Ist man Fan eines Fußball-Vereins, so erlebt man über die Jahre sehr viel. Die Mannschaft verändert sich stets, feiert Erfolge oder erlebt Niederlagen. Doch egal, wie es gerade läuft – man bleibt Fan des Vereins und macht Alles mit. Ich bin seit mindestens 15 Jahren Schalke-Fan und habe logischerweise seitdem zahlreiche Höhen und Tiefen miterlebt und das womöglich mehr als die Fans anderer Vereine. Aber warum „seit mindestens 15 Jahren“? Das liegt daran, dass ich das genaue Datum nicht beziffern kann. Aber wie und warum ich Schalke-Fan wurde, warum ich immer noch Schalke-Fan bin und über vieles weiteres will ich heute schreiben.

 

Wie alles begann

Es war die Saison 2000/01, in der Schalke erstaunlich gute Leistungen brachte und dadurch oben mitspielte. Als kleiner Junge hatte ich mich schon immer für Fußball interessiert, selber auch mit mäßigem Erfolg im Grundschulalter gespielt. Als Schalke am 11.11.2000 die Bayern mit 3:2 im Parkstadion besiegte, war ich begeistert von dieser Leistung und fing an, starke Sympathien für Königsblau zu hegen. Spätestens als in der Rückrunde auch noch ein 3:1 in München gelang und Ebbe Sand dabei alle drei Tore schoss, war ich Schalke-Fan und Sand wurde mein absoluter Lieblingsspieler. Auch die anderen Spieler fand ich toll: Andi Möller, der im Mittelfeld die Fäden zog, Emile Mpenza, der neben Sand auch so einige Tore schoss und auch Spieler wie Reck, Waldoch oder Asamoah. Auch nach dem Sieg in München ging die Saison super weiter, doch der krönende Abschluss sollte am Ende fehlen – was mich sogleich zum Thema Misserfolge bringt.

 

Bittere Momente…

Denn wenn ich an diese Spielzeit 2000/01 denke, dann kommt mir natürlich auch meine bitterste Erfahrung als Schalke-Fan in Erinnerung. Am letzten Spieltag musste ein Sieg gegen Unterhaching her, Bayern musste in Hamburg verlieren. Der Erfolg gegen die Hachinger gelang spektakulär, mit 5:3 gingen meine Königsblauen als Sieger vom Platz. Zugleich schoss Sergej Barbarez in der 90. Minute das 1:0 für Hamburg, der Meistertitel war zum Greifen nah. Doch dann kamen die Nachspielzeit, der indirekte Freistoß für die Bayern und Patrik Andersson. Ich weiß, dass viele Schalker Fans nun beim Lesen wieder den Schmerz verspüren werden, den sie und auch ich damals verspürt haben. Denn Andersson traf durch den Hamburger Hühnerhaufen hindurch zum 1:1 ins Tor, Bayern wurde Meister und Schalke blieb nur „Meister der Herzen“. Wie alle Schalker Fans war ich fassungslos und konnte es kaum glauben. Wütend warf ich Sofakissen umher. Bilder von weinenden Schalker Fans und Oliver Kahns überschwänglichem Jubel mit der Hamburger Eckfahne brannten sich mir ins Gedächtnis. Diesen Tag werde ich nie in meinem Leben vergessen. Fast ebenso enttäuschend war die verspielte Meisterschaft 2006/07. Am vorletzten Spieltag bedeutete das 0:2 in Dortmund quasi die Entscheidung im Titelkampf, ein Sieg am letzten Spieltag gegen Bielefeld nützte nichts mehr, da Stuttgart gegen Cottbus gewann und sich den Meistertitel holte.

 

…und große Erfolge

Zurück zur Spielzeit 2000/01, denn am Ende gab es trotzdem noch einen großen Erfolg zu feiern. Das Pokalfinale stand an und Jörg Böhme schoss Königsblau mit zwei Treffern zum Sieg über Union Berlin. Ein wunderbarer Moment, der ein Jahr später mit einem 4:2 gegen Bayer Leverkusen sogar wiederholt werden konnte. Ebenso bleibt mir der Pokalerfolg 2011 in Erinnerung, auch wenn ich den damaligen 5:0-Erfolg gegen Duisburg leider nicht live mitverfolgen konnte.

Wenn ich aber den schönsten Moment in 15 Jahren Fan-Dasein bestimmen müsste, so fällt mir zuallererst das 5:2 im April 2011 in Mailand gegen den damals amtierenden Champions League-Sieger Inter Mailand ein. Einfach ein Wahnsinnsspiel. Spektakulär allein, wie es losging: mit Stankovics Tor von der Mittellinie über Neuer hinweg, nachdem dieser zuvor per Kopf nach vorne geklärt hatte. Zweimal konnte Schalke bis zur Pause mit Toren von Matip und Edu ausgleichen. Nach der Pause spielte Schalke Inter dann zunehmend an die Wand: Señor Raúl traf, es folgte ein Eigentor von Inter und Edu traf im wahrscheinlich besten Spiel seiner Karriere aus der Drehung zum 5:2. Beeindruckend, wie unter anderem damals Farfán die Inter-Defensive durcheinanderwirbelte und der Gegner irgendwann stehend K.O. erschien. Das ganze Spiel war eine Sensation und ich konnte vor dem Fernseher meinen Augen kaum trauen. Außerdem sind mir an tollen Spielen auch ein 5:1 gegen die Bayern 2002 oder das 7:4 gegen Leverkusen 2006 in Erinnerung.

 

Stadionbesuche

Da ich aus Nordhessen komme, war ich noch nicht oft bei Spielen von Schalke, sondern verfolge sie meist im Fernsehen. Ein paar Mal habe ich meinen Herzensverein dann aber doch schon live gesehen. Zum Beispiel bei Testspielen in Kassel und Baunatal (bei Kassel), als Siege gegen Roda Kerkrade und Girondins Bordeaux gelangen. Das Highlight jedoch war das Spiel am 18.08.2007, als ich zum ersten Mal auf Schalke war und mit einem 4:1 gegen Dortmund zumindest teilweise die Revanche für die vermasselte Meisterschaft wenige Monate zuvor glückte. Bordon köpfte die Führung, Pander erhöhte mit einem seiner herrlichen Freistoßtore und „Asa“ legte in der zweiten Hälfte das 3:0 nach. Valdez machte etwas überraschend das 1:3, doch Kuranyi sorgte bald danach schon mit seinem Kopfballtor zum 4:1 für den Endstand. Peter Lövenkrands vergab sogar noch die große Chance zum 5:1.

Wenige Monate später war ich auch in Hannover dabei, als ein 3:2-Auswärtserfolg gelang, bei dem Halil Altintop das Siegtor schoss. Es war bitterkalt, aber ich konnte einen Sieg meines Teams feiern und außerdem gab es Glühwein. Nach vier Siegen, die ich bejubeln konnte kam es allerdings zum Duell gegen Kaiserslautern, das ich mir im Oktober 2011 auf Schalke anschaute. Meine persönliche Siegesserie riss, denn Kaiserslautern siegte sehr überraschend mit 2:1, Dorge Kouemaha (ich musste den Namen extra nachschauen, das sagt alles über den Bekanntheitsgrad) markierte den Siegtreffer. Das war ein Spiel, das mich tief enttäuschte und seitdem wünsche ich mir, endlich mal wieder einen Sieg im Stadion bejubeln zu können.

 

Warum ich Schalke-Fan bleibe

Der FC Schalke 04 ist und bleibt einfach immer ein einzigartiger Verein. Hier ist immer etwas los, hier kehrt nie richtig Ruhe ein. Das nervt mich mitunter auch manchmal, aber es zeigt auch, mit wie viel Begeisterung die Fans dabei sind. In dieser Hinsicht ist Schalke wohl ziemlich einzigartig, es gibt kaum einen Verein, bei dem die Anhänger so leidenschaftlich das Tun ihrer Mannschaft und der weiteren Verantwortlichen verfolgen. Die Höhen und Tiefen sind hier oft noch einmal höher und tiefer als bei anderen Clubs. Ist ganz Schalke nach einem Erfolg wie zum Beispiel einem Derbysieg noch himmelhochjauchzend, kann die Stimmung innerhalb kürzester Zeit bei Misserfolgen in zu Tode betrübt oder gar wütend umschlagen. Da ist einfach das pralle Leben mit allen Emotionen drin. Ganz so emotional bin ich jedoch meist nicht bei der Sache. Ich weiß, dass es noch einige viel wichtigere Dinge im Leben gibt als Fußball. Das Spiel mit dem runden Leder ist für mich eine Nebensache – wenn auch die wichtigste Nebensache der Welt. Läuft es gut, dann genieße ich die Erfolge der Schalker Mannschaft. Ist dagegen eine Durststrecke im Gange, so versuche ich, mir keine schlechte Laune dadurch machen zu lassen und die Misere herunter zu spielen. Doch insgesamt bin ich in 15 Jahren Schalke immer treu geblieben, egal wie es gerade lief. Meine Begeisterung für Schalke ist eine Leidenschaft, die oft Leiden schafft, genauso aber auch viele schöne Momente beschert. Dafür liebe ich Schalke – so, wie jeder Fußballfan seinen Verein liebt.

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