Was bekommt man, wenn man die vom FC Augsburg geholten Punkte (6) in der Bundesliga verdoppelt? Richtig, die Anzahl der gespielten Spiele (12). 0,5 Punkte pro Spiel beträgt somit die Ausbeute, was auch klar macht, warum der FCA auf Rang geholte Punkte (6) + gespielte Spiele (12) = 18 steht. -12 beträgt auch die Tordifferenz – ein Grund für die enttäuschende Augsburger Platzierung ist eben auch die instabile Defensive. Wäre ja nicht so schlimm, wenn die Offensive das kompensieren könnte. Doch trotz Rekordausgaben bringt diese noch nicht den gewünschten Erfolg, auch von Ja-Cheol Koo, der in seiner Karriere übrigens schon gut 12 Millionen Euro umsetzte, hat man sich mehr erwartet. Doch es sind ja noch 6 Monate Zeit, um auch wieder andere Zahlen in den Vordergrund beim FCA zu rücken. Ob Ja-Cheol Koo es schafft, diese Rechnung noch aufgehen zu lassen und warum er dem Augsburger Offensivspiel bisher noch nicht die gewünschte Unberechenbarkeit verleihen konnte, seht ihr in der folgenden Transferabrechnung.

Warum kam der Wechsel zustande?

Nach einer für Augsburger Verhältnisse sehr guten Saison, die Platz fünf und somit die Euro-League mit sich brachte, war es klar, dass man sich wegen der Belastungserhöhung vor allem quantitativ verstärken musste. Doch es war auch klar, dass ebenfalls qualitativ aufgerüstet werden muss, wenn man sich denn weiterhin in den oberen Gefilden der Tabelle wiederfinden will. Diese Überlegungen und natürlich auch der Verkauf von Abdul Baba für 20 Millionen Euro nach London führten dazu, dass Stefan Reuter ein Viertel des Erlöses wieder reinvestierte und für die Verpflichtung von Ja-Cheol Koo einen internen Ablöserekord aufstellte.

Rein personell hätte kein unbedingter Zwang bestanden. Im in Augsburg aufgeblühten Pierre-Emile Höijbjerg ging zwar ein Leihgeschäft eines zentralen Mittelfeldmanns zu Ende, eigentlich wäre aber mehr Nachrüstungsbedarf für die Außen vorhanden gewesen. Trotzdem machte der Einkauf Sinn, denn Koo spielte bereits in Augsburg, kennt das Umfeld und ist außerdem zweifellos kein schlechter Fußballspieler.

Dies lässt auch die Spielerseite beim Wechsel besser verstehen: Nach den Zwischenstationen VfL Wolfsburg und Mainz 05, bei welchen Koo sich nie langfristig in den Vordergrund spielen konnte, erhoffte sich der 26-Jährige, an der alten Wirkungsstätte wieder zu alter Form und Freude zurückzufinden. Natürlich erhoffte er sich auch Profit von der damaligen Augsburger Euphorie, verbunden mit dem erstmaligen Erreichen eines internationalen Wettbewerbs.

Sportlicher Zwischenbericht

Vier Punkte Rückstand auf Relegationsplatz 16 weiß die Tabelle zu erzählen. Die Gründe hierfür lassen sich unmöglich an einem einzelnen Spieler oder Umstand festmachen, Koo’s Rolle in der aktuellen Szenerie lässt sich aber durchaus zusammenfassen.

Fehlende Konstanz ist der Hauptfaktor dafür, dass Koo zwar bisher durchaus verstärkend (zwei Tore, zwei Assists) aber noch nicht maßgeblich erfolgsversprechend für den FCA auftreten konnte. Diese Behauptung lässt sich durchaus mit Zahlen belegen: Auf vier verschiedenen Positionen musste der Rechtsfuß diese Saison bereits seinen Mann stehen, was eine Harmonisierung mit Mannschaft und Taktik behindert.

Einer Eingewöhnung und Entfaltung des Offensivmanns steht auch die anhaltenden Formkrise der gesamten Mannschaft entgegen, die nicht nur der Dreifachbelastung, sondern auch Verletzungen trotzen muss. Weiterhin tut sich Koo schwer, sich an die ständig wechselnden Partner im Angriff der Fuggerstädter (Matavz, Ji, Bobadilla), die komplett unterschiedlich veranlagt sind, zu gewöhnen. Eine gewisse Unabgestimmtheit und Hemmung ist spürbar.

Aussicht

Zuletzt machte man in Augsburg Fortschritte (4:1 gegen Alkmaar), ein gutes Spiel gegen Werder Bremen verlor man wegen individueller Fehler unglücklich. Allgemein wird die Form und Entwicklung Koo’s sehr stark von der der Mannschaft abhängen. In der Länderspielpause hatte man jetzt Zeit, weiter an Stellschrauben zu drehen und an der vorhin angesprochenen Abstimmung zu feilen. Im Testspiel gegen Austria Salzburg (2:1) wurde Reservisten oder Verletzungs-Rückkehrern Spielpraxis gewährt, was angesichts des anstehenden Ligaduells mit dem VfB Stuttgart ein wenig verwundert. Doch dass eine Verbesserung in puncto Kooperation auf dem Platz bereits sichtbar ist, zeigten die letzten Wochen ohnehin. Die Zeit bis zur Winterpause wird richtungsweisend, man befindet sich aktuell in einer Lage, in der Feinheiten über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Ja-Cheol Koo’s weitere Entwicklung wird damit eng einhergehen.

Fazit

Man investierte verhältnismäßig viel Geld in Koo, bisher zahlte sich noch nicht alles zurück. Wie angesprochen und auch in der Transferabrechnung für den FCA nachzulesen, wäre eine Investition in andere Mannschaftsteile vielleicht sinnvoller gewesen. Dennoch kann man sicherlich nicht von einem Fehleinkauf sprechen, denn Koo ist rein spielerisch zweifelsohne eine Bereicherung und kann in der Spielzeit 15/16 auch noch richtig wertvoll werden. Eine Prognose abzugeben, wäre unseriös, doch es lässt sich vermuten, dass sich die Schwaben wieder aus der Abstiegszone herausbugsieren und dies ob der Korrelation von Koo und der Mannschaftsform auch ersterem zu neuem (alten) Glanz verhilft. Es bleibt zu hoffen, dass Chefkalkulator Markus Weinzierl seine Operatoren gezielt einzusetzen weiß und somit einen Lösungsweg zu einer bestenfalls monoton aufsteigende Kurve findet.

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