Mainmetropole und Börsenstadt Frankfurt. Ort, wo täglich unzählige Business-Menschen und Privatanleger auf steigende Kurse hoffen. Hätte man vor einem Jahr nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Schwegler, Rode und Jung die prognostizierte Kurve aufstellen müssen, wäre sie vermutlich bei einigen Fans ähnlich der VW-Aktie verlaufen. Es kam letztendlich anders, man hatte nichts mit dem Abstieg zu tun, schielte zwischenzeitlich auf die Europa-League-Ränge und Neuzugänge wie Seferovic und Hasebe schlugen ein, doch irgendwie wusste man nicht wirklich viel mit der Saison anzufangen. Umso größer die Hoffnungen auf Jahr 2 mit Thomas Schaaf, doch nach dem 9.Tabellenplatz standen entscheidende Änderungen in Frankfurt an: Mit dem überraschenden Abgang von Trainer Thomas Schaaf und der Rückkehr von Armin Veh herrschte auf dem Trainerstuhl Fluktuation, aber auch im Spielerkader musste man mit Kevin Trapp einen großen Abgang beklagen, der nach 3 starken Jahren bei der Eintracht in die französische Hauptstadt ging, wo er jetzt Stammspieler wurde und sogar den Sprung ins deutsche Nationalteam schaffte. Wie die Eintracht im Sommer einkaufte, wie stark sich die Neuzugänge um Hradecky, Castaignos und Co. bisher präsentiert haben und wohin deren Aktienkurs verlaufen könnte, liest du in unserer neuen Transferabrechnung zu Eintracht Frankfurt.

VOLLTREFFER

Hradecky

Vor der Saison verlor man mit Kevin Trapp den langjährigen Leistungs-und Sympathieträger an Paris St.Germain in Richtung Frankreich. Ein Umstand der trotz Millionenablöse, anfangs bei gewiss nicht wenigen SGE-Anhängern für leichte Schweißperlen auf der Stirn gesorgt haben sollte. Zu viele Punkte gesichert, zu viele besondere Paraden – insgesamt auch zu große Fußstapfen für den möglichen Nachfolger? Sportdirektor Hübner lies sich bei der Suche Zeit und verpflichtete für 2,5 Millionen Euro Ablöse den finnischen Torhüter Lukas Hradecky von Bröndby IF. Viele Fans zuckten bei diesem Namen die Schultern, doch galt die Nummer 1 der finnischen Nationalmannschaft schon damals mit Dahlin und Larsen als einer der stärksten Schlussmänner der dänischen Superligaen. Schon in seinem ersten Spiel zeigte Hradecky seine Qualitäten, bei der er als mitspielender Torhüter im Spielaufbau mit seinen sehr präzisen Abwürfen und besonders durch seine starken Reflexe auf der Linie und im 1 gegen 1 sofort große Sicherheit ausstrahlte und routiniert agierte. Auch in den weiteren Spielen passte er sich der leichten sportlichen Krise nicht an und hat mit seinen 25 Jahren genügend Entwicklungspotenzial, um seine leichten Schwächen in der Strafraumbeherrschung auf Top-Niveau auszumerzen und die Eintracht-Fans noch glücklicher als bisher zu machen, obwohl er schon jetzt kaum Fehler im Spiel drin hat. Bisher in jedem Spiel eingesetzt und ein wahrer Volltreffer für eine vergleichsweise moderate Ablösesumme, der den schmerzhaften Abgang von Trapp zumindest etwas leichter vergessen lassen kann.

VERSTÄRKUNG

Castaignos, Abraham

Mit Kadlec und dem jungen Waldschmidt hatte man vor der Saison zeitweise nur zwei einsatzbereite Stürmer, sodass vor der Saison händeringend nach einem starken Offensivspieler gescoutet wurde und man in unserem Nachbarland Niederlande fündig wirde. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und Engpässe konnte man den Niederländer Luc Castaignos für nur 2,5 Millionen von Twente Enschede loseisen und der Ex-Inter Mailand Spieler legte dann auch in den ersten Spielen los wie die Feuerwehr und schnürte an Spieltag 3 und 4 jeweils einen Doppelpack mit Torvorlage. 6 Scorerpunkte lasen sich herausragend, doch spätestens nach der Rückkehr von Alexander Meier veränderte sich die Spielweise des Teams, bei denen der schnelle, abschlussstarke Niederländer weniger Einfluss auf das Spiel nahm und seine Defizite im Spiel gegen den Ball offener auftraten. Als reiner Konterstürmer, der sowohl auf Außen als auch in der Sturmspitze agiert, war er schon bei Twente mit jeweils zweistelligen Trefferquoten vorstellig. Bei der Eintracht muss der Publikumsliebling trotz vielversprechenden Leistungen an seinem Defensivverhalten arbeiten und sein vollständiges Potenzial in dem taktischen Korsett von Armin Veh auf den Platz bringen, dafür noch härter arbeiten, denn dass große Qualitäten in ihm schlummern, ist unbestritten.

David Abraham ist ein schneller Innenverteidiger, der besonders mit seiner Technik im Aufbauspiel Qualitäten mitbringt. Damals in Basel europaweit geschätzt und auch in Hoffenheim lief es einige Zeit gut, doch als man vor der Saison nach der Verpflichtung von Schär, keinerlei Verwendung für den Argentinier hatte, schlug man zu und verpflichtete den bescheidenen, sympathischen, damligen U20-Weltmeister bis 2018. Da die Eintracht-Innenverteidigung mit Zambrano und Russ naturgemäß nicht gerade das sprintstärkste Duo ist, Zambrano und Bamba Anderson länger ausfiel bzw. noch ausfällt und auch der Vertrag mit Madlung nicht verlängert wurde, schien die Verpflichtung sinnig und nach den ersten neun Einsätzen fügte sich der 29-Jährige gut ein, auch wenn er bisweilen verletzungsanfällig ist. Man spricht spanisch in der Hintermannschaft von Eintracht und Abraham erfüllt die Erwartungen bisher solide, erfüllt damit die Vorraussetzungen einen verstärkenden Part in der Frankfurter Hintermannschaft zu spielen, hat aber bei der finalen Eingespieltheit mit Zambrano auch durchaus noch Potenzial nach oben.

MITLÄUFER

Reinartz

Stefan Reinartz ist vermutlich der am meisten unterschätzteste Spieler bei Bayer Leverkusen gewesen. Zwar war er im Verein hochgeschätzt, aber auch kein Spieler, der für technische Kabinettstückchen, Führungsverantwortung oder Titelbilder der Klatschgazetten sorgt, was ihn leicht untergehen ließ im Rheinland-Ensemble.Ein Zustand, der ihn unter anderem dazu veranlasste trotz Vertragsangebotes die Leverkusener Werkself nach vielen Jahren zu verlassen und bei Eintracht Frankfurt ein neues Kapitel aufzuschlagen. Mit höherem sportlichen Wert für die Mannschaft, mit einer wichtigeren tragenden Rolle im Team auf der To-Do-Liste aufgeschreiben hat sich der zentrale Mittelfeldspieler, der nebenbei Psychologie studiert, den Stammplatz ergattert. Der von Trainer Veh liebevoll als „Quarterback“ bezeichnete Reinartz ,zahlt das Vertrauen zurück, hat gute Ideen, ist jedoch nicht der powervolle, kreative Spielmacher, den er erfüllen soll, agiert aber grundsolide. Solide wie bei Bayer Leverkusen, aber auch kein Spieler, der in der momentanen Situation den Unterschied ausmacht. Zurzeit ist Reinartz noch Mitläufer und muss jetzt den nächsten Entwicklungssprung machen.

NICHT BEWERTBAR

Lindner, Gacinovic

Heinz Lindner wurde früh vor der Saison geholt, um den Abgang von Felix Wiedwald nach Bremen abzufedern und der Neuzugang von Austria Wien erfüllt die Rolle bisher ohne zu murren, hält das Niveau im Training hoch, ist aber aufgrund der Stärke von Lukas Hradecky die klare Nummer 2. Das Austria-Eigengewächs und langjährige, unumstrittene Leistungsträger im Verein präsentierte seine Stärken im DFB-Pokal-Spiel,  besitzt nun genügend Zeit um mit Torwarttrainer Petz an seiner Strafraumbeherrschung zu pfeilen. Großartig entwickeln wird er sich ohne Spielpraxis zwar nicht, doch bei einer Verletzung von Hradecky hat man einen erfahrenen Mann in der Hinterhand, da Nummer 3 Balajev noch Zeit braucht.

Wenn man bei der Frankfurter Eintracht nach Problempositionen sucht, kommt man zwangsläufig auf das linke Mittelfeld ( bzw.Linksaußen) und teilweise auf die rechte Verteidigung zu sprechen. Auf dem linken Flügel agierte lange Zeit Takashi Inui mehr schlecht als recht, sodass man hier diese Lücke schließen wollte und mit Mijat Gacinovic für 2,5 Millionen Euro, den Kapitän des serbischen U20-WM Siegers holte. Mit seinen 20 Jahren ist der Serbe noch blutjung, doch braucht noch erhebliche Zeit sich zu akklimatisieren um seine Schnelligkeiten, Dribbelstärke und ausgereifter Technik auf den Platz zu bringen. Vom Typ her ähnlich wie Inui, hat er jetzt etwas Muskelmasse aufbauen können und man kann gespannt sein, inwiefern er sich durchsetzen kann. 2,5 Millionen Euro Ablöse, 0 Bundesliga-Einsätze sind ein ernüchterndes Zwischenfazit, doch bringt er Potenzial mit und ist schlichtweg nicht bewertbar in diesem Zwischenfazit.

Fazit

Insgesamt hat Eintracht Frankfurt eine brauchbare Transferperiode hinter sich. Mit Hradecky, Castaignos und Abraham konnte man seinen Kader clever ergänzen und auch Stefan Reinartz bringt gute Anlagen mit, auch wenn er jetzt den nächsten Entwicklungsschritt gehen muss. Lindner ist klare Nummer 2, hält jedoch die Qualität im Training hoch und bei Gacinovic muss man abwarten, inwiefern er einschlagen kann, auch wenn die Flop-Gefahr doch nicht klein sein dürfte. Insgesamt ist die Problemstelle auf der linken Außenbahn Anfang November noch nicht wirklich geschlossen, doch das kennen die SGE-Fans ja und man muss nüchtern betrachten, dass auch die finanziellen Mittel fehlen, jeden Mannschaftsteil doppelt stark zu besetzen, sodass eine Platzierung im Mittelfeld der Tabelle durchaus realistisch sein dürfte. Die Aktienkurse steigen nun verhalten an und alle Anleger können gespannt sein, wohin die Tendenz im Mai 2016 letztendlich tatsächlich ausschlagen wird.

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