Bullig. Schnell. Schussstark. Kopfballstark. Fleißig. Spielintelligent. Das sind Attribute, die aus einem Stürmer einen besonderen Stürmer machen können. Und es sind Attribute, die man alle auf Anthony Modeste anwenden kann. Ein Angreifer, der – zeigt er alle Qualitäten auf dem Platz – eigentlich zu gut ist für den 1. FC Köln, bei allem Respekt!  Doch irgendwann landen wir beim Thema „Konstanz“. Und genau hier hakt es bei Modeste und es erklärt sich daraus, warum er eben in Köln spielt und nicht da, wo es seinen Qualitäten eigentlich eher entsprechen würde. Warum sich der Transfer für Spieler und Verein trotzdem gelohnt hat, wird Transferkritiker.de euch sagen.

Wie kam der Wechsel zustande?

Die vergangene Saison würde Anthony Modeste gerne aus seinem Gedächtnis streichen. Mit der Empfehlung von 12 Toren kam er aus seiner ersten Bundesligaspielzeit, galt als die Transferentdeckung bei der TSG Hoffenheim. Der Stammplatz schien sicher, Modeste stand sogar auf der Einkaufsliste größerer Klubs. Doch es kam anders als gedacht. In der gesamten vergangenen Saison spielte er zwar 26 Partien und erzielte auch neun Tore, allerdings absolvierte er nur ein Spiel über die gesamte Dauer. Zu wenig für einen wie ihn, der am Spiel teilnehmen muss, Einbindung braucht und – für einen Stürmer enorm wichtig – das Vertrauen des Trainers. Wie so oft im Fußball öffnen sich plötzlich Türen, die man vorher gar nicht gesehen hat. Fanliebling Anthony Ujah (TK berichtete) verließ urplötzlich Köln in Richtung Bremen, Ersatz war gefragt. Jörg Schmadtke, das Transfer-Diamantenauge, reagierte blitzschnell, streckte die Fühler Richtung Modeste aus und handelte schließlich einen Deal aus, der sich sehen lassen konnte. Das Geld, das für Ujah reinkam (ca. 4,5 Millionen Euro) wurde quasi direkt auf das Konto der TSG Hoffenheim weitergeleitet, Modeste kam nach Köln und siehe da: Der Wechsel von Anthony zu Anthony passte. Im Interview mit dem kicker sagte Modeste über seine Zeit in Hoffenheim und den Wechsel: „Ich habe die Menschen dort respektiert. Wenn man mir eine Chance gegeben hat, dann habe ich versucht sie zu nutzen. Ich war dort einer der besten Torschützen, auch wenn ich nicht oft gespielt habe. Sie haben eine Wahl getroffen am Ende, die ich respektiere. Ich habe Glück gehabt, dass ein Verein wie Köln mir vertraut. Und ich möchte hier nun Leistung bringen und erfolgreich sein.“

Erwartungen beider Parteien:

Modeste stellte seine Erwartungen schnell klar: In einem Interview im Trainingslager vor Saisonbeginn artikulierte er seine Ziele sogar ungewöhnlich deutlich: „Ich will Stammspieler werden und 10 bis 15 Tore schießen.“ Keine Spur von Understatement, eine starke Hausnummer, eine Aussage, die von großem Selbstbewusstsein zeugt. Für Kölns Trainer Peter Stöger – der gerne etwas zurückhaltender in der Öffentlichkeit auftritt – reichte es schon, „dass er die Lücke schließen kann, die Tony Ujah gerissen hat.“ Als zentraler Stürmer sollte Modeste ein Fixpunkt der Kölner Offensive werden, sowohl als Wandspieler – der die nachrückenden Kollegen bedient – als auch als Vollstrecker vor dem gegnerischen Tor. Auch von Modestes Erfahrung erhoffte man sich einiges, ebenso, dass er mit nunmehr 27 Jahren in Sachen Konstanz den nächsten Schritt in seiner Karriere machen würde.

Zwischenbericht:

Es gibt keinen Zweifel, dass sich der Spieler in Köln wohlfühlt. Zumal er mittlerweile seine Familie – Lebensgefährtin Maeva, Töchterchen Kihanna (3) und Söhnchen Brooklyn (der am 17. Juni 2015 geboren wurde und damit zwei Tage vor dem Wechsel zum 1. FC Köln) – zu sich geholt hat. Das Leben hat sich deutlich verändert, was allerdings nicht leistungsmindernd wirkt: Während seiner Hoffenheimer Zeit lebte er im wunderschönen, ruhigen Heidelberg. Das neu konzipierte Viertel „Bahnstadt“ dort beherbergt viele Profis aus Hoffenheim, Sandhausen und Darmstadt. Man sah sich häufig unter Kollegen, plauderte über Fußball, alles war sehr familiär. In Köln kriegt die Familie Modeste stattdessen die volle Dröhnung Stadtleben. Unweit der belebten Ring-Straßen hat man eine Bleibe im angesagten „Belgischen Viertel“ gefunden. So oder so – der Wechsel scheint Modeste bekommen zu sein. Was auch daran liegt, dass er seinem Vorgänger Anthony Ujah vom Spielertyp her fast wie ein Zwilling ähnelt. Peter Stöger musste also nichts am System ändern. Modeste ist mit langen Bällen gut anspielbar, hat Kopfballqualitäten und versteht sich auch auf Kombinationsfußball. So kam es, wie es kommen sollte: Von den angestrebten „zehn bis 15 Toren“ schoss er bereits sechs – und dies in 13 Spielen. Eine Quote von knapp unter 50%, die sich sehen lassen kann. Eine Quote, die allerdings auch ausbaufähig gewesen wäre. Und hier setzt die Kritik an. Wie bereits in Hoffenheim in seinem ersten Jahr explodierte Modeste auch in Köln. Die sechs Treffer standen nämlich auch schon nach acht Spieltagen zu Buche. Viermal hatte er zudem das wichtige 1:0 erzielt. Aber: Zuletzt verhallte die Explosion ein wenig. Wie auch einst in Hoffenheim. Damals hatte er sechs Treffer nach sieben Spielen erzielt, am Ende der Saison waren es insgesamt 12 Tore. Klingt eigentlich nicht schlecht, tatsächlich aber waren in 22 Spielen nur noch sechs Tore dazu gekommen, der bullige Angreifer verlor damals bereits zwischenzeitlich seinen Stammplatz. Das Problem der fehlenden Konstanz ist – bei aller Klasse – also noch nicht gelöst. Der Franzose mit Wurzeln im Karibikstaat Martinique gibt sich weiterhin optimistisch, auch weil er – anders als in Hoffenheim – das Vertrauen des Trainers spürt. „Irgendwann wird der Knoten platzen“, sagt Peter Stöger. Der Trainer baut weiter auf Modeste, schon allein, weil er mit seiner Art ein Alleinstellungsmerkmal unter den Angreifern hat, der dem Spielstil der Kölner (weite Bälle nach vorne, zweite Bälle gewinnen, für nachrückende Angreifer Luftduelle gewinnen, immer wieder auf die Flügel ausweichen, um die Abwehr auseinander zu reißen) entgegen kommt.

Zukunftsprognose:

Anthony Modeste wird auch in Zukunft eine gute Rolle beim 1. FC Köln spielen. Dafür spricht, dass der Stürmer auch dann gut ins Spiel eingebunden ist, wenn er nicht trifft. Er ist defensiv zuverlässig bei Standards und lässt sich nicht hängen. Dank seines karibischen Blutes und seiner Lockerheit spielt er eine gute Rolle in der Kabine, wird gemocht, auch bei den Fans. Allerdings ist zu befürchten, dass er nicht der Stürmer ist, der dem FC 15 Tore pro Saison garantiert. Da fehlt es dann wohl doch an der nötigen Leistungskonstanz. Andererseits: Hätte er eine deutlich bessere Torquote, würde er wahrscheinlich nicht beim 1. FC Köln spielen.

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