In einer Spielhalle steht hinten am Ende des Raums ein alter, blinkender Automat mit einem Greifarm. In dem Automaten liegen viele Sachen, die Kinderaugen funkeln lassen. Diverse Plüschtiere haben viele Kinder an den Automaten gelockt, doch alle wollen nur ein bestimmtes Plüschtier, alle wollen den Teddy mit der Nummer 20 und dem Weiser-Schriftzug auf dem Rücken. Nachdem der nagelneue Teddybär bereits Bruno und Horst aus dem Greifarm gerutscht ist, versucht sich der kleine Michael Preetz sich an diesem Automaten. Als der großzügige Besitzer Karl-Heinz ihm das Freispiel spendiert, hat der Brillenträger nichts zu verlieren. Entschlossen versucht sich der Junge an der tückischen Aufgabe. Entgegen aller Erwartungen und unter neidischen Blicken, schaffte es Michael Preetz den Weiser-Teddy sicher in seine Hertha-Tüte zu packen.

Das „Eintüten“ dieses Transfers ließ die Herzen vieler Hertha Fans höher schlagen. Als Hoffnungsträger ist Weiser nach Berlin gekommen. Inwieweit der Weiser-Teddy die Augen von Fans, Sportvorstand und Joachim Löw funkeln lässt und wie sich das Toptalent in Berlin zu Recht gefunden hat, liest du im heutigen Artikel.

Wieso kam der Wechsel zustande?

Für den 21jährigen war klar, dass beim FC Bayern seine Karriere nicht weiter voran schreiten kann. Trotz gelegentlicher Einsätze durfte sich Weiser einen Großteil der Zeit auf der Bayernbank in seine Fleece-Decke kuscheln, sich am Spielfeldrand „fithalten“, gelegentlich mit jubeln (wenn einer Stammspieler das entscheidende 4:0 geschossen hatte) und sich auf die nächsten Trainingseinheiten an der Säbenerstraße freuen. Für Weiser selbst eine ziemlich undankbare Situation. Er der ehrgeizige, talentierte Nachwuchsspieler der beweisen will, dass er „wat uff de Fanne hat“, musste anerkennen, dass er sich gegen Weltmeister Philip Lahm und Rafinha nicht durchsetzen kann. Mit der „alten Dame“ hat der gebürtige Troisdorfer noch viel vor. Auch wenn man es bislang nur durch den nicht vorhandenen Bart des Jungspundes deuten kann, dürfte das Ziel von Weiser lauten: Weg vom Abstiegskampf und mit dem alten Glanz der Hertha in Richtung Europa schielen.“

Für die Hertha war der Wechsel definitiv ein Transfer mit Symbolcharakter. Nach der enttäuschenden, vergangenen Spielzeit musste sich was ändern. Weiser, den Preetz ablösefrei (!) aus München in die Hauptstadt lockte, verschafft der „alten Dame“ neue Kraft. Auch der Darida-Transfer hilft beim Stabilisationsprozess und beim Aufpäppeln der vor kurzem noch schwächelnden Hertha. Für die nächsten drei Jahre dürfte der zielstrebige Königstransfer der Hauptstädter frischen Wind und funkelnde Augen ins Berliner Olympiastadion bringen. Auch die Augen von Michael Preetz dürften funkeln, hebt er doch sich selbst, den Verein und viele Fans mit seiner Transferpolitik der letzten Transferphase in den siebten Fußballhimmel. 13 Spiele, 23 Punkte, Champions-League-Qualifikationsplatz. Die Augen jedes Hertha-Fans leuchten derzeit heller, als der Kurfürstendamm in der Weihnachtszeit.

Sportlicher Zwischenbericht

Ganz so funkelnd begann die Saison für den Allrounder allerdings nicht. Wegen eines Innenbandanrisses verpasste der Ex-Münchener den Saisonstart. Nach 2 Kurzeinsätzen auf der Rechtenaußenbahn profitierte Weiser von der Schulterverletzung des bis dahin gesetzten Peter Pekarik. Hinten rechts in der Viererkette spielte sich Weiser auf seiner Lieblingsposition fest und wurde zu einer der stabilisierenden Säulen im System von Pal Dardai. Der junge, pfeilschnelle und technisch beschlagene Allrounder, besticht durch seine Dribbelstärke und jugendliche Unbekümmertheit. Auf der rechten Seite kann er jede Positionen besetzten, dank seiner stark ausgeprägten Polyvalenz und seiner taktischen Ausbildung. In München lernte Weiser die Bedeutung einer ausgeglichenen Spielweise auf der Rechtsverteidigerposition kennen. In die Offensive schaltet sich der 21jährige durch seine gefährlichen Flankenläufe ein, oder prescht mit seinem Kompagnon Genki Haraguchi auf der rechten Seite nach vorne. Bereits 5 Scorerpunkte stehen auf dem Konto von Weiser. Aber auch defensiv ist Weiser eine Bereicherung. Mit dem in München geschulten taktischen Blick und der Fitness von Gladiatoren-Coach Dardai deckt der Mann mit der Rückennummer 20 einen großen Aktionsradius im defensiven Sektor der Hertha ab, läuft viel und behauptet sich in vielen Laufduellen. Konkurrenztechnisch sieht es für den aufstrebenden Nachwuchsstar auch eher rosig aus. Pekarik fällt aufgrund seiner Schulterverletzung noch bis Ende Dezember aus. Auch Yanni Regäsel, der Weiser während seiner momentanen Verletzungspause vertritt, kann Weiser und seine offensiven Akzente nicht langfristig ersetzen. Doch selbst wenn Weiser abgelöst werden sollte, bleibt ja immer noch eine Vielzahl von Positionen auf denen er sich in das Spiel der Hertha einbringen kann.

Fazit und Ausblick

Die drittbeste Abwehr und die viertbeste Offensive im deutschen Oberhaus nach 13 Spieltagen. Kennzahlen für die nicht nur die Neuzugänge verantwortlich sind. Man merkt, dass sich Weiser, Darida, Ibisevic und Stark gut eingelebt haben. Die gewollte Veränderung, die eintreten musste, ist definitiv gelungen. Für Weiser selbst war der Wechsel ebenfalls die richtige Wahl. In Berlin kann er sich austoben und beweisen. Seine Leistungen dringen mittlerweile bis zu Joachim Löw vor. Der Bundestrainer hat nach der WM 2014 und den damit folgenden Personaleinbußen immer noch mehrere Fragezeichen im Kopf umherschwirren. Für den „Neu-Berliner“ ist es definitiv eine Chance. Nach dem Abgang von Philip Lahm ist die vakante Rechtsverteidigerposition bislang noch nicht adäquat besetzt worden. Ginter, Can und Rudy bekriegen sich derzeit im Kampf um den begehrten Posten. Mit jedem guten Spiel von Weiser steigen die Chancen in naher Zukunft im DFB-Dress aufzulaufen. Für die „alte Dame“ und ihren Unterstützer gilt es jetzt mit konstanten, guten Leistungen auf Kurs zu bleiben. Europa und die Nationalmannschaft sind sicherlich Ziele die beide Seiten im Einklang und mit großem Engagement verfolgen werden. Die Currywurst im Berliner Olympiastadion schmeckt bestimmt auch am Donnerstagabend gut und das Leuchten der Augen der Hertha-Fans beim Nationalmannschaftsdebut ist vermutlich so hell, dass man in Berlin keine abendliche Straßenbeleuchtung mehr braucht.

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