In unserem heutigen Artikel der „Topliste“-Rubrik beleuchten wir diejenigen Wechsel, die oft als „Transferclou“ betitelt werden oder dem Manager ein „gutes Händchen“ bescheinigen: preiswerte Wechsel, die das Team jedoch entscheidend verstärken. Transferkritiker hat also heute mal Zinkwaage und Rechenschieber aus Muttis Keller geholt und nennt euch vier Transfers, die durch gute Leistungen und einen günstigen Preis besonders ins Gewicht fallen.

 

1. Tobias Strobl – ablösefrei, Borussia Mönchengladbach

Mit Jannik Vestergaard und Christoph Kramer hat Borussia Mönchengladbach in der letzten Transferperiode zwei Spieler im zweistelligen Millionenbereich verpflichtet, die die Defensive insbesondere nach den hochkarätigen Abgängen der Kapitäne Martin Stranzl und Granit Xhaka stabilisieren sollten. Auch Harvard Nordtveit hatte die Borussia in Richtung West Ham United verlassen und ein Spieler wurde von Fans und Kritikern zugleich als quasi 1:1-Ersatz für den zuverlässigen Norweger gekennzeichnet: Tobias Strobl. Aus Hoffenheim gekommen galt der Defensivallrounder zunächst als „keine echte Verstärkung“ im Vergleich zur bereits bestehenden defensiven Reihe. Schon in der Vorbereitung wusste Strobl durch seine Einsatzbereitschaft und seine unauffällige, aber solide Spielweise zu überzeugen. Als defensiver Part einer Doppelsechs mit Christoph Kramer sorgte er in den entscheidenden CL-Quali Spielen gegen die Young Boys Bern für eine ausgewogene Balance zwischen Angriff und Abwehr, ein Umstand, der nicht zuletzt den formschwachen Mo Dahoud auf die Bank beförderte. Schon bald zeigte Strobl mit seiner Entschlossenheit im Zweikampf und einem guten Stellungs- und Kopfballspiel auch seine Stärken in der Innenverteidigung. Wenngleich der Ex-Hoffenheimer technisch limitiert ist und mit seinen Abwehrleistungen keine Bäume ausreißen wird, hat er in der Frühphase der Saison bereits bewiesen, dass er ein entscheidenes Puzzleteil im Gladbacher Defensivverbund darstellt und in der Zukunft noch wichtig werden kann.
Fazit: Eberl hat mal wieder Gespür auf dem Transfermarkt bewiesen und zumindest den Nordtveit-Abgang angemessen kompensiert.

2. Antonio Colak – 150.000 Euro (Leihe), SV Darmstadt 05

Was für manch große etablierte Bundesligisten als „Schnäppchen“ betitelt wird, ist für die Lilien knallhartes Geschäft: aufgrund begrenzter finanzieller Mittel ist das sportliche Duo Fach/Meier dazu gezwungen kreative Lösungen zu Tage zu fördern, die den Kader entscheidend verstärken – allerdings operieren sie hierbei in ganz anderen, strikt limitierten fiskalen Dimensionen. Nach dem Abgang Sandro Wagners (welcher mit nur 2,8 Millionen Euro Ablöse gut und gerne auch in dieser Rubrik auftauchen könnte) zur TSG Hoffenheim verpflichtete Darmstadt mit Antonio Colak im Gegenzug per Leihe ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt aus Sinsheim. Nicht zuletzt dank seines Hattricks in der ersten Runden des DFB-Pokals sollte Colak für einiges Erstaunen bei Fans und Kritikern gesorgt haben. Mit seinem guten Körperspiel versteht er es als zentrale Sturmspitze dabei vor allem, die Bälle zu verteilen und auch selbst in den entscheidenen Momenten durch ein gutes Stellungsspiel an vorderster Linie den Ball ins gegnerische Gehäuse zu bugsieren.  Colak funktioniert auch dadurch bisher, dass das Team trotz einiger Abgänge auf eine Spielweise mit einem zentralen Stoßstürmer ausgerichtet ist. Für Darmstadt ist der Deutsch-Kroate (der übrigens in der Vergangenheit für Kroatiens U20 auflief) insbesondere aufgrund seines für den Verein erheblichen Potenzials und seiner geringen Ablöse ein echtes Schnäppchen in der deutschen Transferwelt.
Fazit: Auch wenn Antonio Colak in seiner weiteren Laufbahn vielleicht nicht zu den größten Stürmern seiner Zunft heranwachsen wird, so hat er in den ersten Spielen für Darmstadt jedoch angedeutet, dass er die Rolle des vordersten Stürmers überraschend gut ausführen kann – Top Preis-Leistungsverhältnis! Ob er nach der Leihe jedoch bei Darmstadt bleiben wird, hängt sowohl von Colaks Leistungen als auch von Darmstadts Endplatzierung ab. Colak besitzt jedoch das Potenzial, sich für höhere Aufgaben bei einem etwas etablierteren Bundesligisten zu empfehlen.

3. Onur Bulut – 1,2 Millionen, SC Freiburg

Bulut ist derjenige Kandidat im heutigen Artikel, bei dem ich mich am schwersten getan habe, ihn als Schnäppchen zu labeln. Mit einer kolpotierten Ablösesumme von 1,2 Millionen Euro (500,000 Euro über seinem damaligen Marktwert) ist sein Wechsel für den Sportclub aus dem Breisgau durchaus eine Hausnummer – gemessen an dem Wert, den Bulut jetzt schon für die Mannschaft bedeutet, allerdings wiederum doch ein wahres Schnäppchen. Bulut, der quasi seit Beginn der Saison zum unumstrittenen Stammpersonal unter Trainerfuchs Christian Streich zählt, und bisher als Rechtsaußen und zentraler Mittelfeldspieler aufgelaufen ist beweist sein Talent vor allem im für Freibrug in dieser Saison prädestinierten aggressiven Spiel gegen den Ball – hier hat der schmächtige Bulut auch zu den Einschätzungen zu Beginn der Saison bereits deutlich zugelegt. Durch seiner enormen Diagonalität versteht Bulut es dabei, zielgenaue Bälle in die Schnittstellen zu spielen, die Räume für seine Mitspieler reissen. Diese diagonalen Kreuzungen, die Bulut im letzten Drittel der gegenerischen Hälfte vollzieht,  machen Freiburgs Angriff dabei schwer auszurechnen.
Fazit: Bulut sollte auch weiterhin durch seine Fähigkeiten zur ersten Elf in Freiburg gehören und eine starke Saison spielen. Seine Formkurve wird im Vergleich zu seiner Spielweise dabei wohl nicht diagonal verlaufen, sondern vertikal nach oben zeigen.

4. Ousman Manneh – aus der eigenen Jugend, SV Werder Bremen

Ein weiteres Schnäppchen, da aus der eigenen Jugend hochgezogen, ist der Bremer Ousman Manneh. Nach der Entlassung der bekanntesten Halbglatze der jüngeren Bundesligageschichte und ausgewiesenen Stoikers Viktor Skripnik wurde Manneh unter Alexander Nouri in die Bundesliga Mannschaft des SV Werder Bremen hochgezogen. Nouri, der anders als sein Vorgänger auf eine relativ sichere Stammformation setzt, bot Manneh seitdem als zentrale Sturmspitze auf. Obwohl dies auch immer noch der großen Verletzungsmisere um die Ausfälle von Altmeister Claudio Pizarro und Skandalnudel Max Kruse geschuldet ist,  bewies Manneh in seinen ersten Bundesliga Spielen bereits ein gutes Gespür für Raum und Mitspieler. Seine größte Schwäche liegt auch laut eigener Aussage noch im Abschluss, bei dem er zukünftig noch kaltschnäuziger und reaktionsschneller reagieren muss.  Mit Johannes Eggestein besitzt Werder Bremen noch ein weiteres Talent, das Manneh auf Dauer Druck machen kann.
Fazit: Manneh befindet sich derzeit auf einem ungeahnten Höhenflug, der jedoch bei Genesung des Stammpersonals abflauen sollte – sein großer Förderer Nouri wird jedoch dafür sorgen, dass er nicht in der Versenkung verschwinden wird.

 

Facebook-Kommentare