Nach einer wiedermals guten Saison der konstant überraschenden Augsburger und dem Erreichen der Euro-League waren die Erwartungen vor der Spielzeit 15/16 nicht so notorisch gering wie sonst immer. Und just jetzt steht der FCA selten schlecht da: Schlusslicht der Bundesliga, vier Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. Und das, obwohl man dieses Jahr Platz eins und Platz drei der Rekord-Zugänge verzeichnete. Warum das Augsburger Abschneiden trotzdem auch an den Transfers liegt, erfahrt ihr hier.

Stefan Reuter traute sich endlich einmal, ein bisschen mehr Geld auszugeben – doch von den 20 Millionen Euro, die man für Baba bekam hätte man wohl noch mehr wieder investieren müssen. Zudem doch in letzten Jahren äußerst gut gewirtschaftet wurde. Denn dass man auf Sparkurs nicht dauerhaft oben mitspielen kann, zeigt die aktuelle Saison. Doch wer weiß – reichen die Neuzugänge, um sich noch nach oben zu orientieren?

VERSTÄRKUNG

Als Volltreffer kann bis zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Zugang der Augsburger bezeichnet werden. In die Kategorie ,,Verstärkung“ hingegen lässt sich allen voran Augsburgs neuer Rekordtransfer Ja-Cheol Koo einteilen. Der 26 Jahre alte Südkoreaner wurde nach seinen Zwischenstationen Wolfsburg und Mainz für fünf Millionen Euro zurückgeholt, man erhoffte sich aber mehr vom teuersten Transfer der Vereinsgeschichte. Der Offensivmann hat gute Anlagen, könnte mehr Tore und Assissts verzeichnen als aktuell (jeweils 2). Vielleicht hätte man das Geld lieber in einen Spieler für die Außen investieren sollen, Tobi Werner hat seinen Zenith wohl erreicht. Und Koo ist einer, der lieber in der Zentrale spielt.

Der Baba-Ersatz Philipp Max spielt zwar noch nicht auf dem Level seines Vorgängers, doch es ist logisch, dass sich der Außenverteidiger, aus der zweiten Liga kommend, erst an den neuen Wirkungsort und die Bundesliga gewöhnen muss. Der 21-Jährige war dem FCA 3,8 Millionen Euro wert, belegt somit bei den internen Rekordtransfers Platz drei hinter Matavz. Er zeigt schon jetzt sehr gute Ansätze, vor allem in der Offensive. An ihm wird man noch viel Freude haben. Definitiv eine Verstärkung!

Fest verpflichtet haben die Fuggerstädter Dominik Kohr von Leverkusen, der zuvor schon auf Leihbasis für den FCA spielte. Der junge zentrale Mittelfeldspieler ist mit Sicherheit eine Verstärkung, wenn er bei den Schwaben eine Mitläufer-Rolle erfüllt hätte, hätte man ihn wieder zurück zu Bayer 04 ziehen lassen und nicht 1,4 Millionen Euro für ihn ausgegeben. In der aktuellen Saison sucht er zwar wie ein Großteil der Mannschaft seine Topform, aber der 21-Jährige ist ein Mann für die Zukunft.

Als Verstärkung zeigt sich zudem noch der Bundesliga-Routinier Piotr Trochowski, der top motiviert nach Deutschland zurückkehrte und sich gleich unglücklich verletzte. Die Zwangspause ist vorbei, Trochowski ist zurück und zeigt, dass man ihm zurecht Vertrauen schenkt. Seine Stärken am ruhenden Ball sind ein echtes Plus für den FCA. Bloß ist der 31-Jährige mit Sicherheit kein Perspektivtransfer, im Moment aber eine Verstärkung für das Augsburger Team in einer prekären Lage.

NICHT BEWERTBAR

Nicht bewerten lassen sich bisher die beiden Außenverteidiger Konstantinos Stafylidis und Daniel Opare. Beide Transfers waren von großen Hoffnungen begleitet, doch beide Spieler sind immer noch verletzt. Stafylidis konnte sich zwar kurz zeigen, doch seine vier Spiele über neunzig Minuten reichen nicht für eine Bewertung, fanden sie doch alle am Anfang der Saison statt, als die gesamte Mannschaft noch verzweifelt nach ihrer Form suchte. Prognose: Der schnelle Grieche schwankt zwischen Mitläufer-Rolle und Verstärkung.

Spannend wird, wie sich der Ghanaer Opare machen wird: Seine ersten Einsätze im Augsburger Dress stehen bevor. Kann er der Mannschaft mit seiner internationalen Erfahrung weiterhelfen? Auch einer mit großen Anlagen, schnell, impulsiv im Offensiv- und Defensiv-Zweikampf. Noch konnte er sich in keiner der großen europäischen Ligen durchsetzen.

Yannick Oettl ist der Dritte, der unter die Sparte ,,nicht bewertbar“ fällt. Der Hachinger Neuzugang wird zur Zeit in der U23 Augsburgs aufgebaut, soll an die Erste herangeführt werden. Der 19-Jährige wurde aber vorerst nur mit einem Vetrag bis 2016 ausgestattet.

GESAMTFAZIT DER TRANSFERPOLITIK

Es steht außer Frage, dass man sich in Schwaben mit guten Spielern verstärkt hat. Doch es erschließt sich nicht ganz, warum man für einen namhaften Außenverteidiger-Abgang (Baba) gleich drei Neue (Max, Opare, Stafylidis) geholt hat. Und stattdessen nicht beispielsweise etwas für die alternde Innenverteidigung (Klavan, Callsen-Bracker) oder für die Flügel (Werner) gemacht hat. Man hätte wohl ein wenig mehr Geld sinnvoller anlegen müssen. Trotzdem scheint es unrealistisch, dass der FCA am Ende der Saison immer noch auf den Abstiegsplätzen steht. Zu fähig ist hierfür die sportliche Leitung, welche im Winter bestimmt noch an der ein oder anderen Stellschraube drehen wird.

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