Nachdem die französische Ligue 1 in den vergangenen Jahren besonders durch den Export von hochveranlagten Talenten (Martial, Mahrez, Dembélé) auf sich aufmerksam gemacht hat und dies mit dem Transfer von Paul-Georges Ntep zum VfL Wolfsburg auch in dieser Transferperiode wieder unter Beweis gestellt hat, wandelt sich die Landschaft in der höchsten Spielklasse Frankreichs ein wenig. Taktikfuchs Favre besticht durch ansehnlichen und disziplinierten Fußball in Nizza, der es sogar schafft, die Fleischwerdung des Terminus enfant terrible, Mario Balotelli, zumindest temporär zu zähmen. Europa League-Dominator Unai Emery hingegen konnte zuletzt – auch nach dem Abgang Ibrakadabras – nicht an die Ära Laurent Blancs bei Paris anknüpfen. Auch deswegen schlug PSG besonders ausgiebig auf dem Wintertransfermarkt zu und nimmt zwei der vier zu vergebenen Plätze in unserem Ranking ein. Doch auch die anderen Top-Vereine zeigen: Die Ligue 1 lebt und strahlt wieder.

4. Gonçalo Guedes, Paris St. Germain:

Der portugiesische Junioren-Nationalspieler stammt aus der Akademie von Benfica Lissabon, die ja erst jüngst im Sommer das wohl größte Juwel an der Algarve, Renato Sanches, zum FC Bayern transferiert hat. Dass Benfica sich jedes Jahr erneut erfinden muss, liegt in der Natur der Sache, wenn europäische Top-Klubs anklopfen. So auch im Fall Guedes: Der Offensivallrounder, dessen Stärken vor allem auf der Position der hängenden Spitze ähnlich eines Yunus Malli zur Geltung kommen, schließt sich dem PSG an. Dabei zeichnen Guedes vor allem seine Wendigkeit und sein Gespür für Räume aus, die es ihm erlauben, nicht nur als Anspielstation und umtriebiger Ballverteiler im vordersten Drittel zu fungieren, sondern zukünftig Sturmtank Edinson Cavani bienenähnlich zu umschwirren, zu füttern oder selbst den Abschluss zu suchen. Auch ein Auftritt als berüchtigte Falsche 9 ist denkbar.

3. Dimitri Payet, Olympique Marseille:

Boom-Boom-Payet, wohl einer DER Spieler und Neu-Nationalhelden der vergangenen Europameisterschaft kehrt zu dem Klub zurück, der ihn groß gemacht hat und den er zukünftig wieder groß machen möchte: Olympique Marseille, das sich zugleich mit Morgan Sanson und Patrice Evra einen weiteren hochtalentierten und einen hochdekorierten Zugang sichern konnte. Der einstige europäische Spitzenverein verstärkt sich mit dem dribbelstarken Spielmacher Payet mit der ausgefeilten Schusstechnik, die aus Nähe und vor allem Distanz Tormann Trapp und andere Schlussmänner vor Probleme stellen wird. Mit einem niedrigen Schwerpunkt und guter Physis ausgestatt, ist Payet in der Zentrale oder auf dem linken Flügel nur schwer vom Ball zu trennen – zieht er das Foul, versenkt er den ruhenden Ball danach häufig selbst im gegnerischen Tor. Dabei zeichnen ihn mit 29 Jahren eine Ruhe und Gelassenheit am Spielgerät aus, die Marseille bereichern wird. Unserer Meinung nach: ein absoluter Top-Transfer.

2. Memphis Depay, Olympique Lyon:

Kommen wir zum nächsten Freistoßspezialisten und Missverständnis in der Premier League: Der Mann, der beim PSV Eindhoven noch regelmäßig die Liga zusammengeschossen hat, wagt nach seiner nüchternen Zeit bei Manchester United den Schritt zum hochveranlagten Lyon, welches in den nächsten Jahren eine interessante Rolle im nationalen und europäischen Kontext spielen kann. Memphis, wie es auf seinem Trikot prangt, spielt vergleichbar zu Payet auf dem linken Flügel, bringt jedoch noch mehr Geschwindigkeit in der Vertikalität auf den Rasen. Den Ball etwas weiter vom Fuß führend nutzt Depay in der Vorwärtsbewegung vor allem sein explosiver Antritt – in der Rückwärtsbewegung kaum zu gebrauchen, muss er noch an seinen taktischen Verständnis arbeiten. Aber: Payet und Depay streiten sich zukünftig definitiv um den Titel des besten Außenbahnspielers.

1. Julian Draxler, Paris St. Germain:

Wie könnte es anders sein, Julian Draxler taucht natürlich in diesem Ranking auf. Der Mann, dessen 42-Million-Transfer dem VfL Wolfsburg die Liquidität für die Neuzugänge Bazoer, Malli und Ntep in die Kassen gespült hat, bewirbt sich auch für den Preis des besten Linksaußen. Doch wir haben mit Draxler anderers vor: Im System Emerys kann er vor allem auch auf der 10 eingesetzt werden , und seine Spielmacherqualitäten, die besonders durch seinen Zug zum Tor und seine dribbelstärke ins Auge stechen, zur Geltung bringen. Ähnlich des störrischen Payets, der seinen Abgang von West Ham durch Spielboykott forcierte, bringt Draxlers Transfer einen biederen Beigeschmack mit sich. „Söldner“, „Charakterschwein“ und andere weniger nette Begriffe sind auch bei diesem Wechsel gefallen, der nach Draxlers unglücklichem Abgang aus Gelsenkirchen so etwas wie einen roten Faden in der Karriere des Weltmeisters erahnen lässt. Wir konzentrieren uns hier jedoch auf das Fußballerische und da ist Draxler ein klarer Gewinn für den französischen Hauptstadtklub. Er macht die Offensivreihe noch unberechenbarer und kann nun endgültig zeigen, dass er das Zeug zur Weltklasse hat. Nicht nur aufgrund der finanziellen Dimension ist Draxler daher unser Top-Zugang der Ligue 1.

Honorable Mentions:

Morgan Sanson (Olympique Marseille), Anwar El Ghazi (Lille OSC), Parice Evra (Olympique Marseille), Jorge (AS Monaco), Younousse Sankharé (Girondins Bordeaux), Nordi Mukiele (HSC Montpellier), Mathieu Bodmer (EA Guingamp)

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