Volkswagen war in letzter Zeit damit beschäftigt die Konsequenzen des Abgasskandals mit ungeheuren Unsummen zu bewältigen und alle fällig gewordenen Strafen zu bezahlen. Da das also bei VW grad en vogue ist, nimmt nun auch die Wolfsburger Fußballabteilung viel Geld in die Hand und versucht den Draxlerskandal so schnell wie möglich vergessen zu machen, indem 12,5 Mio. Euro in Yunus Malli investiert werden. Aber sind die investierten Millionen wieder mehr Strafe als Befreiung und macht der Wechsel überhaupt für Malli Sinn? Ob diesmal alles so glatt lief, wie deutsche Straßen im Januar 17 sind, versuchen wir herauszufinden.

Malle, eh, Malli-Party

Auf dem ersten Blick passt es sportlich vor allem für Wolfsburg. Yunus Malli hat bewiesen, dass er ein hervorragender Bundesligaspieler ist. Seit er 2011 als Rohdiamant aus Gladbach nach Mainz kam nahm er eine Entwicklung von der viele junge Spieler träumen dürften und die ihn heute sogar zu einem der Topscorer Deutschlands macht (6 Tore/6 Assists).

Malli ist ein sehr beweglicher Spielgestalter, der sich von der zentralen Offensivposition in jede mögliche Position bewegt und sie gut beherrscht. Sein Spiel wird von seinem Fintenreichtum dominiert mit dem er viele Gegner durch geschickte Körpertäuschungen und angedeutete Aktionen ins Leere laufen lässt und somit neuen Platz gewinnt, um abzuschließen oder einen genauen Pass an den Mann zu bringen. Ansonsten kann er mit seinem schnellen Antritt ohne Probleme vor dem letzten Angriffsdrittel ein oder zwei Leute nach Ballannahme überlaufen und somit eine neue, gute Situation kreieren.

In Wolfsburg kann er dann vor allem noch an seinen Defensivqualitäten arbeiten, die die kompaktere Gesamtarbeit der Wölfe sicherlich von ihm Abverlangen wird.  Auch werden ihm hier und dort einige Konzentrationsschwächen nachgesagt, die es abzustellen gilt.

VFL Trainer Ismael sagt zumindest über den Neuzugang: Yunus ist der klassische Zehner, den man gerne in einer Mannschaft hat. Er ist komplett für mich. Er ist der Spieler, der den Unterschied macht.

Rudelbildung

Bei Wolfsburg ist durch den Draxler Verkauf finanzieller Spielraum und ein Platz in der Startelf frei geworden, den Malli wunderbar belegen kann. Auch, weil ein anderer Mann, der sein können gerne auf der ZOM Position zeigen würde seit langer Zeit mit Kniebeschwerden zu kämpfen hat, deren Ende nicht absehbar ist: Daniel Didavi.

Malli wäre also Verantwortlich für Pässe auf Sturmstar Gomez oder würde neben ihm, oder besser gesagt, um ihm herum, selbst als Vollstrecker agieren. Seine Torgefährlichkeit ist für die Wölfe ein echter Pluspunkt und sollte Malli sehr wichtig werden lassen. Generell hat Wolfsburg, zumindest auf dem Papier, eine ausgezeichnete Offensive, die wesentlich mehr Tore erzielen sollte, als sie es bis jetzt tat. We’ll see.

Die Dynamik des Geldes

Obwohl Wolfsburg zur Zeit drei Plätze hinter den Mainzern steht, zeigt dieser Transfer einmal mehr, dass der eigentlich Unterschied der Klubs nicht durch die Tabellen Konstellation aufgezeigt wird, sondern durch den Kontostand. Bei den Wölfen dürfte Malli ein Vielfaches seines, bestimmt nicht niedrigen, Mainzer Gehaltes bekommen und die Millionen der VW Kicker bestimmen auch die Machtlosigkeit der Mainzer, die Malli bestimmt nicht gerne gehen lassen, nachdem im Sommer mit Karius und Baumgartlinger bereits zwei Leistungsträger den Verein verlassen hatten. Ganz ehrlich: Wer gibt schon gern seinen besten Mann ab. Aber Malli hätte im Sommer festgeschrieben für 9 Mio. gehen können und der Winter war die Chance noch mehr rauszuholen. Geld regiert die Welt und den Fußball und Wolfsburg möchte wieder mehr mitregieren, als sie es zur Zeit tun. Wir dürfen gespannt sein, wer da am ersten Spieltag dieses Jahres noch alles im Wölfekader auftaucht.

Wölfe halten keinen Winterschlaf

Nichts desto trotz kann Malli in Wolfsburg und Wolfsburg mit Malli glücklich werden. Bereits letzten Winter flirtete der türkische Nationalspieler mit Borussia Dortmund und es wird deutlich, dass Malli die Mainzer Fußballwelt einfach zu klein geworden ist. In Wolfsbrug kann er wohl, wie in Mainz, ebenfalls gestalten wie er möchte und er kann (und muss) maßgeblich dazu beitragen den VFL wieder dahin zu hieven, wo sie nach ihrem Selbstverständnis auch hingehören. Mit neuem Sportdirektor, Trainer und Spielmacher kann der VFL Wolfsburg jetzt nochmal angreifen und die Rückrunde nutzen, um auch die Tabellenkonstellation zu ihren Gunsten zu ändern. Das Geld um Skandale zu relativieren ist zwar da, aber der Tabellenplatz ist, bis jetzt, zum Glück noch nicht käuflich.

 

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