Platz 15, knapp der Relegation entgangen. Mit Schrecken blickten am 34. Spieltag der letzten Saison viele Hertha-Fans auf die Tabelle. Knappe vier Monate später, der 12. Spieltag der aktuellen Bundesligasaisonwurde gespielt und die Fans von Hertha BSC gucken wieder mit Schrecken auf die Tabelle. Platz 4, 20 Punkte, ist das wirklich unsere Hertha die da spielt?

Es scheint als ob die „alte Dame“ Hertha unter Trainer Pal Dardai ihren zweiten Frühling erlebt. Der ansehnliche Fußball der diese Saison in der Hauptstadt gespielt wird, ist wohl kaum zu vergleichen mit dem leblosen Gekicke der Vorsaison. Der emotionale, höchst leidenschaftlich agierende Trainer scheint auch die vier Neuzugänge gut eingepeitscht zu haben. Wie sich die Neuzugänge in Berlin zurechtgefunden haben und ob sich die Transferpolitik der Hertha ausgezahlt hat, lest ihr in der folgenden Transferabrechnung:

VOLLTREFFER

Letzten Sommer tätigte die Hertha einen Transfer, der viele andere Bundesligaclubs mit bloßem Neid erfüllte. Es gelang dem Hauptstadtclub Mitchell Weiser ablösefrei aus München loszueisen. Weiser ist ein junger, pfeilschneller und technisch beschlagenen Allrounder, der durch seine Dribbelstärke und jugendliche Unbekümmertheit, sowie seine stark ausgeprägte Polyvalenz und taktische Ausbildung, die es ihm ermöglicht auf diversen Positionen zum Einsatz zu kommen, besticht. Bestechend ist vor allem die Bilanz des 21jährigen. Ein Tor und vier Vorlagen stehen auf dem Konto des Ex-Müncheners. Unter Dardai blüht Weiser auf. Auf der Rechtsverteidigerposition ist er ein Garant für solide Leistungen. In der Defensive trägt er einen großen Teil dazu bei, dass die Hertha derzeit die drittbeste Defensive der Liga stellt. Offensiv schaltet er sich durch seine Flankenläufe mit ein und treibt den Offensivzug der Berliner voran. Einen jungen Spieler mit so viel Potenzial ablösefrei aus München loszueisen, war definitiv einer der größten (wenn nicht sogar der größte) Schachzug von Michael Preetz.

 Der SC Freiburg hatte letzte Saison nicht so viel Glück im Abstiegskampf. Für die Breisgauer ging es in die 2.Liga. Diese Prämisse nutze die Hertha um Vladimir Darida für 3,8 Mio. Euro aus dem schönen Baden in die Hauptstadt zu holen. In kürzester Zeit entwickelte sich der Tscheche zum Dauerbrenner. Keine einzige Bundesligaminute verpasste der Mann mit der Nummer 6 auf dem Rücken. Dies verdankt der tschechische Nationalspieler nicht nur seinen gute Leistungen, sondern auch seiner unglaublichen Ausdauer. Dank seiner Pferdelunge deckt der quirlige Mittelfeldspieler einen immensen Aktionsradius ab und erläuft viele Bälle überall auf dem Platz. Darida ist ein Spielgestalter der die Angriffe seiner Mannschaft koordiniert und einleitet. Mit seinem starken Schuss kann der 24jährige auch mal mit der Brechstange versuchen den gegnerischen Abwehrwall zu durchbrechen. Als Motor der Berliner Lokomotive hat sich Darida in die Herzen der Fans und des Trainers gespielt. Trotz bislang magerer drei Scorerpunkte punktet Darida durch seine Aufopferungsbereitschaft, er stabilisiert die einst so zittrige „alte Dame“.

VERSTÄRKUNG

MITLÄUFER

Der kann ja doch Tore schießen. Viele Berliner Fans, aber auch viele Stuttgarter guckten ungläubig als Vedad Ibisevic den 1.FC Köln im Alleingang abfertigte. Der bosnische Nationalspieler wechselte am Anfang der Saison auf Leihbasis in die Hauptstadt. Ibisevic ist eigentlich der Mittelstürmer schlechthin. Er ist abschlussstark per Kopf und Fuß in fast jeder Situation. Allerdings ist der 31jährige ein Mitläufer im wahrsten Sinne des Wortes. Ein eher passiver Stürmer, der nicht viel für die Mannschaft arbeitet oder sich Bälle erläuft. Außerdem verfügt er nicht über die stärkste Technik und Durchsetzungskraft: Hat ihn ein gegnerischer Verteidiger erst einmal im Griff, geht fortan nicht mehr viel, er kann den Ball oftmals nicht halten und somit keine Räume mehr für Mitspieler schaffen. In solchen Spielen ist der Bosnier dann darauf angewiesen, dass ihm seine offensiven Mitspieler Räume und Torraumszenen erarbeiten. Seine vier Treffer erzielte der Bosnier durch 2 Doppelpacks. In diesen beiden Spielen glänzte er mit seiner Qualität. In den anderen vier Spielen blieb er fast erscheinungslos. Abgesehen von einer glatten roten Karte zeigte der einst so begehrte Stürmer nicht viel von sich. Ibisevic ist und bleibt eine Wundertüte, läuft es gut, trifft er alles, läuft es schlecht, wäre wahrscheinlich sogar Thomas Kraft als Stürmer besser geeignet. Zumindest konnte man Salomon Kalou durch die Verpflichtung des Torjägers motivieren. Der Ivorer blüht auf, erzielte sogar schon sieben Treffer und fertigte Hannover mit links ab.

Für knapp 3Mio. Euro kam Niklas Stark in die Hauptstadt. Der 20jährige ist ein polyvalenter Spieler. Ausgebildet als zentral defensiver Mittelfeldspieler, wurde der zweikampfstarke Rechtsfuß auch häufig in der Innenverteidigung eingesetzt und in Notfällen gar in der Außenverteidigung. Mit seinem Stellungsspiel und der cleveren Zweikampfführung steht der kopfballstarke Jungspund besonders defensiv sehr sicher und gewinnt Zweikämpfe am Boden, sowie in der Luft. Zudem hat dieses junge deutsche Talent eine gute Pass-und Schusstechnik, mit seinen beeindruckenden läuferischen Leistungen deckt Stark einen großen Aktionsradius auf dem Platz ab, kann sich allerdings in die Offensivbemühungen seiner Mannschaft aufgrund mangelnder Übersicht eher selten einschalten. Bislang kam Stark auf 5 Einsätze im Hertha-Dress. Der Transfer des 20jährigen ist ohne Frage ein Perspektivtransfer gewesen. In der kommenden Zeit wird Stark die Möglichkeit haben sich zu beweisen. Bislang reicht es nur für spontane Einsätze unter Pal Dardai.

BISLANG ENTTÄUSCHEND     

FAZIT

Die Hertha lauerte in der letzten Transferphase geschickt auf die Möglichkeit viel Talent für möglichst wenig Geld zu bekommen. Michael Preetz ist das definitiv gelungen. Mit Weiser und Darida holte man zwei junge Zugmaschinen für die Hertha Lokomotive, die in dieser Saison in den Bahnhof Abstiegskampf höchstwahrscheinlich nicht einfahren wird. Momentan gilt das Motto:“Auf den Rängen, da toben die Fans, und unten, da tobt der BSC!“. Der Transfer von Ibisevic wird weiterhin kritisch beäugt werden, obwohl der Bosnier den Berliner 6 Punkte bescherte, bleibt abzuwarten wie motiviert der Mittelstürmer bleibt.

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