter-Neuzugang des FC Augsburg. Alles über diesen Transfer lest ihr im folgenden Artikel.

Sportliche Vergangenheit

Albian Ajetis sportliche Entwicklung kann treffend als stringent bezeichnet werden: Seine gesamte fußballerische Laufbahn verbrachte er bisher beim FC Basel, auch positionell gab es nicht viele Veränderungen für den Schweizer mit albanischen Wurzeln. Schon in der U15 lief er als Mittelstürmer auf, auch heute ist das noch seine Hauptposition. Im Seniorenbereich bestritt der Offensivmann 45 Spiele für die zweite Mannschaft des FCB, 18 Tore und eine Vorlage stehen für ihn in der Promotion League zu Buche. Fast alle Spiele absolvierte er als Mittelstürmer, lediglich bei der 4:2-Niederlage gegen den SC Cham im letzten September stand er als Linksaußen auf dem Platz. In der ersten Mannschaft gelang der Durchbruch noch nicht vollends, sechs Tore und vier Vorlagen aus 21 Spielen sind für einen Mann, der zumeist von der Bank kam, trotzdem eine ansehliche Quote. Auch in der UEFA Youth League, für die der Stürmer noch spielberechtigt ist, traf der 18-Jährige fast in jedem zweiten Spiel. Parallel zur Karriere im rot-blauen Dress der Basler durchlief Ajeti auch alle Jugendteams der Schweizer Nationalmannschaft: 12 Tore sind das Resultat aus 31 Spielen von der U15 bis zur U21, in welcher Ajeti auch aktuell noch im Kader steht. Noch am Tage des Wechsels zum FCA wurde von Schweizer Medien über ein Interesse aus England spekuliert, Newcastle United wolle Ajeti vorerst per Leihe an sich binden. Doch wenige Stunden später stand fest: Statt englischer heißt es jetzt deutscher Abstiegskampf für das Sturmtalent.

Stärken/Schwächen und Spielertyp

Wie schon erwähnt ist Ajeti ein Mittelstürmer durch und durch. Sein fußballerischer Charakter ist prädestiniert hierfür: Der Schweizer ist ein Athlet, nicht besonders groß, aber definiert, fast schon bullig. Er hat ein Gespür für fehlerhaftes Raumverhalten der verteidigenden Mannschaft, welches er durch ein perfektes Timing ausnutzt und so ein dankbarer Abnehmer für Schnittstellenbälle ist. Zu Gute kommt ihm hier natürlich auch sein schneller Antritt und die übrigen vorhin beschriebenen physischen Vorzüge, die es den Gegenspielern erschweren, einen erfolgreichen Zweikampf fair zu führen. Ajeti ist keiner, der permanent ins 1 gegen 1 geht, er sucht Freiräume, gewinnt Abstand zu den Verteidigern um sich selbst mehr Platz und Zeit zu verschaffen. Dies kann aber nicht einseitig als positive Gewohnheit eingestuft werden, oft bugsiert sich der 18-Jährige nämlich dadurch in eine torfernere Position oder lässt fallenden Verteidigern genug Zeit, sich wieder zwischen Mann und Tor zu bringen. Dass Ajeti in seiner Karriere fast ausschließlich als Mittelstürmer eingesetzt wurde, lässt sich somit auch hierauf zurückführen: Ein Spieler wie er tut sich schwer, das Spiel aufzuziehen, Ajeti ist einer für das letzte Drittel des Feldes. Trotzdem sollte keinesfalls der schwammige Begriff ,,Strafraumstürmer“ für ihn verwendet werden, dafür sind seine Wege zum Tor zu lang, auch über Außen, im Rücken der Abwehrspieler, kommt Ajeti gerne. Es bleibt festzuhalten: Der Offensivmann ist im Normalfall keiner für den drittletzten, sondern den letzten oder gegebenenfalls den vorletzten Ball.

Aktuelle Situation

Die interne Torjägerliste des FCA führt mit zwei Toren Vorsprung der Verteidiger Paul Verhaegh an. Allein diese Tatsache zeigt, woran es den Augsburgern vor allem zu Beginn der Saison noch fehlte: Einer torgefährlichen Offensive. Raul Bobadilla ist immer noch auf der Suche nach seiner Vorjahresform, Tim Matavz scheint auch nach eineinhalb Jahren noch nicht so richtig in der Bundesliga angekommen zu sein und Dong-Won Ji findet sich derzeit eher im offensiven Mittelfeld als an vorderster Front wieder. Es erscheint also logisch, dass Stefan Reuter und Markus Weinzierl nach einem Stürmer Ausschau hielten, wobei der Transfer von Albian Ajeti doch ein wenig überrascht. Schließlich holt man mit ihm einen noch sehr jungen Spieler, der zum ersten Mal überhaupt wechselt und wohl einige Zeit brauchen wird, bis er sich an das neue Umfeld gewöhnt hat. Zudem ist er sicher nicht als sofortige Stammkraft eingeplant, es erscheint wahrscheinlicher, dass ihm vorerst die Jokerrolle zukommt oder Ajeti Spielpraxis in der Regionalligamannschaft der Schwaben Spielpraxis sammeln soll. Im von Weinzierl favorisierten  4-2-3-1 – System kann der Schweizer Nationalspieler aber nahtlos die Rolle der alleinigen Spitze spielen, zudem kommt ihm das schnelle Umschaltspiel der Augsburger zu Gute. a8Auch bei Basel war er diese Art von Fußball gewohnt, in der Zweiten unter Massimo Ceccaroni, der – wie er selbst sagt – für offensiv ausgerichteten Fußball steht, und bei den Profis unter Urs Fischer, der sich nach eigenen Aussagen an Lucien Favre orientiert, jedoch noch
offensiver denkt. Rückkehrer Nikola Djurdjic, der sich berechtigte Hoffnungen auf eine Chance in der Bundesliga macht sowie der Ex-Burghauser Basti Kurz, der wohl auf den ein oder anderen Kurzeinsatz hofft, sehen sich nun einem neuen Konkurrenten gegenübergestellt.

Fazit

Mit Albian Ajeti hat Stefan Reuter erneut seine kluge Personalpolitik unter Beweis gestellt und einen jungen, aussichtsreichen Spieler verpflichtet. Der 18-Jährige, der einen Vertrag bis 2020 erhält, ist aber nicht nur ein langfristiger Einkauf, sondern auch einer, der durch seine Leistungen in Basel schon zeigte, dass er auf dem Platz nicht viel Zeit braucht, um ein Tor zu schießen. Somit kann er noch in dieser Saison wertvoll werden. Ob er seine Vereinstreue erneut unter Beweis stellt und die kommenden vier Jahre dem Wappen mit der Zirbelnuss treu ergeben ist, wird die Zeit zeigen. Ebenso, ob Ajeti an neuer Wirkungsstätte aufblüht oder verwelkt – ein guter Dünger ist ihm mit Markus Weinzierl auf jeden Fall an die Hand gegeben.

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