Die türkische Nationalhymne erklingt, tausende Kehlen in rot-weißen Nationalfarben gekleidet singen voller Inbrunst die „Istiklal Marsi“. Eine Gänsehaut-Stimmung und elektrisierende Atmosphäre, die generell in vielen türkischen Stadien vorherrscht und beeindruckt. An diesem Abend siegte man gegen die Niederlande 3:0 und vergessen waren die bislang eher dürftigen Auftritte der Nationalmannschaft, der sportliche Moment als Gradmesser der Stimmung einer ganzen Sportnation. Neben der Nationalmannschaft fristete die Süper Lig lange Zeit beim deutschen Fußballfan eher ein Schattendasein, dessen Ausdruck sich in Vorurteilen über ältere, verblichene Stars und große Abwehrkanten in zu kleinen Trikots ausdrückte. In dieser Transferperiode geriet die Süper Lig jedoch europaweit wieder in Erscheinung und man verpflichtete eine Handvoll international erfolgreicher Spieler, sowie einer Vielzahl von deutschen und deutsch-türkischen Spielern, die fortan die heimische Liga bereichern. Was sich alles auf dem Transfermarkt tat, wie die großen Istanbuler Clubs auf die neue Saison vorbereitet sind und welche Teams außerdem Ambitionen hegen, im heutigen Artikel.

In der 1959 gegründeten Süper Lig galt seit Anbeginn der Liga der Kampf der drei Istanbuler Clubs, damals noch in der Regionalstaffel Istanbul, um den Kampf um den Titel, der nur zwischenzeitlich in den goldenen 70er und Anfang 80er Jahren von Trabzonspor und zwischenzeitlich von Bursaspor kurzzeitig durchbrochen werden konnte. Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas sind dabei nicht nur Fußballvereine, sondern teilweise schon eine sportliche Religion oder sozialer Status, der sich zum Beispiel beim Arbeiterverein Besiktas ausdrückt. Mit 20 Meistertiteln ist Galatasaray momentan hauchdünn Rekordmeister vor Fenerbahce (19 Meistertitel), sodass häufig in den Fanlagern Sticheleien bezüglich des 4.Sternes auf dem Trikot von Galatasaray aufkommen, da man hier viele Meisterschaften vor dem Jahre 1959 nicht mitzählt. In den letzten Jahren hat sich außerdem Trabzonspor in die Riege der Spitzenteams aufgeschwungen und belegt nach drei Spieltagen bereits den 2.Tabellenplatz der Süper Lig.
Die Spitzenteams

Galatasaray

Galatasaray ist amtierender Meister, startet als einziger Verein in der Champions-League, konnte jedoch nach der Meisterschaft aufgrund von finanziellen Engpässen nicht im großen Stil einkaufen, sodass nach dem Stareinkauf Lukas Podolski, mit dem bis Januar gesperrten Großkreutz, City-Leihe Denayer, Jose und dem Süper-Lig Veteranen Kisa Spieler für die Breite und nicht für die Galerie geholt wurden. Mit Felipe Melo (Inter) verabschiedete sich vor kurzem noch ein Leistungsträger zu seinem Ex-Trainer Mancini, sodass der 45-Jährige Hamza Hamzaoglu zwar auf eine eingespielte Mannschaft mit den starken Snejder, Selcuk und Burak setzen kann, jedoch besonders in der Defensive sowohl die Qualität und Quantität auf manchen Positionen fehlt.

Fenerbahce

Fenerbahce hat in diesem Sommer am Meisten den Kader umgekrempelt und will nach der Sperre im internationalen Wettbewerb mit dem Ex-Porto Trainer Vitor Pereira und einer Vielzahl von internationalen Neuzugängen den Titel von 20154 zu wiederholen. Fener verpflichtete zwar schon traditionell viele Legionäre, doch insbesondere nach der neuen Regel der TFF, wonach statt 8 Ausländern nun 14 Legionäre im Kader stehen dürfen, klotzte man auf dem Transfermarkt holte Nani, Van Persie, Kjaer und Markovic starke Spieler aus Europa, Mittelfeldregisseur Jozef aus Brasilien, die mit dem türkischen Top-Talent Ozan Tufan und Torschützenkönig Fernandao von Bursaspor clever ergänzt wurden. Mit Fanliebling Moussa Sow (16 Millionen Ablöse), Emenike und Kuyt, sowie vielen älteren Spielern wie Korkmaz oder Emre verlor man routinierte Spieler, aber auch große Belastungen im Gehaltsbudget.

Besiktas

Die Karakartallar haben bereits seit einigen Jahren mit Fabian Ernst, Roberto Hilbert und Co. eine größere deutsche Vergangenheit, sodass es nicht überrascht, dass nach den vielen deutsch-türkischen Spielern um Töre, Sahan und Tosun, nun mit Mario Gomez und Andreas Beck zwei deutsche Ex-Nationalspieler hoffentlich bald in der zurzeit gebauten Vodafone-Arena auflaufen können. Neben den beiden Deutschen kamen zudem Rhodolfo und der Ex-Bremer Tosic, doch größtes Highlight war die Rückkehr von Ricardo Quaresma, der mit Cenk Tosun in den ersten Spielen schon ordentlich aufdrehte. Der charismatische Trainer Slaven Bilic ist nun neben Goalgetter Demba Ba fort bei den Adlern, deren Verlust der ehemalige Torhüter und Trainer-Urgestein Senol Günes aufzufangen versucht.

Trabzonspor

Der Verein aus der Hafenstadt Trabzon hat sich insbesondere in den letzten Jahren als weiterer Spitzenklub herauskristallisiert, der auch eine große Fangemeinschaft in Deutschland besitzt und in der Türkei mit vielen Jugendinternaten beeindruckt. Mit Chelsea-Leihgabe Marko Marin, Dame N´Doye, Douglas und Cavanda hat man interessante Leute geholt, die durch einen der besten Sechser der Liga mit Stephane Mbia, sowie dem starken Torhüter Kivrak, dem Ex-Bremer Mehmet Ekici und dem sehr verletzungsgeplagten Bosingwa unter Trainer Arveladze durchaus mit Außenseiterchancen im Spitzenkampf taugen.

 

Restlichen Teams

Im Verfolgerfeld der vier großen türkischen Vereine bestimmen Bursaspor, Antalya, Kasimpasa und Eskisehirspor das Mittelfeld der Süper Lig, bei deren Aufsteiger Antalya, aufgrund der starken wirtschaftlichen Verbindungen von Präsident Gülcer,  Samuel Eto´o ans schwarze Meer locken konnte, nachdem der Ronaldinho-Transfer  in letzter Sekunde platzte. Bei Eskisehirspor schwingt außerdem Michael Skibbe wiederholt das Zepter und verpflichtete Busenfreund Theofanis Gekas, der auch im Alter mit Toren verlässlich glänzt.

Im Abstiegskampf werden sich vermutlich Aufsteiger Kayseri, sowie Rizespor wiederfinden, die aufgrund der Finanzkraft und der geringeren Qualität im Kader, trotz interessanten spielerisch starken Neuzugängen wie beispielsweise dem Ex-Stuttgarter Yalcin, Schwierigkeiten haben dürften.

Fazit

Die gelockerten Transferregularien, sowie der geringe Spitzensteuersatz machen die Türkei weitaus attraktiver für ausländische Spieler, sodass beispielsweise mit Nani, ein Spieler sogar in den besten Jahren in die Türkei wechselt. Sportlich und Transfertechnisch gesehen wird Fenerbahce die großten Chancen im Titelkampf haben, jedoch lauert das hochtalentierte Team von Besiktas, sowie Meister Galatasaray  und Trabzonspor direkt dahinter und wird bis zum Ende kämpfen. Die Süper Lig ist auf jeden Fall sportlich attraktiver geworden und besitzt gute Chancen sich vom 11.Platz im Uefa-5 Jahresranking hochzuarbeiten und vielleicht werden sich auch in Zukunft, neben den deutschen Spielern auch mehr deutsche Zuschauer die Süper Lig verfolgen.

Top 3-Transfers

Mit Nani, Quaresma und Podolski holten die 3 großen Istanbuler Clubs starke Flügelspieler, die teilweise nach einem Karriereknick nun wieder Wind in ihre Karriere bringen wollen und allesamt das Potenzial besitzen, zu den entscheidenden Spielern ihrer Teams zu werden. Außerdem sollte man Eto´o, Van Persie und Mbia nicht vergessen, sodass man eigentlich von einer Top 6 sprechen könnte, die auf ihre Art und Weise die Süper Lig neu bereichern.

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