Affen warten nicht bis die Früchte reif sind: So oder so ähnlich muss der Gedankengang von Mainz-Sportdirektor Rouven Schröder ausgesehen haben, als die 05er den sofortigen Transfer von Marin Sverko verkündeten. Eigentlich sollte der junge Linksverteidiger erst im Sommer vom Karlsruher SC nach Mainz wechseln, doch ein Umdenken der Verantwortlichen führt nun dazu, dass Sverko sich bereits jetzt dem Tabellen 10. der Bundesliga anschließt. Möchte man Martin Schmidt damit die Möglichkeit eröffnen, den 18-jährigen langsam an die Spielweise seines Teams heranzuführen oder schwingen bei diesem Sinneswandel insgeheim doch größere – möglicherweise auch kurzfristige – Hoffnungen in den kroatischen Außenverteidiger mit?

Who the hell is Sverko?

Fangen wir erst einmal mit der wichtigsten aller Fragen an: Wer ist eigentlich dieser ist Marin Sverko? Zugegeben, man musste schon ein ausgewiesener Experte der Karlsruher Nachwuchsarbeit sein, um vor dieser Saison mehr über den Spielstil und die Karriere von Sverko zu wissen. Beginnend beim weltberühmten 1. FC Kieselbronn durchlief der Deutsch-Kroate ab der U-17 sämtliche Jugendabteilungen des Karlsruher SC, ehe er in dieser Saison erste Einsatzminuten beim KSC II in der Oberliga und in der 2. Liga bei den Profis erhielt.

Auch als U-Nationalspieler machte Sverko auf sich aufmerksam – zu unserem Bedauern allerdings nicht für den DFB, sondern für den kroatischen Fußballverband. Besonders schmerzlich: bei der U-17 WM 2015 bezwang Sverko mit Kroatien die deutschen Junioren im Achtelfinale, ehe man eine Runde später am späteren Weltmeister Mali (!) scheiterte.

Einen verständlicherweise noch nicht sonderlich langen oder erfolgsgeprägten Werdegang hat Marin Sverko also hinter sich. Trotzdem scheint dieser auszureichen, so dass sich ein inzwischen gestandener Bundeligaklub wie der FSV für eine Verpflichtung des Linksverteidigers entscheidet. Welche Fähigkeiten bringt das junge Talent also mit und wie sehr ist seine Personalie bereits für die Rückrunde der Mainzer von Bedeutung?

Balanceakt Außenverteidiger

Zwar stehen gerade bei den Profis lediglich zwei Einsätze zu Buche, jedoch deutete Sverko in diesen bereits sein großes Potenzial an. Für einen Linksverteidiger bringt er mit einer Körperlänge von 1,87 Meter eine durchaus beachtliche Größe mit sich. Scheu, diese auch auf höherem Niveau einzusetzen, scheint der kroatische Juniorennationalspieler nicht zu haben – immerhin zwei Drittel seiner Zweikämpfe gewann Sverko in seinen beiden Zweitligaeinsätzen für den KSC.

Körperliche Präsenz ist wichtig, allerdings längst nicht die einzige Komponente, die ein Spieler auf der Außenverteidigerposition heutzutage mitbringen sollte. Darüber hinaus zählt der gebürtige Pforzheimer vor allem „Schnelligkeit und Tempo“ zu seinen Stärken. Diese Offensivqualitäten auch im Fußball-Oberhaus einzubringen dürfte die ganz große Herausforderung – insbesondere in der Anfangszeit – für ihn darstellen. Die richtige Balance aus Defensive und Offensive zu finden, gehört zu den Grundvoraussetzungen eines modernen Außenverteidigers. Aufgrund der noch fehlenden Erfahrung auf Top-Niveau würde es deshalb niemanden überraschen, wenn der Neu-Mainzer noch einige Zeit braucht, bis er eine ernsthafte Alternative in Schmidts Planspielen darstellt.

Allerdings sind diese gerade auf der linken Außenverteidigerposition alles andere als variantenreich. Gaetan Bussmann war bis zu Sverkos Wechsel der einzig nominelle Linksverteidiger im Kader. Als einziger Ersatz galt daher bislang Daniel Brosinski, der eigentlich auf der rechten Seite zu Hause ist. Ein solcher Mangel an Alternativen mag für Sverko die Chance sein, den großen Traum von der Bundesliga bereits in den nächsten Wochen zu verwirklichen. Wenn es nach dem Geschmack von Rouven Schröder geht, könnte dieser Fall auch schon in den kommenden Partien eintreten: „Wir freuen uns, dass sich Marin Sverko bereits jetzt Mainz 05 anschließt. So können wir ihn frühzeitig an die Spielweise unserer Mannschaften heranführen.“. In dieser Hinsicht erscheint die Verpflichtung also ganz klar sinnvoll und für beide Parteien mit wenig Risiko behaftet.

Sverko? Klingt ganz nach Mainz 05….

Wirft man einen genauen Blick auf die Eigenschaften und die Vita von Marin Sverko, so bestätigt sich dieser Eindruck. Der Transfer passt perfekt in das Beuteschema der 05er. Kaum ein anderer Verein in der Bundesliga integriert so erfolgreich junge und talentierte Nachwuchsspieler, welche entweder aus der eigenen Jugend hochgezogen oder von unterklassigen Teams abgekauft, wie die Mainzer bei ihrer Kaderzusammenstellung.

Dass sich also Mainz für Sverko als optimales Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere entpuppen könnte, zeigen vor allem zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit. André (Apfel-) Schürrle, Stefan (Hells-) Bell und Jan (ich kann nicht fassen, dass der in der Premier League „spielt“-) Kirchhoff, um nur ein paar zu nennen, schafften allesamt bei den 05er den Sprung ins Profigeschäft und sammelten später sogar Einsätze in der Euro bzw. Champions League. Zwar ist Sverko noch sehr jung und wir wollen ihm – wie es ja in der heutigen Zeit so gerne gemacht wird – nicht zu früh eine schwere Last auf die Schultern legen, aber der Grundstein für eine ähnliche Karriere wurde durch seinen Schritt aus dem Wildpark in die Karnevalshochburg in jedem Fall gelegt.

 

 

 

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