Auch wenn der HSV die letzten zwei Spiele gewinnen hätte können, ist der Dino auf einem guten Weg eine Saison ohne Abstiegsängste zu spielen. Nach den letzten zwei Seuchensaisons scheinen die Verantwortlichen mit Bruno Labbadia endlich einen Mann gefunden zu haben, der Ruhe in den Verein bringen kann. Es ist wieder so etwas wie Normalität eingekehrt, sollte es dies in Hamburg überhaupt geben. Im Sommer hat man sich richtigerweise von teuren Altlasten wie Rafael Van der Vaart, Heiko Westermann oder Marcel Jansen getrennt. Eigengewächs Jonnathan Tah kehrte dem Verein den Rücken und wechselte nach Leverkusen. Die Mannschaft hat sich vor allem in der Mittelfeldzentrale verstärkt.

Man erwirtschaftete in diesem Sommer insgesamt einen Transferverlust von 9,36 Mio. Euro, wobei man sagen muss, dass die Abgänge wie Van der Vaart, Jansen, Behrami oder auch Westermann mit teuren Verträgen ausgestattet waren.

VOLLTREFFER

Nach dem Rauswurf bei Bayer Leverkusen in der vergangen Saison hat Emir Spahic beim HSV in der Bundesliga seine zweite Chance bekommen, welches Vertrauen er auch zurückzahlt. Zusammen mit Kapitän Johann Djourou bildet der Bosnier ein starkes Innenverteidiger-Duo. Mit einer Zweikampfquote von 66% ist er einer der stärksten Zweikämpfer der Liga. Mit seiner Agressivität, seinen Führungsqualitäten und seiner Erfahrung tut er der HSV-Defensive sichtlich gut. Man merkt, dass der 35-Jährige ein Spieler ist, der gerne Verantwortung übernimmt und in dieser Rolle aufblüht. Auch wenn sein Spiel oft teilweise zu hart ist, liegt dem bosnischen Nationalspieler diese Rolle besser als einem Heiko Westermann in den letzten Jahren.

VERSTÄRKUNG

Trotz einer durchwachsenen letzten Spielzeit, hat der HSV im Sommer Lewis Holtby für 6,5 Millionen Euro von den Tottenham Hotspurs fest verpflichtet. Holtby, mittlerweiler 25 Jahre alt, galt vor ein paar Jahren noch als ein hoffnungsvolles Talent für die deutsche Nationalmannschaft. Seit seinem Wechsel nach England, stagnierte er jedoch in seiner Entwicklung. Dieses Jahr spielt er einen viel besseren Part bei den Rothosen. Unter Labbadia spielt der kreative Holtby meistens im defensiven Mittelfeld. Von da an kurbelt er das Spiel mit seiner Technik und seiner positiven Art immer wieder an. Der ehemalige Nationalspieler erzielte bereits einen Treffer und hat immerhin knapp 60 Ballkontakte pro Spiel.

Der Österreicher Michael Gregoritsch war der Wunschspieler der HSV-Verantwortlichen für die Offensive. Nach langen Verhandlungen wechselte er für knapp drei Millionen von Bochum an die Elbe. Auch wenn der 21 Jährige, der oft auch von der Bank kam, nicht bei jedem Einsatz überzeugt hat, ist er ein Versprechen für die Zukunft. Der Österreicher erzielte immerhin schon zwei Tore und steuerte eine Vorlage bei. Darunter war der wichtige Siegtreffer in Ingolstadt per Freistoß. Der Vorteil von Gregoritsch ist, dass er flexibel einsetzbar ist. Im 4-2-3-1-System von Bruno Labbadia spielt er meistens auf dem linken oder rechten Flügel. Nach der Verletzung von Hunt startete der U-21 Nationalspieler auf auf der Position hinter Lasogga. Als gelernter Stürmer und seiner Flexibilität kann er alle Positionen in der Offensive bekleiden. Seine Stärken sind seine Freistöße,  Technik und Spielübersicht, die er in vielen Situationen bewiesen hat.

MITLÄUFER

Aaron Hunt kam am letzten Tag der Transferperiode für drei Millionen Euro aus Wolfsburg. Besonders in den ersten Spielen zeigt er mit seinen technischen Fähigkeiten, seiner Ruhe und Spielübersicht, wie wichtig er für die HSV-Offensive werden könnte. Danach hatte der Ex-Bremer einen kleinen Leistungsabfall und in den letzten drei Spielen fehlt er verletzungsbedingt und war erst an einem Treffer direkt beteiligt. Die Fans können sich aber berechtigte Hoffnungen machen, dass der 28-Jährige in Hamburg noch nicht sein volles Leistungsniveau abgerufen hat. Wenn er nach seiner Verletzung wieder fit wird, ist er in Labbadias System auf der Zehnerposition gesetzt.

Der Neuzugang Albin Ekdal aus Cagliari zeigt zwar starke Ansätze, muss sich aber erst noch an das höhere Tempo in der Bundesliga gewöhnen. Der 26 Jährige spielt meist neben Holtby im defensiven Mittelfeld. Der schwedische Nationalspieler zeigt zwar starke Ansätze, kann aber sicher noch mehr zeigen. Seine Torgefährlichkeit aus der letzten Saison hat er noch nicht unter Beweis gestellt, als er gegen Inter Mailand einen lupenreinen Hattrick erzielte. Der 4,5 Millionen Mann war zwar noch an keinem Tor direkt beteiligt, gewinnt aber mehr als die Hälfte seiner Zweikämpfe.

Der HSV hatte vor der Spielzeit mit Pierre-Michel Lasogga nur einen richtigen Mittelstürmer im Kader. Darauf hat man reagiert und Sven Schipplock für 2,5 Millionen Euro aus Hoffenheim verpflichtet. Der 26-Jährige soll Lasogga Druck machen. Schipplock ist zwar stets bemüht und arbeitet viel für die Mannschaft, hat aber noch keinen Treffer in dieser BL-Saison erzielt. Man muss aber auch dazu sagen, dass er selten über 90 Minuten ran darf, immerhin legte der Ex-Hoffenheimer zwei HSV-Tore mustergültig auf. In den letzten beiden Spielen stellte der HSV auf ein 4-4-2 mit 2 echten Spitzen um. Schipplock stürmte jeweils an der Seite von Lasogga, konnte aber nicht restlos überzeugen.

ENTTÄUSCHUNG

Gotoku Sakai kam im Sommer als Backup-Spieler für die Außenverteidigerpositionen. Der Japaner, den Bruno Labbadia noch aus Stuttgart kennt, kann sowohl links als auch rechts in der Viererkette spielen. Der 24-Jährige hat in den letzten zwei Jahren in Stuttgart wenig Spielpraxis gesammelt. Das scheint sich in Hamburg fortzusetzen, denn der technisch versierte Verteidiger durfte in dieser BL-Saison erst eine Halbzeit ran.

KEINE BEWERTUNG

Das 19-Jährige Türkische Talent Batuhan Altintas wurde im Sommer für 400.000 Euro aus Bursaspor geholt. Der 1,90 große Stürmer wartet jedoch noch auf sein Bundesligadebüt.

 

FAZIT

Die HSV-Verantwortlichen scheinen bei den Sommertransfers ein gutes Näschen bewiesen zu haben. Viele Transfers erweisen sich bis jetzt als Verstärkungen, auch wenn wohl keiner dieser Spieler den krassen Unterschied ausmacht. Die Hamburger müssen in Zukunft aufpassen, dass ihre eigenen Talente nicht wieder am Anfang ihrer Karriere zu anderen Vereinen wechseln wollen (Bsp: Öztunal, Tah). Nach den zwei Seuchenjahren scheint man in Hamburg endlich an den richtigen Stellschrauben gedreht zu haben. Die Fans wären mitlerweile mit einer ruhigen Saison ohne großes Abstiegszittern mehr als zufrieden.

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