Der 1.FC Köln war jahrelang eine Fahrstuhlmannschaft und das sollte sich ändern. Für den Umschwung mussten ein neuer Trainer samt neuem Vorstand und neuer Geschäftsführung her. Binnen drei Jahren wurden alle Posten neu besetzt – es half! Peter Stöger führte den „Effzeh“ wieder ins Oberhaus und seine Aufgabe ist es nun, die Domstädter dort oben zu halten. Die Grundlage dafür stellt Manager Jörg Schmadtke, der bereits mit Spielern wie Olkowski oder Vogt Fingerspitzengefühl bewiesen hat. Ob die Transfers dieses Jahr ebenfalls positiv ausgefallen sind und ob damit eine Basis für den erneuten Klassenerhalt (oder mehr?) geschaffen ist, wird Transferkritiker.de für euch analysieren.

VOLLTREFFER
Als Ablöse wurden 4,5 Millionen Euro notiert. Ein absolutes Schnäppchen für den FC, der sich mit Anthony Modeste aus Hoffenheim gezielt verstärkt hat. Während der Transferperiode verließ der Nigerianer Anthony Ujah den FC durch die Hintertür und hinterließ eine klaffende Lücke im Sturm. Nun war Schmadtke gefragt. Das Ideal sollte ziemlich groß sein, zudem schnell und schussstark, nicht allzu teuer und noch relativ jung, andererseits aber auch erfahren. Dass man mit dem Franzosen Anthony Modeste dann einen Spieler fand, der eins zu eins in dieses Anforderungsprofil passte, war ein absoluter Glücksfall. Der große Franzose mit Wurzeln aus Martinique erfüllte so ziemlich alle Erwartungen: Der 27-Jährige hängt sich in jeden Ball rein und kreiert Torchancen, die eigentlich keine sind. So stehen nach 14 Pflicht-Spielen neun Treffer zu Buche. Eine Quote, die gut, aber sogar noch ausbaufähig ist. Modeste selber kündigte „zehn bis 15 Tore“ an. Unmöglich ist was anderes.

Den Umbruch des Zweitligisten Kaiserslautern nutzte man beim FC aus, indem man das Talent Dominique Heintz für läppische 1,5 Millionen Euro verpflichtete. Von 12 möglichen Bundesligapartien bestritt der 22-Jährige exakt 12 –von Anfang bis zum Schlusspfiff. Der Grund dafür mögen seine Qualitäten im Kopfballspiel sein, zudem bringt der Junioren-Nationalspieler spielerische und körperliche Vorteile mit sich. Er kann das Spiel beruhigen und eröffnet den nächsten Angriff gerne auch selber, scheint mit jedem Spiel ruhiger und souveräner zu agieren. Das sind deutliche Hinweise darauf, dass der lange Innenverteidiger mit und beim FC wachsen kann.

VERSTÄRKUNG
Als Überraschungstransfer galt Leonardo Bittencourt, als er für gerade einmal 2,5 Millionen Euro aus Hannover an den Rhein wechselte. Der U21-Nationalspieler wird in Fachkreisen deutlich höher bewertet. Der 21-Jährige spielte bereits so manche Gegenspieler schwindelig und fand auch öfters den richtigen Moment für den Pass in die Tiefe. Er ist kaum noch wegzudenken im Offensivspiel der Kölner, besitzt großes Potenzial, aber auch noch eine Menge Luft nach oben. Vom Alter her passt der Deutsch-Brasilianer perfekt in den jungen Kader aus Köln. Bis dato stehen ihm in elf Partien lediglich zwei Vorlagen zu Buche. Das klingt zwar ein bisschen zu wenig, jedoch ist man sich in Köln sicher, dass das noch besser wird.

MITLÄUFER
Wenn man es mit den Augen der Scouting-Abteilung guckt, war Frederik Sörensen eigentlich nur Plan C in den Gedankenspielen der Kölner. Nachdem die Transfers von Santana (Medizincheck nicht bestanden) und Douglas (Probleme in den Verhandlungen) geplatzt waren, wurde der Däne für 2 Millionen Euro aus Turin verpflichtet. Das war nach den Verletzungen von Maroh und Mavraj auch nötig, denn er war mit Dominique Heintz der einzige Innenverteidiger, der einsatzbereit war. Deswegen spielte er auch alle bislang möglichen Bundesligaspiele, zuletzt allerdings kam er nur noch von der Ersatzbank zum Einsatz, wurde im Derby erst in der 90. Minute eingewechselt. Grund dafür waren einerseits schwankende Leistungen und andererseits die Rückkehr von Dominic Maroh, der beim Startelf-Comeback in Leverkusen ein Riesen-Spiel hinlegte. Es wird wohl auch in den kommenden Wochen so aussehen, dass Maroh und Heintz die Innenverteidigung bilden werden und Sörensen sich wohl mit der Reservistenrolle anfreunden muss. Jedoch hat der 23-Jährige den Vorteil, dass er sowohl die Innenverteidiger- als auch die Rechtsverteidigerposition beherrscht.

Eine außergewöhnliche Geschichte hat Philipp Hosiner, dessen geplanter Transfer im vergangenen Winter zum FC gescheitert war. Grund dafür war ein festgestellter Nierentumor und es gilt mittlerweile als medizinisches Wunder, dass der Transfer vom französischen Erstligisten Stade Rennes doch stattfinden konnte und der Österreicher weiterhin auf Torejagd geht. Jedoch ist Stögers Lieblingsschüler aus Wiener Zeiten nur auf Leihbasis beim FC, allerdings mit unbekannter Kaufoption. Hosiner selbst hatte bislang allerdings wenige Chancen, sein Können unter Beweis zu stellen. Lediglich 283 Spielminuten mit einem Tor stehen auf dem Papier. Und die Zahlen lügen nicht: Hosiner entwickelte bislang noch nicht die Durchschlagskraft, die es benötigt, um in der Bundesliga zu bestehen. Ob Köln sich eine Zukunft mit dem 26-Jährigen vorstellen könnte, steht noch in den Sternen.

Der nach einer Leihe aus Kaiserslautern zurückgekehrte Simon Zoller machte in der Vorbereitung eine wunderbare Figur, wurde intern als Stammstürmer neben Modeste gesehen. Jedoch war es dann wie bereits in der Vorsaison so, dass er aufgrund von Schwächen im Abschluss und im Dribbling den Stammplatz verspielte. Mittlerweile stehen vier Tore in zwölf Spielen auf dem Papier, das ist zu wenig, um restlos zu überzeugen. Die Fans verzweifeln mittlerweile an dem Stürmer, der eigentlich sehr gute Voraussetzungen hat. Jedoch schafft es neben Modeste keiner der vier weiteren Stürmer (Finne, Zoller, Hosiner, Osako), konstant eine gute Form beizubehalten.

ENTTÄUSCHUNG
Mit dem Ex-Dortmunder Milos Jojic sollte Kreativität ins Kölner Angriffsspiel kommen. Dafür hat der Serbe auch alle Qualitäten. Doch es sollte einfach nicht sein: Den 23-Jährigen schwächte nicht nur eine Blessur in der Vorbereitung, er spielte zudem noch bei der U 21-EM, die ihm anscheinend einiges an Kraft gekostet hat. Danach fand er einfach nicht mehr zu alter Form zurück und konnte den Trainingsrückstand kaum aufholen. Indes freundete sich der Spielstil der beiden Parteien einfach nicht an – Köln spielt im gewohnten Power-Stil, Jojic ist eher einer, der über Kreativität kommt. So muss man am Ende sagen: Dieser Transfer ging bisher eher in die Hose. Ausgeschlossen ist es aber nicht, dass Jojic sich plötzlich zurückmeldet und dann den gewünschten Effekt bringt.

GESAMTFAZIT DER TRANSFERPERIODE

Nach unserer Einschätzung war lediglich ein Transfer eine Enttäuschung – und die ist ja bekanntlich immer mal wieder drin. Sportlich gesehen steht Köln sehr gut da, mit 18 Punkten und dem siebten Platz rangiert man bislang vor Leverkusen und nur knapp hinter dem anderen rheinischen Rivalen, Borussia Mönchengladbach. Doch dieser fulminante Start ist alles andere als zufällig: Jörg Schmadtke und Peter Stöger leisteten klasse Arbeit in der Vorbereitung, haben den Kader perfekt eingestimmt und sich gezielt, aber mit Vorsicht, verstärkt. Dazu passt das Umfeld in Köln aktuell einfach, es herrscht eine gute Stimmung im und außerhalb des Klubs. Was auch daran liegt, dass den Fans das Träumen von Europa endlich wieder erlaubt ist.

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