Nach einer chaotischen Saison 2014/15 mit kaum Konstanz, nur wenig spielerischem Glanz und dem enttäuschenden Saisonabschluss auf Platz sechs verpflichtete der FC Schalke 04 im Sommer neben mehreren neuen Spielern mit André Breitenreiter auch einen neuen Trainer. Er sollte die Königsblauen wieder zu alter Stärke zurückführen, die neuen Spieler gut ins Team ein- und auch wieder ein funktionierendes Mannschaftsgefüge aufbauen. Mit 20 Punkten aus elf Spielen ist der Saisonstart gut gelungen und auch der ein oder andere neue Spieler hat seinen Anteil daran.

Volltreffer

Johannes Geis fällt definitiv in diese Kategorie, kaum weniger hatte man nach seiner Verpflichtung für rund zwölf Millionen Euro im Sommer aus Mainz aber auch erwartet. Schon jetzt lässt sich sagen: Er füllt die ihm zugedachte Rolle als zweibeinige Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld der Schalker sehr gut aus und ergänzt sich dabei im Zentrum gut mit Leon Goretzka, einem weiteren Rohdiamanten. Geis fordert Bälle, verteilt sie geschickt, kann auch fast ebenso gute weite Diagonalbälle wie ein Toni Kroos spielen. Aufgrund seiner überragenden Technik ist er außerdem, sofern auf dem Spielfeld, für alle Schalker Standards zuständig, häufig werden diese dank seiner präzisen Zuspiele gefährlich. Besonders bei der Schalker Pokal-Niederlage gegen Gladbach (0:2) wurde sein Fehlen deutlich: Ohne den 22-Jährigen entstand selten Gefahr bei den Standardsituationen der Knappen und nach dem überraschenden Rückstand fehlte im Mittelfeld ein Leader, der das Spiel ordnet und weitere Angriffe energisch ankurbelt. Geis‘ Fehlen indes hing mit seiner roten Karte wenige Tage zuvor gegen den Gladbacher André Hahn zusammen, als er diesen rüde foulte. Zwar bewies er danach wahre Größe und entschuldigte sich in allen Formen bei Hahn und den Gladbachern (auch in deren Kabine), trotzdem bekam er eine wettbewerbsübergreifende Sperre von fünf Spielen. Zwar ist es nicht verkehrt, wenn Geis auch als eine Art Aggressive Leader im Mittelfeld voran gehen will, doch anscheinend muss er bei seinem Zweikampfverhalten noch eine Feinjustierung vornehmen. Alles in allem ist er aber ein Spieler, der für Schake als echter Volltreffer angesehen werden kann und vielleicht das Spiel der Königsblauen über Jahre hinaus prägt.

Verstärkung

Auch wenn er noch nicht vollends überzeugen konnte: Júnior Caiçara kann als Verstärkung angesehen werden. Der Brasilianer kam im Sommer von Ludogorets Rasgrad aus Bulgarien und freute sich damals sehr über seinen Wechsel ins Ruhrgebiet. Inzwischen hat er von elf möglichen Bundesligaspielen sieben bestritten, davon sechs als Rechtsverteidiger, eines im rechten Mittelfeld. Mit seiner guten Technik, seiner Schnelligkeit und seinem Offensivdrang ist er definitiv ein mitspielender Außenverteidiger, der Torchancen mitkreieren will und soll. Hier ist noch deutlich Luft nach oben, ein kopfballstarker Stürmer wie Klaas-Jan Huntelaar dürfte sich wahrscheinlich über einige Flanken mehr sehr freuen. Durch seine eher offensive Anlage ist Caiçara zudem defensiv nicht immer vollends überzeugend. Dennoch erledigte er seine Aufgaben bisher grundsolide und besitzt definitiv das Potenzial, zu einer festen Größe im Schalker Team zu werden. Auch dann, wenn eines Tages Atsuto Uchida nach seiner langen Verletzungspause wieder fit ist und zurück in die Startelf drängt und es wohl einen spannenden Konkurrenzkampf zwischen ihm und Caiçara geben wird.

Mitläufer

Franco di Santo wurde für etwa 8,5 Millionen Euro aus Bremen verpflichtet. Auf Schalke sollte er damit weitermachen, womit er an der Weser aufgehört hatte: viele und vor allem wichtige Tore erzielen. Dies schaffte er bisher nur bedingt. Zwar traf er in der Europa League schon viermal und auch in der ersten Pokalrunde gegen Duisburg, doch in der Bundesliga war ihm bisher in seinen elf Einsätzen noch kein Torerfolg vergönnt. Lediglich eine einzige Torvorlage steht hier bisher zu Buche. Trotzdem setzt Trainer André Breitenreiter ihn nach wie vor geduldig ein, denn er schätzt noch andere Qualitäten am 26-jährigen Argentinier. Schließlich arbeitet dieser auch in der Defensivarbeit gut mit und arbeitet für das Team. Und schließlich weiß man nicht, wann bei ihm endlich auch in der Bundesliga der Knoten platzt. Mit einer guten Technik, dem nötigen Torriecher und auch gutem Kopfballspiel bringt di Santo jedenfalls viele Qualitäten mit, um doch bald zu einer echten Verstärkung werden zu können.

Von Sascha Riether hingegen waren bei seiner Verpflichtung natürlich keine Wunderdinge erwartet worden. Aufgrund der langen Verletzung von Atsuto Uchida sollte der inzwischen 32-jährige Riether hinter dem ebenfalls neu verpflichteten Caiçara als Backup hinten rechts dienen. Wie damals schon vermutet, kam er bisher immer dann zum Einsatz, wenn Caiçara eine Verschnaufpause brauchte. Trotzdem kam er bisher schon auf fünf Saisoneinsätze und machte seine Sache mit all seiner Routine gut. Allerdings besitzt er natürlich nicht (mehr) die Dynamik eines Caiçara oder auch eines Uchida und kann daher das Offensivspiel nicht so druckvoll verstärken wie diese beiden. Spätestens wenn Uchida wieder fit ist, wird die Anzahl der Saisoneinsätze für Sascha Riether wohl deutlich abnehmen. Auch auf Riethers Nebenposition im defensiven Mittelfeld ist die Konkurrenz groß. Dennoch kann er mit seiner Erfahrung genau die Aufgabe erfüllen, die ihm wohl zugedacht wurde: für verletzte Mitspieler in die Bresche springen und unspektakuläre, aber solide Arbeit abliefern.

Enttäuschung

Pierre-Emile Højbjerg gilt zu Recht als großes Talent. Neben seiner feinen Technik kann er in guter Form die verschiedenen Mannschaftsteile verbinden und aus dem zentralen Mittelfeld heraus Torchancen einleiten oder sogar selbst für Torgefahr sorgen. Sein größtes Problem derzeit setzt sich allerdings aus zwei Namen zusammen, die da lauten: Geis und Goretzka. Dieses Gespann scheint sich im zentralen/defensiven Mittelfeld der Schalker gefunden zu haben, sodass Højbjerg bisher fast nur als Einwechselspieler agieren durfte. Deutlich zu wenig für einen Rohdiamanten wie ihn. Denn eines ist auch klar: von Bayern München wurde er deshalb ein Jahr lang zu Schalke verliehen, damit er dort weitere Spielpraxis sammelt und sich weiterentwickeln kann. Nun, da Johannes Geis noch einige Spiele fehlt, könnten Højbjergs Chancen auf mehr Startelfeinsätze gestiegen sein. So auch beim Europa League-Spiel in Prag (1:1), als er zwar wieder gute Ansätze zeigte, aber auch viele Fehlpässe spielte und manchen Zweikampf nicht energisch genug führte. Nun muss er dringend zeigen, über welche Qualitäten er verfügt und dass er schon richtig im Ruhrgebiet angekommen ist, will er über die Saison auf deutlich mehr Einsätze kommen.

Gesamtfazit der Transferpolitik

So wie in den Jahren zuvor hatte Manager Horst Heldt auch dieses Mal nicht durchweg ein goldenes Händchen bei der Verpflichtung neuer Spieler. Johannes Geis kann ohne Zweifel als Königstransfer gelten. Die Leistungen aller weiteren Spieler sind dagegen noch optimierbar bis sehr ausbaufähig. Sie müssen nun zeigen, dass sie dem Team wirklich weiterhelfen können und eine echte Verstärkung sind. Dabei kann ihnen einer helfen, der auf der Bank sitzt bzw. am Seitenrand steht und auch schon als ein guter Griff von Horst Heldt angesehen werden kann: Trainer André Breitenreiter. Er scheint aus dem zuvor verunsicherten Schalker Team wieder eine Einheit geformt zu haben, in der Jeder für Jeden läuft und kämpft. Inwiefern er aber Spieler weiterentwickeln kann, muss auch er erst noch zeigen.

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