Als ,,das Spiel der Spiele“ wurde das Duell FC Ingolstadt vs. SC Freiburg heute auf Social Media von spielverlagerung.de im Vorfeld der Spitzenpartie Bayern-Leipzig angekündigt. Und so sicher das Schmunzeln in den Gesichtern der Leser war, so sicher ist das Duell zwischen Walpurgis Renaissance-Kriegern und Streichs optimistischen Dauerläufern auch eine sehr interessante Begegnung, auch wenn sie für die Wintertransferperiode, um die es ja weiter unten geht, eher wenig Bedeutung haben wird – trotz gesicherter mimisch unterstützter Streich-Authentik während und nach des Spiels. Und obwohl sich Christian Streich, Identifikationsfigur des SCF, regelmäßig und eifrig an Diskussionen beteiligt (ob sie nun fußballerischer, politischer oder wirtschaftlicher Natur sind, spielt keine Rolle), liegen ihm Spekulationen oder Debatten um mögliche Transfers sehr, sehr fern. Was eines der Breisgauer Erfolgsgeheimnisse ist.

Jogi weiß Bescheid

Wer hätte wohl gedacht, dass die Freiburger Nils Petersen auch trotz des Zweitligaabstiegs halten könnten? Wer hätte gedacht, dass sie einen international als Toptalent deklarierten Spieler wie Caglar Söyüncü als Aufsteiger verpflichten würden? Wer hätte gedacht, dass sie eine mindestens als stabil zu bezeichnende Hinrunde hinlegen würden? Nicht viele werden das gedacht haben, einige aber geahnt und gehofft. Zu diesen gehören Klemens Hartenbach und Jochen Saier, die bereits vorletzte Saison mit dem Festhalten an Christian Streich den ersten Stein zum Erfolg von heute gelegt haben. In einem an Besonnenheit und Ruhe kaum zu übertreffenden Gebaren werden regelmäßig die nötigen Strukturen für den sportlichen Erfolg geschaffen – der bestmöglichst auch die Rückrunde über anhalten sollte, um einen finanziell ja dann doch recht schmerzlichen Abstieg zu vermeiden.

In den letzten Tagen machte Jogi Löw nach längerer Zeit wieder auf sich aufmerksam, als er in einem Interview erzählte, dass er Sandro Wagner Chancen für die Nationalelf einräumen würde. Im selben Interview beantwortete er auch die Frage nach dem für ihn beeindruckendsten Trainer der Bundesliga mit: Christian Streich. Begründung: Aus kleinen Mitteln formt er in einer unnachahmlichen Disziplin (um nicht zu sagen: Sturheit) eine Mannschaft, die taktisch potent und variabel ist und darüber hinaus traditionell extrem lauf- und kampfstark. Genau das beschert ihm jetzt auch den zehnten Tabellenplatz, wobei die ein oder andere Schwäche des Systems schon ausgemacht wurde, etwa bei der 3:0-Niederlage in Köln, bei der Streich seiner Mannschaft am Ende trotzdem gute Arbeit bescheinigte. Denn man hatte ja nicht anders gespielt als sonst, aber die Stöger-Elf in diesem Spiel die Schwächen der Breisgauer ausgemacht und gnadenlos effektiv genutzt.

Und die Schwächen, wie man vielleicht vermuten würde, liegen nicht etwa in der Defensive, die in der Spitze und Breite gut genug besetzt ist, und auch nicht an vorderster Front (allen voran Petersen und Niederlechner), sondern im Mittelfeld. Denn hier ist die Struktur mit den anderen zentralen Mittelfeldspielern (Streich lässt ja gerne Raute spielen) ein ums andere Mal nicht belastbar genug, um hohem bzw. gezieltem Druck standzuhalten. Es fehlt einerseits ein Spieler, der den Fußpunkt der Raute bekleiden könnte und so auch ein wenig spielerische Alternative bieten würde, andererseits an Spieler für die beiden Außenpositionen, der bestenfalls auch im offensiven Zentrum spielen könnte. Umso dringlicher wird dieser, wenn mögliche Abgänge von Philipp und eventuell auch Grifo sogar schon im Winter geschehen würden.

No risk, no fun – im worst case

Für erstere Position empfiehlt es sich, Niklas Dorsch vom FC Bayern auszuleihen. Der A-Jugendliche, der bereits einiges an erste-Mannschaft-Luft geschnuppert hat und ein Schlüsselspieler in der U23 ist, könnte durch eine Rückrunde oder mehr in der Bundesliga extrem wachsen, was auch im Interesse des FC Bayern ist. Dorsch ist ein kleiner Spieler für die Position, besitzt dafür aber ein überlegtes Stellungsspiel und eine kluge Spieleröffnung – nichtssagende Floskeln, die erst durch einen Vergleich mit dem bestehenden SCF-Personal an Farbe gewinnen. Im Gegensatz zu Höfler, der bisher oft spielt, ist Dorschs Aufbauspiel facettenreicher, was auch mit seiner staturbedingten technischen Überlegenheit einhergeht. Und was ihm ein Schuster oder Meffert an körperlicher Präsenz voraushat, kompensiert er mit Abstrichen durch eine überdurchschnittlich aggressive Zweikampfführung. Mit Dorsch hätten die Freiburger eine weitere Alternative, die jung und offen für streichsche taktische Variabilität wäre und zudem technisch durch die sportliche Vergangenheit bereits sehr weit. Für Dorsch böte sich mit den Breisgauern die Gelegenheit, sich auf höchster Ebene zu beweisen, viel zu lernen und in einem ruhigen und familiären Umfeld, das zudem in einer überschaubaren Distanz zu München zu finden ist, zu spielen.

Einen passenden Spieler für Problemstelle Nummer zwei zu finden, gestaltet sich ungleich schwerer. Polyvalenz ist trendig (siehe Tuchel), die Kragenweite Freiburg außerdem schwer definierbar. Letztendlich ergeben sich zwei Modelle: A) Ein junger No-Name Spieler, der Potential hat, unkompliziert ist und sich schnell einfügen würde. Diesen Kriterien entspricht der 19-jährige Ihsan Sacko von Racing Straßburg, eine Autostunde entfernt. Der mit 1,66 Metern sehr kleine Spieler wurde im Sommer aus der zweiten Mannschaft hochgezogen und hat sich schnell etabliert. Sacko ist – wie man es von einem Spieler seiner Größe erwarten würde – technisch sehr beschlagen, extrem wendig und ballsicher. So hat er in zehn Einsätzen in Frankreichs zweiter Liga als Mittelfeldspieler auch zwei Tore erzielt, obwohl er nur vier mal über die volle Länge kam. Im Ligapokal schoss der Franzose, der sowohl im Zentrum, als auch Außen zum Einsatz kam, seine Mannschaft mit dem spielentscheidenden Tor zum 1:0 Entstand in die zweite Runde.

Ob es bereits für die Bundesliga reicht, ist fraglich. Doch Sacko wäre günstig zu kriegen – man könnte auf einen Philipp-und-Grifo-Verbleib bis mindestens Sommer spekulieren und den Dribbler, der die Freiburger Offensive technisch ohne Frage aufwerten würde, in dieser Zeit an die Bundesliga heranführen.
Modell B) beschreibt einen Spieler, der dem Level der Bundesliga auf Anhieb gerecht werden würde, den Kader ohne Frage in die Spitze aufwerten würde, dessen Eingliederung in die Mannschaft und das Stemmen des Gehalts sich aber schwierig gestalten könnte. Die Rede ist von Zakaria Labyad, 23 Jahre alter Marokkaner und bis zum Sommer nach einigen Querelen in den Diensten von Sporting Lissabon. Labyad, der vor vier Jahren als eines der größten Talente der Niederlande galt (bei PSV Eindhoven sorgte er regelmäßig für Offensivspektakel, 19 Tore erzielte er in der Eredivisie), traf allerdings früh die falsche Entscheidung, als er zu Sporting Lissabon wechselte, wo man sein fürstliches Jahresgehalt (kolportierte 1,3 Millionen Euro) bald nicht mehr bezahlen konnte.

Der Marokkaner wurde ausgeliehen (Fulham und Arnheim – beides Flops) und ist seit Sommer vereinslos, weil ihn der portugiesische Hauptstadtclub zwang, den Vertrag aufzulösen. Die große Frage ist: Hat es Labyad geschafft, Ansprüche und Realität zu vereinen, würde er sich mit einem verhältnismäßig kleinen Gehalt wie in Freiburg zufrieden geben und sieht er, dass ein ruhiges Umfeld wie das dortige seiner Entwicklung nur zuträglich sein kann? Wenn das der Fall ist, was in ausgiebigen persönlichen Gesprächen geklärt werden müsste, stellt sich die Frage auf der Gegenseite: Traut man sich, Zakaria Labyad zu verpflichten? Wenn alles stimmt (was aus vernünftigen Gründen sehr wahrscheinlich wäre), hätten die Freiburger einen Offensivspieler, der problemlos mit Philipp und Grifo konkurrieren könnte.

To-do-Liste

Ohne Frage werden Hartenbach und Saier mir ihrem Team bereits deutlich mehr in diese Fragen investiert haben als TK – und haben hoffentlich die gleichen Schlüsse gezogen. Dann steht nämlich auf der To-Do-Liste:
– Bayern kontaktieren und Dorsch ausleihen;
– mit Grifo und Philipp reden; dann
– Sacko verpflichten; oder im schlechteren Fall
– Labyad kontaktieren.

Um dann in der Rückrunde mit der Durchschnitts-Aufstellung Schwolow-Günter,Söyüncü,Kempf,Ignjovski-Dorsch-Sacko/Grifo,Philipp,Bulut-Niederlechner,Petersen den Klassenerhalt zu realisieren.

Klingt nach einem Plan, oder?

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