Nachdem sich der VfL Wolfsburg letzte Saison den Pokal in Berlin erkämpfte und sich mit Platz 2 für die Champions-League qualifizierte, machte sich Euphorie breit. Es wurde schöner Fußball gespielt, der auch in den nächsten 5 Jahren weiterhin die Erfolge generieren würde, die in Wolfsburg erwartet werden. Doch nach den Abgängen von Ivan Perisic und Kevin De Bruyne funktioniert die Mannschaft des VfL nichtmehr so solide wie der Motor eines VW Golf, vielmehr erinnert die Mannschaft an einen Lada der gelegentlich einfach nicht anspringen will.

Mit drei Toren und vier Assists in sieben Ligaspielen scheint sich Kevin De Bruyne in Manchester gut eingefunden zu haben. Für den VfL lief die Saison dagegen eher durchwachsen. Wichtige Punkte wurden in Spielen liegen gelassen, wo der VfL eigentlich hätte dreifach punkten müssen. Hannover, Köln und Ingolstadt waren Gegner, die den Abstand auf den FC Bayern nicht hätten vergrößern dürfen. Auch in der Champions-League tat man sich zuletzt schwer gegen Eindhoven. Böse Zungen würden behaupten, dass der Ideenreichtum und die Offensivfreude der Wolfsburger in Form von Kevin De Bruyne und Ivan Perisic abgewandert ist.

Inwiefern der VfL die Lücken der beiden Leistungsträger schließen konnte und welche Transferpolitik Allofs und Co. verfolgt haben, lest ihr in der folgenden Transferabrechnung:

Verstärkung: Für knapp 36 Mio. holte der Verein aus der Autostadt Julian Draxler aus dem Kohlenpott. Mit dem jungen Schalker holte man einen beidfüßigen Wirbelwind, der extrem stark am Ball und in der Ballverteilung ist. Mit gefährlichen Dribblings in den Strafraum hinein oder mit gefährlichen Pässen in die Schnittstelle sorgt Julian Draxler für Torgefahr. Auf welcher Position er dabei spielt ist schon fast egal. Der 22jährige kann auf dem Flügel, auf der 10 oder im äußeren Mittelfeld spielen, auf allen Positionen ist der junge Nationalspieler eine Gefahrenquelle für die gegnerische Mannschaft. Ihn aus dem Strafraum fernzuhalten reicht allerdings nicht um ihm die Torgefahr zu nehmen, denn Julian Draxler feuert auch gerne mal einen aus der Distanz auf das Tor. Nicht nur in den Punkten Spielertyp und Spielverhalten ähneln sich De Bruyne und Draxler. Beide sind technisch auf einem sehr hohen Niveau und sind trotz ihres noch jungen Alters sehr abgeklärt. Beide schaffen es aus dem Nichts für Gefahr zu sorgen, wobei Draxler noch nicht so starke Spielmacherqualitäten wie De Bruyne besitzt. Das dürfte auch einer der wenigen Unterschiede auf dem Papier sein. Draxler ist oftmals noch zu eigensinnig. Oft rennt er sich in der gegnerischen Abwehr fest. Vier Abwehrspieler sind dann doch einer zu viel. Es fehlt manchmal der zündende „De Bruyne-Moment“ der zum Torerfolg führt. Mit geweitetem Blick und geschärften Sinnen zu einem Tor assistieren wie der belgische Nationalspieler.

Obwohl der VfL Wolfsburg einen direkten Vergleich der beiden Nationalspieler ablehnt, muss dieser Vergleich gezogen werden. Da Draxler das Erbe des Belgiers antritt und ganz Wolfsburg auf den ehrgeizigen Mittelfeldspieler hofft. Bislang fand sich Draxler recht gut in Wolfsburg ein. Mit sechs Scorerpunkten in zehn Spielen zeigt Draxler, dass er dem VfL helfen kann, aber noch nicht auf dem Niveau eines De Bruyne spielt.

Nach dem Abgang von Ivan Perisic suchte der VfL Wolfsburg einen Spieler, der sowohl auf dem Flügel, auf der 10 wie auch als hängende Spitze spielen kann. Fündig wurden die Wölfe bei Max Kruse, welchen die Gladbacher trotz einer 12 Mio. Euro hohen Ablöse schmerzlich vermissen dürften. Max Kruse verfügt über eine gute Ballkontrolle, ein starkes Dribbling auch bei hohem Tempo und über ein gutes Stellungspiel bzw. einer guten Übersicht um seine Mitspieler in Szene zu setzen. Bekommt Max Kruse die Möglichkeit ein Tor zu schießen fackelt er nicht lange sondern vollendet meist eiskalt, mit links oder mit rechts ist dabei egal. Auch Perisic ist in seiner Spielweise her und vom Spielertyp her ähnlich. Lediglich per Kopf war Perisic deutlich gefährlicher vor dem Tor.

Bislang fand sich Kruse beim VfL gut ein. In allen drei Wettbewerben in denen die Wolfsburger vertreten waren, war Kruse an mehreren Toren direkt/indirekt beteiligt. Leider wirft den 27jährigen ein Muskelfaserriss auf unbestimmte Zeit zurück. Der Ausfall von Max Kruse ist hinsichtlich der Doppelbelastung ziemlich ungunstig.

Mitläufer: Afro gesichtet in Wolfsburg. Mit Dante verstärkte sich der VfL in der Innenverteidigung und hat mit Naldo und Dante zwei sehr erfahrene Bundesligalegionäre hinten drin stehen. Dante zeichnet sich durch ein gutes Aufbauspiel und eine solide Zweikampfführung aus. In der Vergangenheit schlichen sich bei Dante allerdings auch einige Schnitzer ein. Auch die Spritzigkeit und Schnelligkeit büßte der Wuschelkopf aufgrund des Alters ein. Eine weitere Schwäche des Brasilianers ist das Stellungsspiel, oft steht der humorvolle Innenverteidiger zu weit vom Gegenspieler weg oder ist einen Schritt zu spät. Wegen seiner Patzer in der Vergangenheit saß er beim Rekordmeister (seiner Meinung nach) zu häufig auf der Bank, weswegen ihn die Wolfsburger für schlappe 4.5 Mio. Euro aus München loseisen konnten. Trotz einiger Patzer in der Vergangenheit von Dante bewies sich die Verteidigung des VfL als äußerst stabil. Mit 13 Gegentoren (wovon 5 gegen den FC Lewandowski gefallen sind) kassierte der Autostadtclub die drittwenigsten Gegentore in der Bundesliga. In Wolfsburg hat sich Dante recht gut an das Niveau angepasst, allerdings entsprechen seine Leistungen dem Team Durchschnitt, er wirkt unauffällig. Von einem Champions-League-Sieger erwartet man etwas mehr.

Fazit der Transferpolitik:

Der VfL Wolfsburg führte in der letzten Transferphase eine kompensierende Transferpolitik durch. Mit Kruse und Draxler holte Allofs guten Ersatz für die abgewanderten Stützen des VfL-Systems nach Wolfsburg. Jedoch muss den beiden Nationalspielern eine gewisse Inkubationszeit gewährt werden, damit die Chemie in der Mannschaft wieder stimmt. Beide haben sich gut eingefunden und dürften die Ansprüche des Vereins (die Abgänge würdevoll zu ersetzten) erfüllen. An die spielerischen Fähigkeiten von De Bruyne und Perisic kommen beide (noch) nicht heran. Der Transfer von Dante erinnert an einen Einkauf im Supermarkt: Kurz vor Ende des Einkaufs steht man an der Kasse und sieht die Kaugummis für 2.00€. Es wird nicht lange nachgedacht, denn 2.00€ sind nicht die Welt und man hat was von den Kaugummis. Ähnlich dürfte es bei Dante gewesen sein. Obwohl der VfL defensiv gut aufgestellt ist, verpflichteten die Wölfe den Brasilianer für kleines Geld um die Stellung aus der Vorsaison zu verteidigen. Wenn man in der Offensive Qualität verliert, muss man sich defensiv verstärken.

Facebook-Kommentare